Lebensstil und Gesundheit [DE]

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Rauchen, Trinken, schlechte Ernährungsgewohnheiten und mangelnde körperliche Betätigung sind entscheidende Gesundheitsfaktoren und stehen mit einer Reihe von Erkrankungen und Problemen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Störungen und Fettleibigkeit in Zusammenhang.

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis zu 80% der koronaren Herzerkrankungen, 90% der Type-2-Diabetes und ein Drittel aller Krebserkrankungen durch mehr Bewegung, eine gesündere Ernährung und das Aufhören des Rauchens vermieden werden.

Im Dezember 2003 forderte der Europäische Rat die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, ein Plan zu entwickeln, der verschiedene Initiativen berücksichtigt, um den Bürgern einen gesunden Lebensstil näherzubringen. Das Aktionsprogramm der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit (2003-2008), in Kraft seit 2003, soll die wesentlichen Gesundheitsrisikofaktoren und insbesondere durch den Lebensstil verursachte Gesundheitsrisiken angehen.

Dieser auf den Lebensstil abzielende Ansatz ist der erste seiner Art in der EU-Gesundheitspolitik und beruht auf der Annahme, dass  eine wirksame Prävention die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme der Gesundheitssysteme innerhalb der EU mildern würde. Die jährlichen direkten und indirekten Kosten für beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der EU belaufen sich schätzungsweise auf 70 bis 135 Milliarden Euro – das ist mehr als der gesamte Haushalt, der der EU jährlich zur Verfügung steht.

Rauchen

Rauchen ist eine der Haupttodesursachen in der EU, weswegen es sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene bekämpft wird. Die Anti-Rauch-Kampagne der EU – genannt HELP – Für ein Rauchfreies Leben – wurde im März 2005 gestartet und soll Raucher dazu bewegen, den Glimmstängel liegen zu lassen, und Nichtraucher davon abbringen, das Rauchen jemals anzufangen. Bei den TV-Werbekampagnen wird gezielt Humor eingesetzt, um den Menschen vor Augen zu führen, wir lächerlich und anormal Rauchen tatsächlich ist. Außerdem wird darüber informiert, wo Raucher Hilfe suchen können.   
Die EU-Richtlinie über Werbung und Sponsoring von Tabakerzeugnissen, angenommen im Mai 2003, musste bis zum 31. Juli 2005 von den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Diese Richtlinie verbietet Zigarettenwerbung in den gedruckten Medien, Hörfunk sowie über das Internet und untersagt das Zigaretten-Sponsoring bei grenzüberschreitenden Veranstaltungen.

Fettleibigkeit

Ernährung ist eine wichtigsten Gesundheitsfaktoren, da schlechte Ernährungsgewohnheiten zu  Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs hervorrufen können. Insbesondere Fettleibigkeit gilt als Ursache für verschiedene gesundheitliche Probleme und frühzeitigem Tod. Das kürzlich von der Kommission veröffentlichte Grünbuch über Fettleibigkeit (Dezember 2005) mit dem Titel „Förderung gesunder Ernährung und körperlicher Bewegung: eine europäische Dimension zur Verhinderung von Übergewicht, Adipositas und chronischen Krankheiten, spricht von der wachsenden Bedeutung, die dem Thema auf EU-Ebene beigemessen wird. 

Die Ess- und Sportgewohnheiten entwickeln sich meist schon in jungen Jahren und werden in der Regel ein Leben lang beibehalten. Daher ist die Zunahme der Fettleibigkeit von Kindern in vielen Ländern besonders besorgniserregend.

Zurzeit entwickelt eine Europäische Plattform für Ernährung, körperliche Bewegung und Gesundheit eine strategische Forschungsagenda für diesen Bereich. Die anfänglichen Lösungsvorschläge der Plattform für dieses Problem sahen vor, das Konsumverhalten Erwachsener zu verbessern und junge Menschen zu motivieren, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln. Mit einer Reihe verschiedener EU-finanzierter Projekte soll nun die Entwicklung gesunder Ernährungsgewohnheiten unterstützt werden.

Alkoholkonsum

Die Europäer haben den höchsten Alkoholkonsum weltweit.  Dies führt bei einem von zehn Fällen in Europa zu einer schlechten gesundheitlichen Verfassung und frühzeitigem Tod. Eine Alkoholstrategie auf Gemeinschaftsebene ist zurzeit in Vorbereitung. Ziel dieser Strategie wird es sein, die gesundheitlichen und sozialen Schäden, verursacht durch den Alkoholkonsum, zu reduzieren und somit die Produktivität insgesamt zu steigern, da jeder verkaterte Tag bedeutende Produktivitätsverluste mit sich bringt (laut einer britischen Studie um 27%). 

Die EU-Alkoholstrategie soll insbesondere das Autofahren unter Alkoholeinfluss und den Alkoholkonsum Minderjähriger ansprechen. Hierdurch sollen zum einen die Todesfälle im Verkehr und Verletzungen bis 2010 erheblich verringert werden, zum anderen soll das risikoreiche Trinkverhalten von Kindern und jungen Erwachsenen eingeschränkt und das Trinkalter heraufgesetzt werden. Eine Reihe verschiedener EU-finanzierter Projekte soll den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol fördern.

Der Europäische Forum "Alkohol und Gesundheit" wurde im Juni 2007 gegründet, um Unternehmen und NGOs zusammen zu bringen und um gemeinsam Maßnahmen gegen den schädigenen Konsum von Alkohol zu ergreifen. Das Forum soll sich besonders auf konkrete Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen und zur Verhinderung von unverantwortlicher Werbung und verantwortungslosem Verkauf von Alkohol konzentrieren.

Förderung eines gesunden Lebensstils
Der Rat hatte die Kommission und die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, die Bürger durch gezielte Gesundheitsmaßnahmen zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. Hierzu gehören unter anderem eine verstärkte Beobachtung der Auswirkungen gesundheitsrelevanter Faktoren, die Mobilisierung bestehender Interessenvertreter und Netzwerke sowie Anreize für Unternehmen, durch ihre Produktion, ihr Marketing und sonstige relevanten Aktivitäten einen gesunden Lebensstil zu fördern.
Außerdem können Steuern auf alkoholischen Getränken und Tabakerzeugnissen, welche Sache der einzelnen Mitgliedstaaten ist, ein Instrument zur Eindämmung des Alkohol- und Zigarettenkonsums sein.

Tabakerzeugnisse

Das am 27. Februar 2006 in Kraft getretene Rahmenübereinkommen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Kontrolle von Tabakerzeugnissen ist der erste internationale  gesundheitspolitische Vertrag,  welcher sowohl Strategien zur Verringerung der Nachfrage als auch des Angebots enthält.  Die EU hat dieses Übereinkommen bereits ratifiziert.

Philip Morris sagte, sie würden jene Gesetze unterstützen, die Kinder vor Tabakwerbung schützen, ihnen aber gleichzeitig ermöglichen würde, sich mit ihrer Botschaft auch weiter an Erwachsene zu wenden.  

Ernährung

Die Confederation of the food and drink industries of the European Union (CIAA) ist der Ansicht, dass die Maßnahmen der EU zur Vermeidung von Übergewicht, Fettleibigkeit und anderer chronischer Krankheiten so gestaltet werden sollen, dass  sie die Möglichkeit der Verbraucher, frei und informiert über ihre eigene Ernährung zu bestimmen, nicht einschränken. Ernährungsvielfalt und die kulturelle Vielfalt in den EU-Mitgliedstaaten und Regionen müsse  berücksichtigt werden. Außerdem müssten sie auf   fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Die EU solle nur dann eingreifen, wenn ihre Maßnahmen tatsächlich einen Mehrwert bringen, - das Prinzip der Verhältnismäßigkeit müsse eingehalten werden und alle politischen Möglichkeiten müssten darauf hin überprüft werden, ob sie auch wirklich zur Erreichung der  Gesundheitsziele beitragen. 

Der Europäische Verbraucherverband (BEUC) fordert die Überarbeitung der Richtlinie “Fernsehen ohne Grenzen”, um Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt, die sich speziell an Kinder richtet, zu beschränken.  Der Verband betont des Weiteren, dass gewährleistet werden muss, dass alle Verbraucher eindeutige und stimmige Informationen darüber erhalten, was eine gesunde Ernährung ausmacht und dass alle Zugang zu gesunden und kostengünstigen Produkten haben.  

EURO COOP, die Europäische Gemeinschaft der Verbrauchergenossenschaften, ist der Ansicht, dass die Aufklärung  über die Vorteile einer ausgeglichenen Ernährung und körperliche Bewegung bereits im jungen Alter erfolgen sollte. 

Das EU-Büro des deutschen Sports betont, dass die Funktion des Sports, insbesondere die Funktion des Sports zu Beginn der Schulzeit, nicht ausreichend gefördert werde.  Für den Ständigen Ausschuss Europäischer Ärzte sind Kinder und junge Erwachsene die wichtigste Zielgruppe, die im Kampf gegen die Fettleibigkeit in Europa angesprochen werden muss, da Verhaltensmuster aus der Kindheit und frühen Jugend häufig mit ins Erwachsenenalter mitgenommen werden. 

Alkohol

Die Europäischen Brauer legen darauf Wert, dass alle EU-Maßnahmen über Alkohol auf wissenschaftlichen Beweisen basieren und diese nur den Missbrauch alkoholischer Getränke betreffen, nicht aber Menschen benachteiligen, die verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen.  Umgang mit Alkohol. 
Auf einer Konferenz, organisiert von den Europäischen Brauern, wurden medizinische Belege dafür geliefert, dass der mäßige Biergenuss gesundheitliche Vorteile mit sich bringe.

Der finnische Finanzminister, Eero Heinäluoma, sagte, dass Finnland versuchen würde, während seiner EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2006 die untere Steuergrenze für Spirituosen und Bier innerhalb der EU anzuheben, und dass die nordischen Staaten diese Steuererhöhung auf Spirituosen auch befürworten würden.

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