Spanische Landwirtschaft: Forschungszentren als „Matchmaker“ für Modernisierung

Ein Unternehmen arbeitet an der Konzeption und Entwicklung einer mobilen Anwendung, die Kontakte zwischen Kantinendiensten und Produzenten herstellt. [SHUTTERSTOCK]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Horizon Europe: Was kann die Landwirtschaft erwarten?

Landwirtschaftliche Betriebe mit Technologie-Start-ups und Gemüseproduzenten mit Schulkantinen und Familien – neue EU-Forschungsprogramme spielen die Rolle des Matchmakers um Innovation voranzutreiben und die Modernisierung der Landwirtschaft in Spanien zu fördern. EFE Agro berichtet.

Die Projekte, die über das mit 95,5 Milliarden Euro ausgestattete EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa finanziert werden, sollen den Wert solcher Allianzen für die Landwirtschaft hervorheben, so Begoña Pérez-Villarreal, Direktorin des Europäischen Instituts für Innovation und Technologie (EIT) Food Co-Location Centre South, einem der Empfänger der EU-Mittel.

„Wir dienen als Vermittler zwischen Landwirt:innen und neuen Unternehmen“, erklärte sie gegenüber EFE Agro.

EIT ist eine unabhängige EU-Einrichtung, in der Unternehmen, Bildungszentren und Forschungslabors zusammengeschlossen sind. EIT Food ist eine seiner acht Wissens- und Innovationsgemeinschaften, die in verschiedene Themenfelder unterteilt sind, und ist im B2B-Bereich (Business to Business) tätig.

Zwischen Tradition und Moderne

Die südeuropäische Abteilung von EIT Food wählt Projekte von neuen Unternehmen aus und begleitet sie sechs Monate lang bei ihrem Wachstum, indem sie sie mit Lebensmittelhersteller:innen in Kontakt bringt, erklärte Pérez-Villarreal.

„Wir suchen nach passenden Partner:innen für Start-ups, viele von ihnen mit einer wichtigen digitalen Komponente“, sagte sie.

Gesucht werden „aufgeschlossene“ spanische Landwirt:innen oder Viehzüchter:innen, die bereit sind, einen Teil ihres Betriebs für die Erprobung neuer Technologien zu nutzen.

EIT Food hat auch „Roadshows“ organisiert, bei denen traditionelle und aufstrebende Unternehmen zusammenkommen und Probleme und Lösungen für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit ermitteln.

Jedes Jahr, so Pérez-Villarreal, wählt EIT Food die besten Projekte unter 800 oder 900 Start-ups aus, die besondere Technologien im Lebensmittelbereich entwickelt haben.

Zu den herausragenden Beispielen gehört ein Unternehmen, das mit künstlicher Intelligenz Unkraut vernichtet, indem es einen Roboter mit Lasertechnologie einsetzt.

Andere wiederum widmen sich der Herstellung von natürlichen Düngemitteln oder der digitalen Steuerung von Temperatur, Licht und Nährstoffen im Boden.

EU plant 320 Millionen Euro für die Bodenforschung als Beitrag zur Kohlenstoffentfernung

Mit der Ankündigung einer neuen Mission unter Horizont Europa verstärkt die Europäische Union ihre Bemühungen um die Forschung von Bodengesundheit. Die Mission wird auch wichtige Mittel für die Förderung von Carbon Farming bereitstellen.

Kantinenverpflegung für Nachhaltigkeit

Das baskische Technologiezentrum AZTI ist ein weiteres Unternehmen, das die von der EU bereitgestellten Mittel nutzt, um ähnliche Programme anzubieten.

Das Zentrum beteiligt sich an Forschungsprojekten zur Verbesserung der kurzen Lebensmittelversorgungskette und zur Stärkung der Digitalisierung und einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Das Projekt folgt zunehmenden Bemühungen zur Stärkung lokaler Lieferketten, wie sie in der wichtigsten Lebensmittelpolitik der EU, der „Farm to Fork“-Strategie, dargelegt sind.

Carolina Najar, Leiterin des Bereichs Lebensmittel und Wertschöpfung bei AZTI, hebt die Vernetzung zwischen Unternehmen auf lokaler oder regionaler Ebene hervor.

„Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen aller beteiligten Akteure (Familien, Kantinendiensten, Betreuer:innen…) haben wir an der Konzeption und Entwicklung einer mobilen Anwendung gearbeitet, die eine Interaktion zwischen Kantinendiensten und Familien ermöglicht“, so Najar.

Diese Anwendung enthält auch „wertvolle Inhalte“, die den Informationsaustausch in beide Richtungen (Vorfälle, Verhalten der Kinder) erleichtern, sowie Ratschläge und Leitlinien zur Förderung gesünderer und nachhaltigerer Optionen für die Familien, wobei das Angebot lokaler Hersteller:innen gefördert wird.

Die EU verfolgt das ehrgeizige Ziel, bis 2030 25% der landwirtschaftlichen Flächen in der EU ökologisch zu bewirtschaften. Der kürzlich veröffentlichte Bio-Aktionsplan, der die Herstellung und den Verbrauch von Bioprodukten ankurbeln soll, legt einen Schwerpunkt auf das Potenzial der umweltorientierten öffentlichen Beschaffung (Green Public Procurement, GPP).

Hierbei handelt es sich um den enormen Beitrag den öffentliche Behörden leisten können, wenn sie ihre Kaufkraft nutzen, um ökologische Waren und Dienstleistungen auszuwählen und damit eine kritische Nachfrage an solchen Waren schaffen.

Dazu gehört auch, Bio-Lebensmittel mit kurzer Lieferkette im Rahmen des EU-Schulprogramms zu priorisieren, das die Verteilung von Lebensmitteln an Millionen von Schulkindern in der EU unterstützt.

AZTI lädt Unternehmen auch ein, sich an europäischen Projekten oder an Allianzen über die gesamte Wertschöpfungskette zu beteiligen, denn „Digitalisierung verbessert die Qualität von Lebensmitteln“, so Najar.

Dazu entwickelt AZTI ein weiteres Forschungsprogramm in Zusammenarbeit mit den Universitäten Leuven (Belgien) und Oxford (Großbritannien), um die Auswirkungen des ökologischen Fußabdrucks von Lebensmitteln zu messen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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