An Tieren getestete Kosmetika EU-weit verboten

Kosmetika, die an Tieren getestet wurden, dürfen nicht mehr in der EU vermarktet werden. "Ein wichtiges Signal für den Stellenwert, den Europa dem Tierschutz beimisst", sagt EU-Kommissar Tonio Borg. Foto: EC

Seit Anfang dieser Woche darf in der EU kein kosmetisches Produkt mehr vertrieben werden, das in irgendeiner Weise an Tieren getestet wurde. Allerdings hat die EU-Kommission ein „Hintertürchen offen gelassen“, sagt die EU-Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt (SPD).

Kosmetika, die an Tieren getestet wurden, dürfen seit Montag (11. März) nicht mehr in der EU vermarktet werden. Die letzte Frist für die schrittweise Abschaffung von Tierversuchen für Kosmetikprodukte ist abgelaufen.

Dazu erklärte der für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständige EU-Kommissar, Tonio Borg: "Das ist ein wichtiges Signal für den Stellenwert, den Europa dem Tierschutz beimisst. Dies ist eine große Chance für Europa, ein Beispiel für verantwortungsvolle Innovation im Bereich der Kosmetika zu geben, ohne die Verbrauchersicherheit zu gefährden."

Borg kündigte an, dass die Kommission dafür eintreten werde, dass auch Drittländer sich dem europäischen Vorgehen anschließen. Da ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen durch alternative Verfahren bisher noch nicht möglich ist, muss nach Ansicht der Kommission weiterhin in die Entwicklung investiert werden. Die Kommission hat für Forschungsarbeiten in diesem Bereich zwischen 2007 und 2011 etwa 238 Millionen Euro bereitgestellt. Auch die Kosmetikindustrie hat einen Beitrag geleistet, beispielsweise durch die Kofinanzierung der Forschungsinitiative SEURAT1 mit 25 Millionen Euro.

Tierversuche sind in der EU bereits seit 2004 für Kosmetika und seit 2009 für Bestandteile von Kosmetika verboten. Seit März 2009 ist es außerdem untersagt, in der EU Kosmetika zu vermarkten, die an Tieren getestet wurden. Für die komplexesten Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit war die Frist für das Vermarktungsverbot jedoch bis zum 11. März 2013 verlängert worden.
 
"Das ist ein guter Tag für den Tierschutz. 20 Jahre hat es gedauert, Tierversuche für Kosmetika komplett zu verbieten. Jetzt haben wir es endlich geschafft", so Dagmar Roth-Behrendt, SPD-Abgeordnete, Gesundheitsexpertin und Berichterstatterin in  verschiedenen Phasen der Kosmetikgesetzgebung.
 
"Allerdings hat die Kommission ein Hintertürchen offen gelassen. Ob sie dabei dem Druck der Industrie oder der ‚Weisheit‘ ihres antiquierten juristischen Dienstes gefolgt ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist dieser Schritt falsch", sagte Roth-Behrendt. So ist es den Mitgliedsstaaten überlassen, ob Ergebnisse von Tests an Tieren, die zur Überprüfung der Sicherheit anderer Produkte wie Medikamenten und Chemieprodukte zugelassen sind und durchgeführt wurden, auch für Kosmetika benutzt werden können, ohne dass die entsprechenden kosmetische Produkte unter das Vertriebsverbot fallen.
 
"Das ist völlig illegal. Wenn die Kommission meint, dass ein solches Datensharing legitim ist, dann missinterpretiert sie eine klare Gesetzgebung, die ausdrücklich solche Schlupflöcher verhindern wollte", kritisierte Roth-Behrendt. "Die Kosmetikindustrie wird dann zukünftig zufällig feststellen, dass beispielsweise Inhaltsstoffe für Pharmazeutika, die an Tieren getestet wurden, auch ganz hervorragend für kosmetische Zwecke verwendet werden können. Ich kann nur hoffen, dass reihenweise interessierte Menschen und Tierschutzvereine auf die Barrikaden gehen und Klage gegen dieses Datensharing erheben werden."

dto

Links

EURACTIV Brüssel: Europe slaps full ban on animal testing for cosmetics (11. März 2013)

EU-Kommission: Vollständiges EU-Verbot von Tierversuchen für Kosmetika tritt in Kraft (11. März 2013) 

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