Dies ist bereits der zweite Genreis-Skandal innerhalb eines Monats. In Reis aus asiatischen Supermärkten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurden Spuren von gentechnisch verändertem Reis aus China nachgewiesen. Die Kommission versprach, hart gegen die Importeure durchzugreifen.
Die Umweltorganisationen Friends of the Earth und Greenpeace haben Spuren des Proteins Cry1Ac oder einer Verbindung der Proteine Cry1Ab/Cry1Ac in Reisproben von fünf unterschiedlichen Marken in drei Ländern gefunden. Eine 1999 durchgeführte Studie der US-Umweltbehörde ergab, dass das Cry1Ac-Protein, das im Bakterium Bacillus thuringiensis auftritt, Antikörperreaktionen auslösen kann deren Symptome den Allergien, die häufig bei Bauern auftreten, ähnlich sind. In der EU darf dieses Protein nur in Mais verwendet werden und auch in Großbritannien und den Niederlanden sind die Auflagen noch strenger.
Laut Greenpeace und Friends of the Earth stammt der Reis von nicht genehmigten Anbaufeldern in China, wo die gentechnisch modifizierten Reispflanzen nicht abgeschirmt wurden. Die Organisationen werfen Forschungsinstituten und Unternehmen vor, Bauern nicht genehmigte Reissaat verkauft zu haben. Diese Vorwürfe wurden von der chinesischen Regierung zurückgewiesen, jedoch wurden kurz darauf Strafmaßnahmen gegen eine Reihe von Unternehmen, die Saatgut vertreiben, eingeleitet. Kürzlich aufgetretene Fälle von verunreinigten Heinz-Produkten in drei chinesischen Provinzen deuten darauf hin, dass mittlerweile die Lebensmittelkette im ganzen Land betroffen ist.
Greenpeace und Friends of the Earth Europe fordern einen sofortigen Einfuhrstopp für Reis aus China. Die Umweltorganisationen verlangen auch umfangreiche Tests und den Rückruf chinesischer Produkte im Falle positiver Testergebnisse. Die Entscheidung über ein Einfuhrverbot liegt bei dem Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit der Kommission. Das nächste Treffen des Ausschusses findet am 11. September 2006 statt. Bisher steht nur der illegale Import von Genreis der Sorte LL 601 aus den USA auf der Tagesordnung. Spuren von LL 601 waren im August 2006 in importiertem Reis entdeckt worden. Dieser könnte jedoch bereits im Januar 2006 nach Europa gelangt sein.
Die Kommission hat am 5. September 2006 Importeuren von Lebensmitteln vorgeworfen, nicht genug unternommen zu haben, um die Einfuhr von nicht genehmigtem Reis zu vermeiden. Die Pressesprecherin der Kommission Barbara Helfferich zitierte einen Brief der Kommission an die Reisimporteure, in dem die Kommission deutlich macht, dass sie in Zukunft erwarte, dass keine Reisprodukte mit illegalem Inhalt auf den Markt gelangten. Sie fügte hinzu, dass die Kommission die Mitgliedstaaten aufgefordert hätte, ihre Kontrollen von Reisprodukten zu verstärken. Die Berichte der Mitgliedstaaten werden am 11. September vorgelegt.
China ist mit 31% der Weltproduktion der größte Reisproduzent der Welt.
