Europa wird immer dicker

Die durchschnittliche Adipositasrate in der EU ist seit 1975 um 161 Prozent gestiegen. [SHUTTERSTOCK]

Europa wird immer dicker: Das Europäische Parlament hat Mitte April bessere Behandlungsmöglichkeiten und verstärkte Vorbeugung gegen Übergewicht angemahnt. Die durchschnittliche Adipositasrate in der EU ist seit 1975 um 161 Prozent gestiegen. EURACTIV Frankreich berichtet.

Mit dem Start der „interfraktionellen Arbeitsgruppe Adipositas“ des Europäischen Parlaments am 20. April will das EU-Legislativorgan widerstandsfähigere Gesundheitssysteme schaffen. Adipositas solle dabei als vorrangig zu bekämpfende chronische Krankheit angesehen werden.

Nach Angaben der WHO sind weltweit 39 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, während 13 Prozent adipös sind. Seit 1975 hat sich die Adipositasrate fast verdreifacht. Laut Our World in Data waren 2016 rund 22,8 Prozent der EU-Bevölkerung adipös; 1975 waren es hingegen nur 9,3 Prozent gewesen – das bedeutet einen Anstieg um 161 Prozent in rund 40 Jahren.

Malta, Ungarn und Litauen sind mit 28,9, 26,4 bzw. 26,3 Prozent aktuell am stärksten von dieser „Adipositas-Epidemie“ betroffen, während Österreich, Italien und Dänemark diesbezüglich am gesündesten dastehen.

Im Vergleich zu 1975 haben derweil Zypern, Irland und Portugal am meisten „zugelegt“: In 40 Jahren hat sich in diesen drei Ländern die Adipositasrate fast vervierfacht.

Malta hingegen scheint das Problem mit einem Anstieg von „nur“ 85 Prozent besser in den Griff bekommen zu haben, ebenso wie Lettland und Estland mit einem Anstieg von 76 bzw. 67 Prozent. In Frankreich ist der Anteil der adipösen Menschen um 145 Prozent gestiegen, von 8,8 auf 21,6 Prozent.

Anteil der adipösen Erwachsenen, 2016. Adipositas ist demnach definiert als ein Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder mehr. Quelle: Our World in Data.

Adipositas geht mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen einher, die tödlich sein können – insbesondere Diabetes-Fälle vom Typ 2, die zu 44 Prozent auf Übergewicht oder Adipositas zurückzuführen sind, sowie Herzerkrankungen (23 Prozent). Auch Krebs, bei dem – je nach Körperregion – zwischen sieben und 41 Prozent der Fälle auf Übergewicht oder Adipositas zurückverfolgbar sind, führt weltweit zum Tod von mindestens 2,8 Millionen Menschen pro Jahr.

Übergewicht und Adipositas sind damit laut WHO die fünfthäufigste Todesursache weltweit.

In der EU leidet Bulgarien mit 125,14 adipositasbedingten Todesfällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2017 am meisten unter dem Phänomen. Es folgen Rumänien mit 109,7 und Lettland mit 106,49.

Am anderen Ende der Skala steht Frankreich mit 28,03 Todesfällen pro 100.000 Einwohner, gefolgt von Schweden (31,84) und den Niederlanden (33,37).

Todesrate aufgrund von Adipositas, 2017. Quelle: Our World in Data.

Aus Sicht des EU-Parlaments und der Gesundheitsfachleute sind die besorgniserregendsten Statistiken jedoch diejenigen, die Kinder betreffen.

In ihrer am 24. März veröffentlichten EU-Kinderrechtsstrategie stellt die Europäische Kommission fest, dass „die zunehmende Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von stark verarbeiteten, ungesunden Lebensmitteln in den letzten 30 bis 40 Jahren zu immer mehr Übergewicht und Adipositas geführt“ habe.

So sei heute schon jedes dritte Kind in der EU im Alter zwischen sechs und neun Jahren übergewichtig oder adipös, was wiederum „das Risiko einer Diabetes-, Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankung oder des vorzeitigen Todes“ steigert.

Am stärksten betroffen sind die Länder in Südeuropa: 31,68 bis 34,85 Prozent der Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren in Griechenland, Italien, Spanien, Bulgarien, Slowenien und Portugal waren 2017 übergewichtig. Nur in Belgien und den Niederlanden lagen die Werte unter der 20-Prozent-Marke.

Die Kommission hat beschlossen, das Problem mit ihrem Ost-, Gemüse- und -Milchprogramm in Schulen sowie dem EU-Aktionsplan zur Bekämpfung der Adipositas bei Kindern für den Zeitraum 2014-2020 anzugehen. Für letzteren sollen nun Folgemaßnahmen erarbeitet werden.

Des Weiteren wird in der „Farm to Fork“-Strategie der Kommission an die Lebensmittelindustrie und den Einzelhandel appelliert, die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit gesunder und nachhaltiger Lebensmittel zu erhöhen. Die „HealthyLifestyle4All“-Kampagne zielt derweil darauf ab, einen gesunden Lebensstil für alle Menschen über alle Generationen und sozialen Gruppen hinweg zu fördern.

Dieser Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit dem europäischen Projekt EDJNet.

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