Ländliche Regionen lebenswert, aber unattraktiv als Arbeitsort

In einer Umfrage stimmten 80% der auf dem Land lebenden Befragten der Aussage zu, ländliche Regionen seien ein attraktiver Ort zum Leben. [Shutterstock]

Eine Mehrheit der Bewohner:innen ländlicher Regionen in Deutschland ist dort zufrieden mit der Lebensqualität. In Sachen Arbeitsplätze, Digitalisierung und ÖPNV-Anbindung zeigt sich aber ein weniger positives Bild.

Das geht aus einer am Montag (1. November) veröffentlichten Studie hervor, die das Bundeslandwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hatte.

Als “Wirtschaftsministerium für die ländlichen Regionen” habe das Agrarministerium die Aufgabe, Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land sicherzustellen, sagte die geschäftsführende Ministerin Julia Klöckner zur Veröffentlichung.

Durch Fördermaßnahmen sei laut der Klöckner bereits viel erreicht worden. So stimmten 80% der auf dem Land lebenden Befragten der Aussage zu, ländliche Regionen seien ein attraktiver Ort zum Leben.

Rund 80% zeigten sich außerdem “grundsätzlich zufrieden” mit den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort, 75% mit der ärztlichen Versorgung.

Drei Viertel der Befragten, die bereits in ländlichen Regionen lebten, gaben an, dort gerne bleiben zu wollen.

“In vielen Bereichen der Daseinsvorsorge haben wir Modellprojekte gefördert, die zu Leuchttürmen geworden sind und von denen auch andere Kommunen und Gemeinden profitieren”, so Klöckner.

Von der EU-Seite stehen für die Förderung der ländlichen Entwicklung Gelder aus dem Europäischen Fonds für die Entwicklung der Ländlichen Räume (ELER) zur Verfügung, der die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) bildet und vom jeweiligen Mitgliedstaat kofinanziert wird.

So setzt Deutschland die grünen Vorgaben der EU in der Landwirtschaft um

Die Landwirtschaft soll “grüner” werden: Das haben die 27 Mitglieder der EU in jahrelangen Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) beschlossen. EURACTIV erklärt, mit welchen Mitteln die EU das Ziel der nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland konkret unterstützt.

In Deutschland sind die Bundesländer dafür verantwortlich, wie die ELER-Mittel eingesetzt und welche Projekte gefördert werden. In der Förderperiode von 2014 bis 2020 waren dies bundesweit rund 2,4 Milliarden Euro jährlich.

Rund 16% dieser Gelder flossen dabei laut Bundeslandwirtschaftsministerium in Maßnahmen zur ländlichen Entwicklung, zusätzlich 12% in die Förderung von Modellprojekten.

Klöckner räumte jedoch ein, für die kommende Legislaturperiode bleibe “noch Vieles zu tun”.

So schätzten weniger als die Hälfte der Befragten ländliche Regionen als gutes Arbeitsumfeld. Adäquate Arbeitsplätze und Wertschöpfung auf dem Land müssten daher durch “passgenaue Lösungen” weiter verbessert werden, so Klöckner.

Handlungsbedarf bleibe auch in Sachen Digitalisierung.

Nur rund 60% der Befragten schätzten die Internetversorgung auf dem Land als gut oder sehr gut ein. Die scheidende Bundesregierung habe zur Verbesserung der Netzabdeckung bereits 1,1 Milliarden Euro bereitgestellt, fügte sie hinzu.

Auch die Europäische Kommission hatte in ihren Empfehlungen für Deutschlands nationalen GAP-Strategieplan auf “erhebliche Lücken” beim Zugang zu Breitbanddiensten in ländlichen Regionen hingewiesen.

Klöckner: Digitale Andwendungen sind “Lösungsbringer” für die Landwirtschaft

Bei einem Kongress am Mittwoch (15. September) hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Potenzial digitaler Technologien in der Landwirtschaft betont. Europäische Kommission und Bauernverbände sehen allerdings noch Hindernisse.

Ein weiteres Problemfeld bleibt laut der Umfrage auch die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV) auf dem Land.

Während in Ballungsräumen rund 70% der Bewohner:innen den ÖPNV nutzen, tun dies demnach in sehr ländlichen Räumen nur rund 40%. Ein Drittel der Befragten auf dem Land zeigte sich zufrieden mit der Taktung von Bus und Bahn vor Ort.

In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme kommt auch der Sachverständigenrat für ländliche Entwicklung des Agrarministeriums zu dem Schluss, die kommende Bundesregierung müsse die Belange ländlicher Räume “stärker als bisher” berücksichtigen.

Um zukunftsfähig zu bleiben, müssten ländliche Räume zu den Lebensentwürfen vor allem junger Menschen passen, heißt es in dem Papier. Hierzu brauche es neben Maßnahmen zur Dorfentwicklung vor allem die Schaffung und Sicherung hoch- wie niedrig qualifizierter Arbeitsplätze, so die Expert:innen.

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