Trotz Warnungen ist Europa noch stark von Masern betroffen

In Sarajevo zum Beispiel wurden nur 8 von 866 EinwohnerInnen des Kantons, bei denen seit Anfang des Jahres Masern diagnostiziert wurden, geimpft. [EPA/ SASCHA STEINBACH]

In Europa kommt es immer noch zu schweren Masern-Ausbrüchen, obwohl das Bewusstsein und die Koordinierung der EU im Hinblick auf Impfungen zugenommen haben.

Die Krankheit ist kürzlich in vier europäischen Ländern wieder verstärkt aufgetreten, in denen sie als ausgerottet galt, wie ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt. Diese Länder sind das Vereinigte Königreich, Griechenland, die Tschechische Republik und Albanien.

Die WHO meldete, in der ersten Jahreshälfte 2019 sei es zu 89.994 Masernfälle in 48 europäischen Ländern gekommen – mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres (44.175) und bereits mehr als im gesamten Jahr 2018 (84.462).

„Die Rückkehr der Masernansteckungen ist bedenklich. Wenn nicht in jeder Gemeinde eine hohe Impfdichte erreicht und aufrechterhalten wird, werden sowohl Kinder als auch Erwachsene unnötig leiden. Und einige werden auf tragische Weise sterben,“ warnte Dr. Günter Pfaff, Vorsitzender der Europäischen Regionalen Prüfungskommission für Masern und Rötelnbekämpfung.

Masernausbruch in Europa

Im ersten Halbjahr 2018 sind in Europa deutlich mehr Fälle von Masern gemeldet worden. Es habe mindestens 37 Todesfälle gegeben.

Im Kanton Sarajewo im Herzen Bosnien-Herzegowinas zum Beispiel waren nur 8 von 866 Einwohnern, bei denen seit Anfang des Jahres Masern diagnostiziert wurden, nach Angaben des Public Healthcare Institute geimpft, berichtete der Fernsehsender N1.

Laut einer kürzlich durchgeführten Eurobarometer-Umfrage halten 85 Prozent der EU-Bürger Impfstoffe für ein wirksames Mittel zur Prävention von Krankheiten. Aber fast die Hälfte von ihnen glaubt, dass Impfstoffe „oft schwere Nebenwirkungen haben können“.

Dr. Seth Berkley, Epidemiologe und Vorsitzender der globalen Impfstoffallianz GAVI, kommentierte, Impfstoffe seien „ein Opfer ihres eigenen Erfolgs“ seien. Im Gespräch mit EURACTIV.com im Juli erklärte er, dass das Erreichen der maximalen Impfrate in der Vergangenheit die wichtigste gesundheitliche Herausforderung war. „Aber die aktuelle Herausforderung besteht darin, dass die Menschen sich dafür entscheiden, ihre Kinder nicht zu impfen“, fügte er hinzu.

Die EU hat keine rechtliche Zuständigkeit für Impfungen; es liegt an den Mitgliedstaaten, nationale Strategien zur Erhöhung der Impfversorgung zu verabschieden oder zu entscheiden, ob eine Impfung verpflichtend sein sollte oder nicht.

Im April 2018 schlug die Kommission eine Empfehlung zur Stärkung der freiwilligen Kooperation aller Beteiligten bei der Bekämpfung von durch Impfung vermeidbaren Krankheiten vor, die vom Rat angenommen wurde. Die EU-Exekutive hat deutlich gemacht, dass der Plan nicht nur ein „Stück Papier“ sein sollte.

Impfungen: Stärkste Waffe im Kampf gegen vermeidbare Krankheiten

Seit 2000 wurden 440 Millionen Kinder gegen vemeidbare Krankheiten geimpft und damit rund sechs Millionen Todesfälle verhindert. Aber immer noch sind 22,6 Millionen Kinder nicht geimpft und 1,5 Millionen Kinder, die jünger als fünf Jahre alt sind, sterben jährlich an vermeidbaren Krankheiten. Was kann dagegen getan werden? Um die Situation weiter zu verbessern, müssten die Preise für Impfungen gesenkt werden.

Die Aktion der EU-Exekutive erfolgte zu einem Zeitpunkt, zu dem europaweit immer mehr Impfkampagnen durchgeführt wurden, während einige „vergessene“ Krankheiten wie Masern wieder auftauchten.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hat wiederholt die Rolle der Gesundheitsexperten bei der Information der Patienten hervorgehoben, während die Pharmaindustrie ebenfalls die politischen Entscheidungsträger aufgefordert hat, auf eine lebenslange Immunisierung zu drängen, innovative Industrielösungen zu unterstützen und den nationalen Impfprogrammen einen neuen Impuls für eHealth-Lösungen zu geben.

Die EU-Exekutive und die WHO organisieren derweil am 12. September in Brüssel einen globalen Impfgipfel („Global Vaccination Summit“). 

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Britta Weppner]

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