Gesundheitskrisen: EU-Gesundheitsminister proben für den Ernstfall [DE]

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Bei einem informellen Treffen am 8. und 9. September 2008 haben die Gesundheitsminister die Notwendigkeit für eine bessere Abstimmung der Reaktionen auf EU-Ebene hervorgehoben. Das sei notwendig, damit die Behörden die Bevölkerung wirksam schützen könnten, wenn ansteckende Krankheiten wie die Vogelgrippe, SARS oder das Gelbfieber ausbrechen würden. 

Zu diesem Schluss war man nach der Durchführung einer Simulationsübung gekommen, bei der die Minister diskutiert hatten, wie sie ihre Kommunikation, Reisebestimmungen sowie die Verwendung und Lagerung von medizinischen Produkten im Krisenfall gestalten könnten. Sie spielten dabei zwei Krisenszenarien auf EU-Ebene durch: den Ausbruch von Gelbfieber und des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS). 

Die Sicherstellung der Volksgesundheit gehört mit zu den Prioritäten der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Auch Tschechien und Schweden, die die nächste bzw. übernächste Präsidentschaft übernehmen werden, wollen sich weiter mit dem Thema beschäftigen, um die Handlungsmöglichkeiten der EU auszuweiten, größere Pandemien wie die Vogelgrippe handhaben zu können, nachdem ein Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) auf die mangelnde Bereitschaftsplanung der EU hingewiesen hatte (EURACTIV vom 27. September 2008).

Obgleich die meisten EU-Länder spezielle Programme für die Bekämpfung der Vogelgrippe und Grippepandemien entwickelt hätten, müsse die Arbeit auch auf EU-Ebene fortgesetzt werden, erklärte die französische Ratspräsidentschaft bei einer Informationsnotiz, die im Vorfeld des informellen Treffens veröffentlicht worden war.
In der Tat hebt die Notiz hervor, dass eine Gesundheitskrise größeren Ausmaßes eine politische Dimension erreichen und höhere Anforderungen an die Kommunikation mit sich bringen würde, wenn das Vertrauen der Menschen gewonnen und gewahrt werden solle, während gleichzeitig die Notwendigkeit bestünde, Informationen zu verbreiten, um die Öffentlichkeit zu schützen.

Eine verstärkte Zusammenarbeit auf EU-Ebene sei daher vonnöten. Allerdings umfassten die derzeitigen Kooperationsbemühungen im öffentlichen Gesundheitswesen noch nicht alle Aspekte einer Krise, die die gesamte Gesellschaft betreffen würde, ging aus der Information hervor.

Daher hoben die Minister die Notwendigkeit eines branchenübergreifenden Ansatzes hervor, nicht nur, um die Aspekte abdecken zu können, die in direkter Weise die Gesundheit beträfen, sondern auch, damit grundlegende Aktivitäten beispielsweise im Transportwesen und in der Wirtschaft ohne Unterbrechung fortgesetzt werden könnten.

Darüber hinaus hoben die Minister die Notwendigkeit hervor, Vorräte an medizinischen Produkten anzulegen, die in solchen Krisen benötigt würden. Die ernstzunehmenden Lieferprobleme von Technetium – einem wichtigen radioaktiven Isotop, das für die Diagnose von Krebs und andere medizinische Untersuchungen verwendet wird – mit denen sich Krankenhäuser in der EU in der letzten Woche konfrontiert sahen, dienten als Beispiel für die Notwendigkeit bei der Sicherstellung einer ununterbrochenen Versorgung mit medizinischen Produkten.

Die französische Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot-Narquin kündigte ihre Absicht an, in Kürze ein außerordentliches Treffen des Ausschusses für Gesundheitssicherheit einzuberufen, um die Möglichkeiten zu überprüfen, Technetium aus nicht-europäischen Ländern einzuführen, um die Nachfrage decken und die begrenzten Mittel auf gerechte Weise verteilen zu können.

Der nächste Gesundheitsrat, der für den 15. und 16. Dezember geplant ist, wird die offizielle abschließende Erklärung zu einer EU-Strategie zur Sicherstellung der Volksgesundheit annehmen.

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