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24/01/2017

Alkoholische Getränke: EU-Abgeordnete fordern Kalorienangaben und Warnhinweise

Gesundheit und Verbraucherschutz

Alkoholische Getränke: EU-Abgeordnete fordern Kalorienangaben und Warnhinweise

Bier, Wein und andere alkoholische Getränke sollen nach dem Willen des EU-Parlaments künftig klare Angaben und Warnhinweise auf den Etiketten tragen.

[Dennis Skley/Flickr]

Alkoholmissbrauch gilt EU-weit als die dritthäufigste Ursache für vermeidbare Todesfälle. Das EU-Parlament fordert nun „eindeutige“ Angaben zu den in alkoholischen Getränken enthaltenen Kalorien sowie Warnhinweise für schwangere Frauen und Autofahrer.

Im Kampf gegen übermäßigen Alkoholkonsum sollen nach den Vorstellungen des EU-Parlaments künftig auf den Etiketten aller alkoholischen Getränke in der EU „eindeutige“ Angaben zu den darin enthaltenen Kalorien sowie Warnhinweise für schwangere Frauen und Autofahrer stehen.

In einer Entschließung forderten die Abgeordneten am Mittwoch in Straßburg die EU-Kommission auf, eine entsprechende Strategie gegen Alkoholmissbrauch zu erarbeiten. An die EU-Staaten appellierten die Abgeordneten, nationale Vorschriften zur Unterbindung des Verkaufs von „sehr günstigem Alkohol“ zu überprüfen. Dies zielt nach Angaben eines Fraktionssprechers vor allem auf Lockangebote in Bars oder auf Werbeaktionen wie „Wodka zum halben Preis“ ab, die gerade Jugendliche anlocken können.

Entgegen den Berichten einiger Medien verlangt das Parlament aber keine Mindestpreise für Alkohol. Auch die Forderung einiger Abgeordneter, EU-weit ein Mindestalter von 18 Jahren für den Konsum alkoholischer Getränke vorzuschreiben, fand keine Mehrheit. Dies zu regeln sei Sache der einzelnen Staaten, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Liese. In Deutschland beispielsweise dürften Jugendliche ab 16 Jahren Wein oder Bier trinken, hochprozentige Getränke wie Schnaps aber seien erst ab 18 Jahren erlaubt.

Die Strategie solle nicht bevormunden, sondern vorbeugend aufklären, betonte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. Dabei solle das Augenmerk vor allem auf den Schutz von Kindern, Jugendlichen und schwangeren Frauen liegen. Auch die geforderten Kalorienangaben seien sinnvoll. „Wer es nicht bis zum Bierbauch kommen lassen will, sollte wissen, dass ein Liter Bier fast soviel Kalorien hat wie eine Tafel Schokolade“.

Nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird nirgends auf der Welt soviel Alkohol getrunken wie in Europa. Alkoholmissbrauch gilt EU-weit als die dritthäufigste Ursache für vermeidbare Todesfälle, etwa bei Verkehrsunfällen, und Folgeerkrankungen. Die EU-Kommission hatte bereits 2006 eine „Strategie zur Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Verringerung lokalbedingter Schäden“ aufgelegt, die vor drei Jahren ausgelaufen ist. Das Parlament fordert nun eine Neuauflage für den Zeitraum 2016 bis 2022. Sie soll vor allem auf Prävention und Aufklärung über die Gefahren übermäßigen Alkoholkonsums abzielen. Die Brüsseler Behörde ist allerdings nicht verpflichtet, dieser Aufforderung Folge zu leisten.

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