Pathologe: Cholesterin ist ein viel größeres Problem als ursprünglich angenommen

Mehr als 2000 Delegierte nahmen an der EAS-Konferenz in Glasgow teil. Foto: Henriette Jacobsen

This article is part of our special report Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Cholesterin.

Einige Krankheiten im Zusammenhang mit Cholesterin sind verbreiteter als ursprünglich angenommen. Politiker müssen mehr Geld für Forschung und Früherkennung bereitstellen, sagt der Pathologe Robert Cramb im Interview mit EURACTIV.

Robert Cramb ist beratender Pathologe am Queen Elizabeth-Krankenhaus in Birmingham. Er hat am Rande der Konferenz der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) in Glasgow mit Henriette Jacobsen und Evan Lamos von EURACTIV gesprochen.

Worum geht es bei der EAS-Konferenz in Glasgow und warum ist es eine wichtige Gesundheitskonferenz?

Cramb: Die EAS-Konferenz ist das jährliche Treffen der Atherosklerose-Gesellschaft. Es ist ein sehr wichtiges Treffen, weil es uns die Gelegenheit gibt, die Grundlagenforschung und auch die klinische Beteiligung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchzusehen. Wir haben die Chance, mit Wissenschaftlern und Medizinern zu netzwerken, die an der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen interessiert sind.

Auf welche Krankheiten konzentrieren Sie sich bei dieser Konferenz besonders?

Wir konzentrieren uns bei der Konferenz insbesondere auf die Familiäre Hypercholesterinämie (FH). Es gibt bereits eine Initiative, alle Partnerschaften der Europäischen Union und der ganzen Welt zusammenzubekommen und sich FH anzuschauen. Wir sehen uns auch eine Reihe von Möglichkeiten an, mit denen wir Krankheiten behandeln können. Einige der neueren Medikamente, die PCSK9 genannt werden, kommen voran. Sie werden wahrscheinlich in den nächsten Jahren für die medikamentöse Therapie eingeführt, wenn sie die klinischen Studien und die Überprüfung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) überstehen.

Warum ist es wichtig, sich gerade jetzt auf FH zu konzentrieren?

FH ist eine Krankheit, von der wir zuvor annahmen, dass sie einen von 500 Menschen betrifft. Es ist wichtig, weil sie Menschen ab 15 betrifft und 50 Prozent aller Männer und Frauen können von der Krankheit betroffen sein. Die auftretenden Folgen können so verheerend sein wie der plötzliche Tod mit Anfang 20.

In den Niederlanden gibt es gute Gründe dafür, die Menschen auf FH zu untersuchen. Sie ist weit davon entfernt, einen von 500 Menschen zu betreffen, sie liegt (näher) an der Marke einer von 250 Menschen. Sie ist also viel verbreiteter als wir zuvor erkannten. Darüber hinaus sehen wir auch, dass „doppelte Gene“ die Menschen beeinträchtigen und das macht die Krankheit noch schlimmer. Sie wird dadurch zu einer der verbreitetsten erblichen Krankheiten der Welt.

Ist sie eine übersehene Krankheit? Fordern Sie mehr Früherkennung?

Es ist sicherlich eine Krankheit, die die Menschen in den vergangenen 20 Jahren ignoriert haben. Es gibt jetzt die Erkenntnis, dass Statine ganz klar Herzkrankheiten verhindern. Außerdem haben wir Daten über Statin-Medikamente in FH-Patienten und im Vereinigten Königreich haben wir beispielsweise Richtlinien für die Früherkennung von FH.

Im Vereinigten Königreich machen wir das in jedem Wahlkreis auf unterschiedliche Art. In Schottland, Nordirland und in Wales gibt es ausgereifte Früherkennungsprogramme. In England passiert das in nur wenigen Gegenden. Das ist sehr bedauerlich und ein Teil davon ist auf die Finanzierung zurückzuführen. Wenn man sich allerdings die Finanzierungsprobleme anschaut, ist es eigentlich kosteneffizienter, die Bevölkerung zu untersuchen als sie damit alleine zu lassen.

Die Politiker müssen erkennen, dass sie mehr Geld hineinstecken sollten. Einige der Organisationen wie HeartUK, eine Cholesterin-Hilfsorganisation, haben in den vergangenen Jahren versucht, das Parlament dahingehend zu beeinflussen.

Da FH im Zusammenhang mit Genen steht, können Sie etwas darüber sagen, wo sie in Europa am verbreitetsten ist?

Es scheint sehr eindeutig zu sein, dass man in der ganzen EU tatsächlich die gleiche Krankheitsverbreitung hat, unabhängig davon, wo man ist. Natürlich gibt es einige Unterschiede. Aber ich würde trotzdem dabei bleiben, dass die Verbreitung in ganz Europa eher bei einem von 250 Menschen liegt.

Was sollten EU-Politiker, zum Beispiel ein Europaabgeordneter oder Kommissar, Ihrer Meinung nach tun, um den FH-Patienten zu helfen?

Ich denke wirklich, dass die Bemühung über die Ländergrenzen hinausgehen muss. Wir müssen die gleiche Botschaft propagieren, dass die Statin-Therapien, die wir haben, sehr gut für die große Mehrheit der Patienten sind und wir sollten europaweit versuchen, Früherkennung zu fördern.

Wenn wir ein Früherkennungs-Programm starten würden, wären wir in der Lage die Bevölkerungsgruppen korrekt auszumachen und richtige Therapien zu starten. Diese Therapien könnten angemessener geplant werden und wir könnten sie überprüfen, um sicherzustellen, dass sie für die Bevölkerung angemessen sind.

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