Nach den schweren Überflutungen in Teilen Deutschlands haben mehrere Umweltorganisationen Maßnahmen gefordert, um Hochwasserschutz und -vorsorge zu verbessern, darunter Änderungen bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung.
“Es braucht eine Kombination aus Bausteinen für wirksamen Klimaschutz, ökologischen Hochwasserschutz, gegen Flächenversiegelung und für mehr Bodenschutz im Zusammenspiel mit dem Katastrophenschutz,“ sagt der Vorsitzende der Umweltorganisation BUND, Olaf Bandt.
In Positionspapieren haben vergangene Woche der BUND und mehrere andere Umweltverbände Maßnahmen für einen ökologischen Hochwasserschutz gefordert, darunter auch Anpassungen bei land- und forstwirtschaftlichen Praktiken.
Die schweren Überflutungen im Westen Deutschlands und Teilen anderer europäischer Länder hatten mehr als 200 Todesopfer gefordert. Auch die Landwirtschaft erlitt schwere Schäden. Doch die der Sektor ist nicht nur Leidtragender, er kann auch zum Schutz gegen künftige Überflutungen beitragen, meinen Naturschützer:innen.
Wasser in der Landschaft halten
“Die Landwirtschaft kann einen wesentlichen Beitrag bei Hochwassererscheinungen leisten,” so Matthias Meissner vom BUND gegenüber EURACTIV Deutschland. “Vor allem kommt es hier auf die Speicherfähigkeit der Böden und die Reduzierung des Oberflächenablaufs von Starkregen an,” erklärt er.
Entscheidend seien vor allem die Bodenstruktur und der Humusgehalt im Boden, so Meissner. Daher fordere der BUND Regelungen für eine ganzjährige Bodenbedeckung und vielfältige Fruchtfolgen, wie es bereits beim Ökolandbau praktiziert werde.
Außerdem müsse die Bodenbearbeitung durch schwere Maschinen reduziert werden, um den Boden nicht zu verdichten, so Meissner weiter. “In meinen Augen fehlt bei der gerade verabschiedeten GAP-Reform eindeutig ein Fokus auf den Bodenschutz,” fügt er hinzu.
Aus Sicht von Patrick Worms, Präsident des Europäischen Verbands für Agroforstwirtschaft, hat eine fehlgeleitete Landnutzungspolitik den Effekt der starken Regenfälle verschlimmert. Um Wasser, das sonst abströmen würde, in der Landschaft zu halten, brauche es Hecken- und Baumstrukturen in der Agrarfläche. “Große, freiliegende Felder sind im Falle eines Sturmes wesentlich anfälliger für Erosion als solche, die von Windschutzelementen wie Hecken umgeben sind, oder die durch Baumreihen unterteilt sind,” erklärt er gegenüber EURACTIV.
“Das Traurige an der Sache ist, dass ein großer Teil der Schäden leicht hätte verhindert werden können, mit geringen oder keinen Kosten für Landwirt:innen,” so Worms. Allerdings hätte auch eine veränderte Landwirtschaft die Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen nicht stoppen können, betont Meissner.
Auen und Wälder stärken
Auch die Deutsche Umwelthilfe veröffentlichte Forderungen. An Flussufern müsse geltendes Recht zur Einhaltung von Gewässerrandstreifen und Schutzgebieten konsequenter durchgesetzt werden, beispielsweise im Hinblick auf die “Einhaltung einer guten fachlichen Praxis und des Bodenschutzes bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen“.
Die Organisation fordert außerdem, an allen Gewässerläufen sogenannte Entwicklungskorridore verbindlich auszuweisen. Innerhalb dieser Bereiche müsse demnach Acker in Grünland umgewandelt werden und mindestens 50 Prozent der Fläche zur Wiedervernässung von Auen genutzt werden.
“Auenwälder können als Überschwemmungsflächen dienen, die das Wasser in der Landschaft halten,” sagt auch Meissner. Daher brauche es ein finanziell gestärktes, bundesweites Auenprogramm.
Allgemein könnten Wälder einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Hochwasserschutz leisten, erklärt er. So hätten Naturwälder ohne forstwirtschaftliche Nutzung das Potenzial, als “Schwamm” zu fungieren und Wasser aufzunehmen. “Der BUND fordert, auf mindestens zehn Prozent der Waldfläche dauerhaft Naturwälder auszuweisen,” so Meissner.
Um einen naturnahen „Umbau“ von Wäldern zu ermöglichen, müsse außerdem das Bundesjagdgesetz angepasst werden, um so ein waldfreundliches Wildtiermanagement zu ermöglichen.
Auf europäischer Ebene hat die Kommission kürzlich (16. Juli) eine neue EU-Waldstrategie als Flaggschiff-Initiative innerhalb des europäischen Green Deals verabschiedet. Die Strategie enthält ein Maßnahmenpaket zur Steigerung der Qualität und Quantität der europäischen Wälder, die laut Kommission “lebenswichtige Ökosystemdienstleistungen” für die Gesellschaft erbringen – darunter der “Schutz vor schweren Überschwemmungen“ und eine „Verringerung der Auswirkungen von Dürren”.
“Angesichts der aktuellen Starkregen- und Unwetter-Ereignisse wird uns deutlich vor Augen geführt, wie wichtig gesunde Wälder sind,” sagte der Präsident der Naturschutzorganisation NABU zur Vorstellung der Strategie. Die Waldstrategie greife hierbei allerdings zu kurz, da die Mitgliedsstaaten die Vorschläge der Kommission zu sehr verwässert hätten, kritisiert Krüger.
Resilienz in Krisenzeiten
Maßnahmen zum Hochwasserschutz seien derweil auch im Interesse der Landwirt:innen selbst, betont Patrick Worms. Während der Klimawandel “relativ sicher zu immer mehr Überschwemmungen und Dürren” führe, könnten die geforderten Maßnahmen die Resilienz der Felder stärken.
Um die Landwirtschaft besser auf Wetterextreme einzustellen, könnten außerdem Anpassungen in der Fruchtfolge nötig werden, sagt Meissner: “Wo Kulturen, die besser mit Trockenheit umgehen können, nur schlechte Vermarktungswege haben, müssen wir hier Wege aufbauen.“
Die landwirtschaftliche Produktion resilienter gegenüber Krisen zu machen ist auch eine Priorität des slowenischen Agrarministers Jože Podgoršek, der aktuell den Vorsitz im EU-Ministerrat führt. Dazu gehörten unter anderem durch den Klimawandel hervorgerufene Wetterextreme, betonte er kürzlich im Interview mit EURACTIV.com.







