EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

21/01/2017

90 Prozent der Erwachsenen kennen ihren Cholesterinspiegel nicht

Gesundheit & Lebensstil

90 Prozent der Erwachsenen kennen ihren Cholesterinspiegel nicht

Ein Bericht der Cardiovascular Resource Group aus dem Jahre 2011 zeigte, dass 133,3 Millionen Menschen aus Deutschland, Frankreich, Italien,Spanien und Großbritannien einen zu hohen Anteil an schlechtem Cholesterin im Blut haben

[Shutterstock]

Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen sind sich ihres Cholesterinspiegels nicht bewusst oder haben nie ihre Werte überprüfen lassen – so eine internationale Studie der Europäischen Arteriosklerose-Gesellschaft (EAS).

Im Rahmen der Studie „Think Again About Cholesterol“ befragte die Europäische Arteriosklerose-Gesellschaft (EAS) mehr als 12.000 Erwachsene aus elf europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden, Großbritannien) und Japan zum Thema Cholesterin. Ein hoher Anteil von „schlechtem“ (LDL) Cholesterin im Blut kann zu verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie zum Beispiel zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, führen. Erwachsene mit geringem Risiko hoher LDL-Cholesterinwerte sollten sich etwa alle fünf Jahre untersuchen lassen. Zahlreiche Menschen versuchen jedoch, ihren hohen Cholesterinspiegel mit Medikamenten zu senken. Ihnen empfehlen die meisten Leitfäden jährliche Tests, sobald die ärztlich vereinbarten Werte erreicht sind.

Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass sich fast die Hälfte der Befragten um Krebs (45 Prozent), und etwa ein Viertel um Herzerkrankungen (27 Prozent) sorgt. Europa weist jedoch laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchsten Cholesterinwerte weltweit auf. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind für fast die Hälfte aller Todesfälle auf dem Kontinent verantwortlich.

Cholesterin, Rauchen und hoher Blutdruck zählen zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Studie stellt die Frage, welche Faktoren die Gesundheit des Herzens wohl am meisten beeinträchtigen würden. Die meisten Befragten nannten daraufhin eher andere Aspekte, wie Übergewichtigkeit, Stress und hohen Blutdruck, als einen hohen Cholesterinspiegel. Der EAS zufolge mache die Studie deutlich, welch hohen Bedarf an Aufklärungsarbeit es noch gibt. Auch müsse man mehr Ressourcen darauf verwenden, den Menschen besser verständlich zu machen, inwiefern hohe Cholesterinwerte einen großen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.

Dieses Jahr forderten Herz-Kreislauf-Forscher neue offizielle Richtlinien für LDL-Cholesterinspiegel, vor allem im Hinblick auf Risikopatienten. Denn die jüngste Forschung hat ergeben, dass Patienten den Anteil des „schlechten“ Cholesterins im Blut am besten so niedrig wie möglich halten sollten. „Trotz der jüngesten Behandlungsfortschritte und all der Aufklärungsarbeit darüber, wie wichtig eine gesunde Ernährung und Sport sind, liegt noch immer viel Arbeit vor uns“, sagte Professor Olov Wiklund von der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg in Schweden.

Es sei bereits ein Schritt in die richtige Richtung, wenn sich die Europäer über die Bedeutung hoher LDL-Cholesterinwerte im Klaren sind, so Wiklund. Die Studie habe jedoch auch ganz deutlich gezeigt, wo das Problem liege. Die Schwierigkeit bestünde darin, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie etwas dagegen unternehmen können, erklärte Wiklund.

Die EAS hat es sich laut Wiklund auf die Fahne geschrieben, Europäer zu mehr Kontrolle über die eigenen kardiovaskulären Risikofaktoren zu ermutigen. Zu diesem Zweck wolle man sie davon überzeugen, ihren Cholesterinspiegel testen zu lassen. So könnten sie Klarheit darüber bekommen, ob ihre Cholesterinwerte eine Gefährdung für ihr Herz-Kreislauf-System darstellen.

Hintergrund

Mit einem geschlechtsunabhängigen Durchschnittswert von 54 Prozent haben Europäer laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) den höchsten LDL-Cholesterinspiegel weltweit.

Ein Bericht der Cardiovascular Resource Group aus dem Jahre 2011 erklärte, dass 133,3 Millionen Menschen aus den fünf größten EU-Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien) einen zu hohen LDL-Cholesterinspiegel haben. Diese Zahl ist vergleichbar mit den insgesamt 135,1 Millionen Betroffenen in den Vereinigten Staaten.

Die Statistiken des Berichts zeigen, dass die Zahlen über die letzten Jahre hinweg konstant gestiegen sind.

Weitere Informationen