Rosanna Tarricone, Leiterin der Wirtschaftsangelegenheiten bei Eucomed, sagte, auch wenn Technologien existierten, gehe deren Verwendung im Sektor der häuslichen Pflege zu langsam von Statten. Grund hierfür seien Hindernisse finanzieller Art sowie die unflexible Organisation des Pflegewesens.
Tarricone fügte hinzu, Rückerstattungssysteme hielten Anbieter davon ab, innovative Technologien zu verwenden, da nicht die Investoren daraus Gewinne einstrichen sondern Patienten und deren Pfleger. Sie betonte die Notwendigkeit, dass die Art der Finanzierung und Organisation des Gesundheitswesens geändert würde. Sie müsse anstatt des vertikalen Ansatzes der 1970er Jahre mittels eines eher horizontalen Ansatzes organisiert werden, in dem der Rechtsrahmen kein Hindernis darstellen sollte.
Gérard Comyn, Leiter der Einheit Informations- und Kommunikationstechnologien für die Gesundheit der Kommission, betonte die Notwendigkeit, sichere Gesundheitsinformationsnetze einzuführen, um die Standorte der Pflegedienste der persönlichen Gesundheitssysteme zu verbinden. Definitionsgemäß seien Netzwerke der Telemedizin der Schlüssel.
Diesbezüglich betonte Comyn ebenfalls die Bedeutung der Interoperabilität, um ‚mobile Gesundheit’ zu ermöglichen (beispielsweise drahtlose Körpersensoren). Interoperabilität sei das einzige technische Problem der Telemedizin. Die anderen Herausforderungen seien nicht technischer Natur. Stattdessen führte er rechtliche Hindernisse, finanzielle Fragen wie Rückerstattung für Patienten und praktische Aspekte wie Zertifizierung und Akkreditierung, Datenschutz und Privatsphäre an.
Giuseppe Paruolo, Vizebürgermeister von Bologna und zuständig für Gesundheit und Kommunikation, sagte, teure, ausgefallene und beschränkte Experimente könnten interessante Tests sein. Man müsse aber Lösungen in Betracht ziehen, durch die es möglich sei, einen Großteil der Bevölkerung zu berücksichtigen. Die Kosten für Geräte, Organisation sowie andere, hiermit in Verbindung stehende Kosten müssten von Anfang an in Betracht gezogen werden.
Paruolo sagte, öffentliche Behörden wollten keine 1 000 Euro für ein Medizingerät zahlen, wie beispielsweise einen kleinen Handgelenksensor, wenn dessen realer Preis zehn Euro betrage, nur weil die Branche Kosten für die Zusammenschaltung und Kommunikation einem jeden Gerät zufüge.
Er sagte, er wolle eine Lösung, bei der man eine weltweite Kommunikationsinfrastruktur ein für alle Mal einführe, die alle Haushalte erreiche. Anschließend könne man diesem Netz Geräte zuschalten, die mit der Infrastruktur kommunizieren könnten. Er werde nicht für jedes Gerät eines anderen Unternehmens die Kommunikationsinfrastruktur zahlen.
Paruolo fügte hinzu, man müsse eine öffentliche Infrastruktur einführen und Ausschreibungen für Geräte veröffentlichen, die in diese Infrastruktur integriert werden könnten. In diesem Fall könne man der Industrie 15 Euro pro Gerät zahlen, jedoch keine 1 000 Euro.
Er sagte weiterhin, dass eine Harmonisierung der Standards auf europäischer Ebene und eine Art ‚Entflechtung’ des Gesundheitswesens, um dessen verschiedene Teile zu trennen –wie Kommunikationsinfrastruktur und Sensoren – notwendig sei.
François Décaillet vom Regionalbüro der WHO für Europa sagte, langfristig gesehen werde die Investition in Technologie billiger sein. Man stehe vor einem großen Problem und müsse hier viel schneller voranschreiten als es derzeit der Fall sei.