Masernausbruch in Europa

Impfgegner in Rom. Am 28. Juli 2017 hatte das italienische Unterhaus einer Verordnung zugestimmt, die zehn Impfungen für Kinder bis zum Alter von sechs Jahren verbindlich vorschreibt. [EPA/Giuseppe Lami]

Im ersten Halbjahr 2018 sind in Europa deutlich mehr Fälle von Masern gemeldet worden. Es habe mindestens 37 Todesfälle gegeben, warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Die meisten Masern-Fälle wurden in der Ukraine beobachtet, während es in Serbien die höchste Infektionsrate pro eine Million Einwohner sowie die höchste Todesrate im Zusammenhang mit der Krankheit gibt.

Anfang der Woche hatte die WHO mitgeteilt, dass im ersten Halbjahr 2018 mehr als 41.000 Fälle von Masernerkrankungen in Europa gemeldet worden waren. Im Vergleich dazu gab es im selben Zeitraum 2017 rund 24.000 Fälle, und 2016 nur 5.000. Letzteres war der niedrigste Stand in zehn Jahren.

2018 wurde mehr als die Hälfte der Masernerkrankungen in der Ukraine gemeldet – rund 23.000 – während in Frankreich, Georgien, Griechenland, Italien, Russland und Serbien ebenfalls jeweils über 1.000 Fälle bekannt sind.

Dabei gibt es aus all diesen Ländern auch registrierte Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit. Serbien ist mit 14 Toten der traurige „Spitzenreiter”. Im Balkanland gab es mit 650 auch die meisten Masernfälle pro eine Million Einwohner.

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Impfgegner in Serbien

In Serbien gibt es eine hauptsächlich in den sozialen Medien im Internet aktive Impfgegnerszene. Deren Gründe für die Ablehnung der Impfung reichen von Anti-Globalisierung über Bedenken gegenüber der sogenannten „Pharma-Mafia“ und in Bezug auf die Verträglichkeit von Impfungen für Kinder bis zum Recht der Eltern, über Impfungen für ihr Kind selbst zu entscheiden.

Letzteres Recht gibt es in Serbien allerdings faktisch nicht: Nach dem serbischen Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor Infektionskrankheiten ist eine Impfung vorgeschrieben. Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen, drohen Geldstrafen zwischen 30.000 und 150.000 Dinar (250 – 1.200 Euro).

Anfang des Jahres leitete die Oberstaatsanwaltschaft in Belgrad eine Untersuchung gegen Impfgegner ein, die versucht hatten, Panik in der Öffentlichkeit zu verbreiten und falsche Informationen über die MMR-Impfung (Masern, Mumps und Röteln) in sozialen Medien präsentierten.

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Die vom serbischen Institut für öffentliche Gesundheit vorgelegten Daten zeigen, dass die Epidemie, die bereits im Herbst 2017 ausbrach, der größte Masernausbruch in Serbien seit 25 Jahren ist. Außerdem gab es die ersten Masern-Todesfälle seit 20 Jahren. 94 Prozent der Infizierten waren nicht oder nicht ausreichend geimpft, oder ihr Impfstatus ist unbekannt.

Seit Oktober 2017 hat Serbien seine epidemiologischen Überwachungsmaßnahmen daher verschärft. Das Institut für öffentliche Gesundheit teilte auch mit, die Überprüfung und Durchführung von Impfungen bei Personen im Alter von 1 bis 14 Jahren würden intensiviert.

Nach dem jüngsten Bericht der WHO stieg der Anteil der MMR-Impfungen in Europa im Jahr 2017 von 88 Prozent im Vorjahr auf nun 90 Prozent. Dabei seien aber die Unterschiede zwischen den Regionen sehr groß: In einigen Gebieten liege der Anteil der geimpften Menschen über den angestrebten 95 Prozent, in anderen hingegen bei unter 70 Prozent.

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