Tabakfreies Europa?

Vor allem Alkohol und Tabakprodukte dürften im Fokus der Anti-Krebs-Strategie der Kommission stehen. [SHUTTERSTOCK/PHOTOGRAPEE.EU]

Die mit Spannung erwartete EU-Strategie zur Krebsbekämpfung scheint insbesondere auf Prävention zu setzen. Nach EURACTIV-Informationen dürften dabei vor allem Alkohol und Tabakprodukte im Fokus stehen.

Ein EU-weiter Plan zur Krebsbekämpfung bleibt eine der Prioritäten der Kommission von Ursula von der Leyen im Bereich der öffentlichen Gesundheit – auch wenn die COVID-Krise in den vergangenen Monaten die Aufmerksamkeit vom Thema Krebs verständlicherweise weitgehend abgelenkt hatte.

Die Maßnahmen zur Krebsbekämpfung, die eigentlich bereits im Dezember vorgestellt werden sollten, zielen darauf ab, die bereits bestehenden Bemühungen der EU-Mitgliedsstaaten zu unterstützen, zu koordinieren und zu verstärken, heißt es.

Ein Entwurf des „Europe’s Beating Cancer Plan„, der EURACTIV vorliegt, zeigt, dass dieser Plan auf vier Hauptsäulen basieren wird: Prävention, Frühdiagnose, Behandlung und Nachsorge. Es soll sieben „Leitinitiativen“ und eine Reihe weiterer unterstützender Maßnahmen geben.

Der Plan solle als „die politische Verpflichtung der EU, im Kampf gegen Krebs nichts unversucht zu lassen“, betrachtet werden.

"Rechne fest mit steigenden Krebserkrankungen”

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Dementsprechend werden im Entwurf einige ehrgeizige Ziele im Bereich Prävention ausgegeben, unter anderem die Absicht, bis 2040 eine erste „tabakfreie Generation“ in Europa zu erreichen: Da bis zu 90 Prozent der Lungenkrebserkrankungen vermeidbar seien, strebe die Kommission an, dass in 20 Jahren weniger als fünf Prozent der Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union Tabak konsumieren.

Dies soll laut der EU-Exekutive durch eine rigorose Durchsetzung des EU-Tabakkontrollrahmens und dessen Anpassung an neue Entwicklungen und Markttrends erreicht werden. Das schließe auch strengere Regeln für neue Produkte wie E-Zigaretten und pflanzenbasierte Rauchpräparate ab 2021 ein.

Rauchverbote, Gesetzesreformen und Steuern

Laut Entwurf erwägt die Kommission, die Empfehlung des Rates zu „rauchfreien Umgebungen“ wie öffentlichen Plätzen bis 2023 zu aktualisieren und empfiehlt, „dessen Geltungsbereich auf neue Produkte wie E-Zigaretten und Tabakerhitzer auszuweiten“.

Darüber hinaus betrachtet die EU-Exekutive die Besteuerung von Tabakwaren als eines der wirksamsten Instrumente zur Bekämpfung des Konsums. Vor allem würden aufgrund höherer Preise junge Menschen davon abgehalten, mit dem Rauchen zu beginnen.

Um die Attraktivität von Tabak und tabakähnlichen Produkten zu verringern, wird die Kommission wohl eine Überprüfung mehrerer EU-Gesetze ankündigen, wie beispielsweise der Richtlinie über Tabakerzeugnisse, der Richtlinie über die Besteuerung von Tabakwaren und des rechtlichen Rahmens für den grenzüberschreitenden Einkauf von Tabak durch Privatpersonen.

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Alkohol

Das andere Zielobjekt der Initiative zur Bekämpfung von Krebs ist Alkohol, der für mehr als 15 Prozent der krebsbedingten Todesfälle bei Männern und sogar 30 Prozent bei Frauen verantwortlich ist.

In Anlehnung an die Bemühungen zur Reduzierung des Tabakkonsums will die Kommission die EU-Gesetzgebung zur Besteuerung von Alkohol und zum grenzüberschreitenden Einkauf von Alkoholprodukten durch Privatpersonen überprüfen.

Die Maßnahmen dürften auch eine Einschränkung der Online-Vermarktung und -Werbung von alkoholischen Getränken beinhalten. Damit soll ebenfalls verhindert werden, dass junge Menschen an entsprechende Produkte herangeführt werden.

Landwirtschaft und Kennzeichnung

„Die Kommission wird auch vorschlagen, die Unterstützung des Alkoholkonsums über das EU-Förderprogramm für landwirtschaftliche Erzeugnisse einzustellen,“ heißt es im Planentwurf. Im Bereich Landwirtschaft könnte es ebenso zu einem (deutlich umstritteneren) Ende der EU-Förderpolitik für andere Produkte kommen, die mit Krebsrisiken in Verbindung gebracht werden, wie etwa rotes und verarbeitetes Fleisch.

Die in der „Farm to Fork“-Strategie (F2F) angekündigte verpflichtende Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen soll darüber hinaus eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung der negativen Auswirkungen von ungesunder Ernährung, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel spielen. Ein Vorschlag zur verpflichtenden Auszeichnung der Zutatenliste und des Kaloriengehalts sowie weitere Gesundheitswarnungen auf den Etiketten alkoholischer Getränke soll bis Ende 2023 vorgestellt werden.

Aus dem aktuellen Entwurf geht schließlich auch hervor, dass sich die Kommission bei Umweltfragen engagieren will. Beispielsweise sollen die EU-Luftqualitätsstandards an die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation anpasst und die Belastung durch krebserregende Stoffe und Strahlung verringert werden; letzteres durch stetige Aktualisierungen der Richtlinie über krebserregende und erbgutverändernde Stoffe.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]

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