Französische Politiker wollen Zigaretten in Filmen verbieten

Soll uncool werden: Ein rauchender James Bond. [Movie Maker/ YouTube]

Die EU-Kommission will einen Vorschlag aus Frankreich unterstützen, demnach das Rauchen in Filmen verboten werden soll, um den Reiz von Tabakprodukten zu mindern. Das bestätigte eine Kommissionssprecherin gegenüber EURACTIV.com.

„Die Kommission begrüßt alle Maßnahmen der Mitgliedstaaten, die das Rauchen unattraktiv machen und gerade junge Menschen davon abbringen sollen, mit dem Rauchen anzufangen,“ sagte Kommissionssprecherin Anca Paduraru.

In einer Senatssitzung am 16. November hatte Frankreichs Gesundheitsministerin Agnès Buzyn deutlich gemacht, sie sei bereit, „starke Maßnahmen“ im Kampf gegen das Rauchen zu ergreifen und den Tabakkonsum in Filmen zu verbieten. Damit schloss sie sich der vorhergegangenen Aussage der sozialistischen Senatorin Nadine Grelet-Certenais an, die französischen Filmemachern vorwarf, effektiv Tabakwerbung zu betreiben.

„70 Prozent aller französischen Filme haben mindestens eine Szene, in der Jemand raucht. Dadurch wird das Rauchen banalisiert und gegenüber Kindern und Jugendlichen sogar beworben,“ so Grelet-Certenais.

Gesundheitsministerin Buzyn erklärte, sie wolle sich mit Kulturministerin Françoise Nyssen über das Thema austauschen und über den zweiten Regierungsplan gegen das Rauchen das Image von Tabak in der Gesellschaft „entnormalisieren“. Sie stimmte Grelet-Certenais zu und fügte an: „Ich verstehe nicht, warum Zigaretten im französischen Film derart wichtig sind.“

Dominick Nguyen vom European Network for Smoking and Tobacco Prevention (ENSP) äußerte gegenüber EURACTIV, ein solches Verbot sei ein „wichtiger Schritt“ gegen das Rauchen, insbesondere unter Jugendlichen. „In Frankreich raucht mehr als ein Viertel der Unter-15-Jährigen regelmäßig. Daher ist jede Initiative, die sie aus dem Fadenkreuz der Tabakindustrie nimmt, ein wichtiger Schritt, um sie vor einem Leben mit Abhängigkeit zu bewahren.“

Nichtraucherschutz: EuGH bestätigt EU-Tabakrichtlinie

Die Klagen gegen die EU-Tabakrichtlinie sind in Rauch aufgegangen. Die Warnhinweise und Schock-Fotos auf Zigarettenschachteln seien alle rechtens, urteilte der Europäische Gerichtshof.

Guillaume Périgois, Chef der Raucher-Lobbyorganisation Forest EU, nannte das angedachte Zigarettenverbot in Filmen hingegen eine „seltsame Zensurmaßnahme”. Er erklärte: „Es ist gut und richtig, dass in Cartoons für Kinder keine Rauch-Szenen gezeigt werden. Aber Filme für ein älteres Publikum sollten das echte Leben zeigen, keine rauchfreie Welt. Im Großteil der westlichen Welt, auch in Frankreich, rauchen zwischen einem Viertel und einem Drittel der erwachsenen Menschen.“

Périgois fragte weiter: „Wer kommt dann nach den Rauchern dran? Sollen im französischen Kino bald keine übergewichtigen Menschen mehr gezeigt werden, weil sie ein schlechtes Beispiel geben?“

In der EU ist seit Mai 2016 die überarbeitete Tabakrichtlinie in Kraft, mit der striktere Maßnahmen gegen den Tabakkonsum eingeführt wurden. Seitdem müssen Zigarettenpackungen beispielsweise zu 65 Prozent mit Warnbildern und –texten bedeckt sein.

Darüber hinaus steht es den EU-Mitgliedstaaten frei, selber weiterführende Maßnahmen zu ergreifen. So haben Frankreich, Ungarn, Irland, Slowenien und Großbritannien inzwischen Einheitsverpackungen eingeführt. Von der Tabakindustrie wird dies als „Markendiebstahl“ kritisiert.

Tabakindustrie kritisiert Einheitsverpackungen: "Das ist Markendiebstahl"

Die Idee, Einheitsverpackungen für Tabakprodukte einzuführen, verärgert die Industrie. Sie kritisiert die „Brüssler Überregulierung“ – diese käme Markendiebstahl gleich.

Subscribe to our newsletters

Subscribe