Nach Treffen mit einer Reihe von Interessenvertreter:innen hat Landwirtschaftsminister Cem Özdemir gemeinsame Interessen von Umweltschutz und Landwirtschaft betont. Neben Bauernvertreter:innen will der Minister die Rolle von Umweltverbänden in der Agrarpolitik stärken.
“Ich bin überzeugt: Eine nachhaltige Landwirtschaft im Einklang von Natur, Umwelt und Tierwohl dient auch den Interessen der Betriebe und ist Grundlage von gesunder Ernährung”, sagte Özdemir am Montag (10. Januar), nachdem er in Videocalls mit Vertreter:innen verschiedener Verbände aus Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz gesprochen hatte.
Für die meisten Verbände war es das erste Treffen mit dem neuen Agrarminister seit seinem Amtsantritt. Am Dienstagmorgen nahm Özdemir, der zuvor während seiner Karriere noch keine agrarpolitische Funktion innegehabt hatte, außerdem erstmals am Treffen der Arbeitsgruppe Landwirtschaft der Grünen Bundestagsfraktion teil.
Ende der Woche stellt der Grünen-Politiker im Bundestag sein Arbeitsprogramm vor. Sein Plan sei es, die “gesamte Landwirtschaft in ihrer Vielfalt an den Zielen Umwelt- und Ressourcenschutz” auszurichten, sagte Özdemir nach den Gesprächen.
So wolle er den Umbau der Nutztierhaltung vorantreiben und dabei Tierzahlen an die verfügbare Fläche binden, erklärte der Minister. Landwirt:innen sollen für den Umbau finanzielle Unterstützung erhalten, beispielsweise, indem die Investitionsförderung auf gute Haltungsbedingungen ausgerichtet wird, fügte er hinzu.
“Diese Transformation können wir nur gemeinsam leisten”, betonte Özdemir und kündigte an, neben Landwirtschaftsverbänden die Zusammenarbeit mit Umweltverbänden “intensivieren” zu wollen.
“Man merkt schon, dass es hier mehr Bemühungen gibt, einen Interessenausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und jenen des Umweltschutzes zu praktizieren, als es in den letzten vier Jahren der Fall war”, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, gegenüber EURACTIV Deutschland.
Die Organisation ist eine von drei Umwelt- und Klimaschutz-NGOs, mit denen Özdemir sich traf. Auch für die Zukunft habe der neue Minister einen “regelmäßigen Austausch” angeboten, so Müller-Kraenner.
Damit unterscheide er sich “positiv” von der vorherigen, konservativen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die “kein großes Interesse am Dialog mit Naturschutzverbänden” gezeigt habe, fügte er hinzu.
Man erhoffe sich nach dem ersten Gespräch mit Özdemir weiterhin einen “stabilen Rahmen” für einen regelmäßigen Austausch, sagte auch Martin Hofstetter von Greenpeace.
In vielen Fragen sieht Hofstetter zwischen der Umweltorganisation und dem neuen Minister gemeinsame Interessen, beispielsweise, was den Umbau der Tierhaltung oder die Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln angehe.
Dass Özdemir den Dialog mit verschiedenen Akteuren suche, sei ein gutes Signal, sagte Joyce Moewius vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Auch aufseiten der Politik müsse die Ernährungswende ein “Projekt der gesamten Bundesregierung” sein, um Produktion, Verarbeitung, Handel sowie Bildungsaspekte einzubeziehen, fügte sie hinzu.
“Ich nehme den neuen Landwirtschaftsminister bisher so wahr, dass er wirklich etwas anpacken will, und wenn er das gemeinsam mit uns bäuerlichen Verbänden tut, dann stimmt mich das optimistisch”, sagte Elisabeth Fresen, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft über das Gespräch mit Özdemir. Die nötigen Konzepte für den Umbau der Landwirtschaft lägen bereits vor – wichtig sei es nun, die Verbände in den Umsetzungsprozess einzubeziehen.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) teilte auf Anfrage mit, sich nicht zum Inhalt des Gesprächs äußern zu wollen. Die Atmosphäre des Treffens sei aber “positiv” und “zukunftsgerichtet” gewesen, so ein Sprecher.




