EU-Gesundheitskommissar nicht zufrieden mit der Alkoholindustrie

Da muss noch einmal drüber geschaut werden: Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ist nicht zufrieden mit den Etikettierungs-Vorschlägen der Alkoholindustrie. [OLIVIER HOSLET/EPA]

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis ist nicht zufrieden mit dem kürzlich von der Alkoholindustrie vorgelegten Kennzeichnungsvorschlag. Er kritisierte die „Uneinheitlichkeit“ und betonte erneut, die europäischen Verbraucher sollten gut über die von ihnen gekauften Produkte informiert werden.

„Unsere Haltung ist klar. Und wir machen die rechtliche Bewertung [des Vorschlags]. Auf den ersten Blick bin ich mit dem Vorschlag nicht zufrieden, weil er nicht einheitlich ist und einige Fragen im Zusammenhang mit der Verbraucherinformation nicht behandelt. Die Verbraucher müssen umfassend informiert werden,“ so Andriukaitis gegenüber EURACTIV. Er fügte allerdings hinzu: „Wir müssen erst einmal sehen, was unsere Rechtsexperten sagen.“

Im vergangenen März hatte die Industrie ihren lang erwarteten Selbstregulierungsvorschlag zur Kennzeichnung von alkoholischen Getränken vorgelegt. Das Hauptmerkmal des Vorschlags war eine gewisse Flexibilität zwischen den verschiedenen Alkoholarten und -herstellern. Der größte Streitpunkt zwischen den Herstellern war dabei, ob Kalorienangaben pro 100 ml oder „pro Glas“ gemacht werden sollten.

Der aktuelle Vorschlag der Industrie sieht vor, dass die Alkoholhersteller frei entscheiden können, ob sie Gesundheitsinformationen auf dem Etikett oder online platzieren wollen – oder auch beides.

EU-Gesundheitskommissar fordert Etikettierung aller Alkoholika

Die Kommission fordert, dass eine von der Getränkeindustrie vorgeschlagene Selbstregulierung alle erhältlichen alkoholischen Getränke umfassen muss.

In dem Vorschlag gibt es einen allgemein gültigen Teil, der von vier Anhängen komplettiert wird. In diesen wird näher erläutert, was die einzelnen Alkohol-Sektoren (Bier, Wein, Spirituosen, Apfelwein/Cider) genau tun wollen.

Generell gilt, dass die einzelnen Hersteller entscheiden können, welche Informationen sie auf dem Etikett, und welche online zur Verfügung stellen. Gerade die vielen mittelständischen und Kleinstunternehmen, die alkoholische Getränke herstellen, werden wahrscheinlich nur Online-Informationen verwenden.

Andriukaitis kritisierte die unterschiedlichen Herangehensweisen der einzelnen Sektoren und dass die Verpflichtungen nicht genau dieselben seien: „Wir werden nun prüfen, wie wir von hier aus vorankommen und was unsere nächsten Schritte sind.“

Mit Verweis auf die Verordnung über die Bereitstellung von Verbraucherinformationen über Lebensmittel unterstrich der litauische Kommissar, es sei erforderlich, dass den Verbrauchern vollständige und einheitliche Informationen vorgelegt werden.

Auf die Frage, was die Kommission als nächstes zu tun gedenkt, erklärte der EU-Gesundheitschef, die Weinindustrie habe die EU-Exekutive bereits aufgefordert, selbst Rechtsvorschriften zu erarbeiten. „Das steht in ihrem Vorschlag. Wir können dies nun auswerten und angehen. Letztlich ist es aber nicht nur meine Entscheidung, wie es weitergeht,“ schloss Andriukaitis.

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