REWE nimmt ausländisches Schweinefleisch weitgehend aus Sortiment

Der Lebensmitteleinzelhändler REWE will künftig fast ausschließlich in Deutschland produziertes Schweinefleisch verkaufen. [SGr/ Shutterstock]

Bis Sommer 2022 will die Handelskette REWE rund 95 Prozent ihres Schweinefleischsortiments auf deutsche Herkunft umstellen. Zusätzlich will der Konzern die garantierten Mindestpreise für Erzeuger:innen anheben.

Mit der Ankündigung reagiert REWE auf die angespannten Lage am deutschen Markt für Schweinefleisch, unter anderem aufgrund der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in einigen Regionen, die den Export stark behindert.

Zusätzlich sind Erzeuger:innen laut Branchenverbänden durch hohe Futterpreise unter Druck.

“Die akute Krise der deutschen Schweinebauern hält unvermindert an, die Lage am Markt ist dramatisch,” begründete Hans-Jürgen Moog, Bereichsvorstand Einkauf der REWE Group, die Entscheidung des Konzerns.

Mit der Umstellung auf Schweinefleisch deutscher Herkunft und der Zahlung höherer Mindestpreise bekräftige REWE “einmal mehr unsere Zusagen für eine langfristige und nachhaltige Stärkung der heimischen Landwirtschaft”, fügte er hinzu.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßte die Ankündigung als “gutes Signal zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft”.

“Der heutige Vorstoß der Rewe-Group ist ein wichtiger und dringend notwendiger Schritt”, sagte DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier und rief andere Lebensmitteleinzelhändler dazu auf, dem Beispiel zu folgen.

Bereits vor zwei Wochen (19. August) hatte Beringmeier darauf hingewiesen, dass die Lage am Schweinemartk “katastrophal” sei und von Schlachtunternehmen, Verarbeitern und Handel gefordert, “aktiv die heimische Erzeugung durch entsprechende Einkaufs- und auch Preispolitik zu stabilisieren und zu stärken”.

Politische Unterstützung gefordert

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) geht der Ansatz der Supermarktkette allerdings am Kern des Problems vorbei. “Das Rewe-Bekenntnis ist allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein”, sagte AbL-Bundesvorsitzender Martin Schulz.

Auch wenn sie gut gemeint sein möge, lenke die Umstellung auf heimisches Schweinefleisch davon ab, dass auf dem exportorientierten Markt häufig ein Überschussproblem vorliege, so Schulz. “Um dem Preisverfall grundlegend etwas entgegenzusetzen, müssen wir uns als Branche von dem Paradigma ‘immer mehr und immer billiger produzieren’ verabschieden”, fügte er hinzu.

Dass der Lebensmitteleinzelhandel durch die Gestaltung seines Sortiments aktiv agrarpolitische Entwicklungen aufgreift oder auf die Agenda setzt, geschieht mit der jüngsten Ankündigung der REWE Group nicht zum ersten Mal.

Im Juli hatte beispielsweise der Discounter Aldi angekündigt, künftig nur noch Frischfleisch aus tiergerechter Haltung der Haltungsformen 3 (Auslauf im Freien) und 4 (Bioqualität) verkaufen zu wollen. Auch REWE sowie die Discounter Lidl und Kaufland kündigten im Laufe des Sommers an, ihr Sortiment auf Fleisch aus mindestens Stufe 2 umzustellen.

Aus Sicht der AbL können solche Vorstöße allein den Umbau der Tierhaltung aber nicht vorantreiben, wenn sie nicht durch Fördermaßnahmen durch die Politik flankiert werden.

“Wir Bäuerinnen und Bauern befürchten, dass der Lebensmitteleinzelhandel eine entsprechend höhere Honorierung für die dadurch entstehenden höheren Kosten auf den teilnehmenden Betrieben nicht im Blick hat”, so Schulz.

Um die Betriebe bei der Transformation zu unterstützen, brauche es daher ein Finanzierungskonzept für den Umbau der gesamten Tierhaltung in Deutschland, erklärte er.

Hierzu rief die AbL die Parteien auf, sich vor der Bundestagswahl Stellung zu den Vorschlägen der sogenannten Borchert-Kommission zu beziehen. Im Mai hatte das Expertengremium im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums Empfehlungen für die Finanzierung des Umbaus der Nutztierhaltung vorgelegt.

Ähnlich hatte sich im Juni auch der Deutsche Bauernverband geäußert. “Die Haltungsstufen 3 und 4 sind aktuell eine absolute Marktnische”, so DBV-Präsident Joachim Rukwied. Um die erforderlichen Angebotsmengen bereitzustellen, brauche es daher massive Investitionen und die Umsetzung der Empfehlungen der Borchert-Kommission.

Mehr Engagement beim Seuchenschutz

Zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest, einer der Ursachen für die angespannte Lage am Schweinemarkt, haben sich in einer Sondersitzung Agrarministerkonferenz am Mittwoch (1. September) auch Bund und Länder ausgetauscht.

Die Landesminister:innen forderten vom Bundeslandwirtschaftsministerium mehr Unterstützung beim Umgang mit der Seuche. Aus ihrer Sicht soll der Bund Betriebe bei der Vermarktung ihrer Schweine sowie beim Aufbau regionaler Schlachtung und Wertschöpfungsketten unterstützen.

Auch die Grünen-Fraktion im Bundestag forderte die Regierung auf, die Maßnahmen der Länder besser zu koordinieren und regionale Vermarktungswege zu stärken. Die bisherige Strategie einer exportorientierten Schweinefleischproduktion gerate zunehmend an ihre Grenzen, so der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Friedrich Ostendorff.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium betonte hingegen, der Bund unterstütze die Länder bereits “auf vielfältige Weise”. Bei der Bereitstellung finanzieller Hilfen sei der Bund aber verfassungsrechtlich eingeschränkt, da Tierseuchenbekämpfung in der Zuständigkeit der Bundesländer liege, so der Parlamentarische Staatssekretär Uwe Feiler.

Aktive Maßnahmen seitens der Bundespolitik zur Absatzförderung für deutsche Erzeuger auf dem inländischen Markt könnten außerdem für EU-politische Spannungen sorgen. Im April hatte die Europäische Kommission Bedenken darüber geäußert, dass protektionistische Maßnahmen einiger Mitgliedstaaten den gemeinsamen Binnenmarkt behindern könnten.

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