Mitsotakis: Beten reicht beim Coronavirus nicht aus

"Als Premierminister muss ich den Wissenschaftlern zuhören. Was für öffentliche Versammlungen gilt, gilt auch für die Kirchen", stellte der Premierminister Mitsotakis klar. [EPA/HAYOUNG JEON]

Premierminister Kyriakos Mitsotakis hat die griechisch-orthodoxe Kirche gestern aufgefordert, die wissenschaftlichen Empfehlungen bei öffentlichen Versammlungen zu beachten, falls die Behörden die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus-Ausbruchs verstärken.

„Ich persönlich habe das Bedürfnis, mich auf meinen Glauben zu berufen“, räumte Mitsotakis in einer Fernsehansprache am Mittwoch ein. „Aber als Premierminister muss ich den Wissenschaftlern zuhören: Was für öffentliche Versammlungen gilt, gilt auch für die Kirchen,“ stellte er klar.

„Der Glaube beginnt oft dort, wo die Wissenschaft endet. Aber der Glaube, den wir jetzt brauchen, ist, dass wir es schaffen, diese Krise zu überwinden“, fuhr der konservative Premierminister fort.

Mitsotakis betonte ferner, dass „alle den Anweisungen der Ärzte und Spezialisten folgen sollten“.

USA schließen wegen Coronavirus ihre Grenzen für Europäer

Zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie ergreifen die USA drastische Maßnahmen und verhängen ein 30-tägiges Einreiseverbot für Europäer. Die Grenzen für Menschen aus Europa sollen ab Freitag um Mitternacht (Ortszeit) geschlossen werden.

Anfang dieser Woche hatte die griechisch-orthodoxe Kirche eine Erklärung herausgegeben, in der es hieß, dass für die Kirchenmitglieder der Besuch von Gottesdiensten, das Abendmahl und die Kommunion „sicherlich keine Ursache für die Übertragung von Krankheiten sein können“.

Die Erklärung löste heftige Reaktionen von Ärzten und Wissenschaftlern aus, die die Kirche aufforderten, sich an wissenschaftliche Empfehlungen zu halten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

In der orthodoxen Kirche wird das Abendmahl von einem Priester mit einem gemeinsamen Löffel für alle Gläubigen gespendet – ein Ritual, das die römisch-katholische Kirche aufgegeben hat.

Anstelle von Hygienemaßnahmen forderten die griechischen Religionsinstanzen die Gläubigen auf, gegen die Verbreitung des Virus zu „beten“. Ansonsten solle man aber alle von den Behörden angegebenen notwendigen Maßnahmen ergreifen.

Merkel: Deutschland gut gegen Corona gerüstet

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erstmal öffentlich zur Corona-Epidemie geäußert. Deutschland sei Dank großer finanzieller Rücklagen und guter Notfallmechanismen gut gegen den Coronavirus gerüstet, sagte sie. Dennoch werde man „tun, was nötig ist“.

Erster Todesfall

Der erste Todesfall in Griechenland durch das Coronavirus wurde heute früh am Morgen gemeldet. Ein 66-jähriger Mann verlor den Kampf gegen die Krankheit, nachdem er am 4. März ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Im Land gibt es inzwischen rund 100 Coronavirus-Fälle.

Die Regierung hat bereits beschlossen, den Betrieb aller Bildungseinrichtungen ab dem 11. März aus Vorsichtsgründen auszusetzen, um die Verbreitung des Coronavirus im Land einzudämmen. Die Maßnahme erstreckt sich auf alle Ebenen des öffentlichen und privaten Bildungswesens und ist bereits in Kraft getreten.

Mitsotakis kündigte außerdem an, dass weitere 2.000 Krankenpfleger und Ärzte mit Zweijahresverträgen eingestellt werden sollen, um den Krankenhäusern bei der Bewältigung der Notfalllage zu helfen.

Der griechische Premierminister warnte auch vor den schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus und wiederholte die Forderung nach Änderungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts und der Haushaltsziele der EU, um Sonderausgaben im Zusammenhang mit dem Virus zu finanzieren.

„Ich glaube, dass dies der Fall sein muss und dass die Europäische Union alles tun wird, um ihre Mitgliedsstaaten schnell zu unterstützen,“ erklärte Mitsotakis.

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[Bearbeitet von Frédéric Simon und Britta Weppner]

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