Die EU ist nach wie vor in hohem Maße von dem Import von Futter- und Düngemitteln aus Drittländern abhängig. Dies geht aus einer kürzlich vom Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments (AGRI) in Auftrag gegebenen Studie hervor.
Die Forscher stellten fest, dass die Abhängigkeit von Lieferanten aus Drittländern besonders groß ist, wenn es um Futtermittel für die Viehzucht geht.
Sie wiesen darauf hin, dass nur zwei Staaten, Brasilien und die USA, im Jahr 2022 85 Prozent der EU-Importe von Sojabohnen ausmachten. Sojabohnen werden als Bestandteil von Tierfutter verwendet.
„Diese Abhängigkeit stellt die langfristige Widerstandsfähigkeit des EU-Lebensmittelsystems in einem zunehmend unsicheren klimatischen und geopolitischen Kontext infrage“, heißt es in der Studie.
Die Studie betont zwar, dass die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln in der EU „nicht als gefährdet angesehen wird.“ Dennoch haben die jüngsten Marktschocks, wie die Corona-Pandemie und der russische Einmarsch in die Ukraine, die Schwachstellen im Nahrungsmittelsystem der EU offengelegt.
In den ersten Tagen des Krieges in der Ukraine stiegen die Futtermittelpreise aufgrund der Ungewissheit über die künftige Verfügbarkeit ukrainischen Getreides in die Höhe. Dies führte zu einem Kostenanstieg für die Viehzüchter und schmälerte die Gewinnspannen.
Um für künftige Herausforderungen besser gewappnet zu sein und die Abhängigkeit zu verringern, wird empfohlen, die „Quellen und Handelspartner“ durch den Abschluss von Handelsabkommen zu diversifizieren. Zudem sollten die Importe von einem einzigen Lieferanten oder Markt reduziert werden.
Darüber hinaus könnte eine Umstellung der Ernährung auf einen geringeren Verbrauch von tierischen Produkten den Bedarf der EU an Futtermittelimporten verringern.
Die Studie unterstreicht die potenziellen Vorteile eines EU-Beitritts der Ukraine. Schließlich ist das Land ein führender Produzent und Exporteur von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem von Eiweißpflanzen und Getreide.
Die Studie schlägt vor, dass die Überprüfung der EU-Eiweißpolitik durch die Kommission im Jahr 2024 zu Maßnahmen führen könnte, „welche die heimische Produktion von pflanzlichem Eiweiß erhöhen könnten.“
Europas Düngemittelproblem
Die Forscher wiesen auch auf die Abhängigkeit der EU von Energie- und Rohstoffimporten für die Düngemittelproduktion hin.
Die EU bezieht ihre Mineraldünger traditionell von einer kleinen Gruppe von Lieferanten, vor allem aus Russland, Ägypten, Algerien, Marokko und Belarus.
Obwohl die EU nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine versprochen hatte, die Importe aus Russland zu kürzen, hat sie Lebensmittel und Düngemittel stets von ihren kriegsbedingten Sanktionen ausgenommen.
Im Jahr 2022 machten die russischen Importe von Phosphaten und Kali 23 Prozent und 34 Prozent aus. Auch bei Phosphaten ist die EU stark auf Marokko (28 Prozent) und bei Kali auf Belarus (30 Prozent) angewiesen.
Die Forscher untersuchten, welche Rolle die Farm-to-Fork-Strategie, der Vorzeigeplan der EU für nachhaltigere Lebensmittelsysteme, bei der Verringerung der Importabhängigkeit durch verstärkten ökologischen Landbau und geringeren Düngemitteleinsatz spielt.
Allerdings wird in der Studie darauf hingewiesen, dass diese Ziele nur durch „die vollständige Umsetzung und Anwendung der einschlägigen Umwelt- und Klimagesetzgebung“ erreicht werden können.
In der Studie wird auch betont, dass die Förderung des ökologischen Landbaus nicht zu einer erheblichen Verringerung der EU-Lebensmittelproduktion führen darf. Dies könnte ansonsten zu weiteren Importen aus Drittländern führen.
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro und Rajnish Singh]


