Kommission: Deutschland hinkt bei Treibhausgasredution in der Landwirtschaft hinterher

Der Deutsche Bauernverband fordert mehr finanzielle Anerkennung für die Klimaleistungen von Grünland. [sacratomato_HR/Flickr]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Deutschlands Pläne für grünere GAP-Agrarsubventionen

In ihren Empfehlungen für die deutsche Umsetzung der Gemeinamen Agrarpolitik (GAP) weist die EU-Kommission auf mangelnde Fortschritte bei der Emissionsreduktion hin. Laut Verbänden greifen auch die aktuellen Pläne zu kurz.

Auch wenn in Deutschland die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft verglichen mit 1990 um 19 % gesunken seien, sei der Ausstoß in den letzten beiden Jahrzehnten etwa stabil geblieben, heißt es in dem Dokument der Kommission.

In seinem Strategieplan für die Umsetzung der EU-Agrarreform, der bis Ende des Jahres vorgelegt werden muss, solle Deutschland daher aus Sicht der Kommission Emissionsreduktion und Kohlenstoffsenken stärker fördern.

Sowohl über die sogenannten Eco-Schemes (Ökoregelungen) innerhalb der Direktzahlungen als auch über die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) der Zweiten Säule besteht in der kommenden Förderperiode die Möglichkeit, Klimamaßnahmen mit GAP-Mitteln zu fördern.

Während ein Katalog an Eco-Schemes bereits in den Gesetzen zur nationalen Umsetzung der GAP-Reform vorgesehen ist, die der Bundestag im Juni verabschiedet hatte, fällt die Ausgestaltung der AUKM größtenteils in die Zuständigkeit der einzelnen Bundesländer, deren Pläne noch in Arbeit sind.

Potenzial für Klimasenken

Wir müssen diese Emissionen reduzieren, 1,5-Grad-kompatibel, aber das geht nur mit einer Agrarpolitik, die auch in diesem Sinne handelt“, sagte Xenia Brand von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) EURACTIV Deutschland. „Dazu gehört für uns auch die Förderung von Weidehaltung, weil der Erhalt von Dauergrünland Klimaschutzmaßnahme ist, wegen des hohen Kohlenstoffanteils“, fügte sie hinzu.

“Von den sieben Ökoregelungen haben die wenigsten einen Klima-positiven Effekt,” sagte Christian Rehmer von der Umweltorganisation BUND. Klimasenkend würden diejenigen Ökoregelungen wirken, die den Schutz von Grünland oder Agroforstsysteme fördern, erklärte er.

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) hat wiederholt das Potenzial der Landwirtschaft für Klimasenken betont. “Die Land- und Forstwirtschaft bleibt langfristig das wichtigste Standbein bei der Schaffung negativer CO2-Emissionen,” sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken Ende Juni zur Verabschiedung des geänderten Klimaschutzgesetzes.

“Um dies zu erreichen, müssen die Landwirtinnen und Landwirte im Bereich des Humusaufbaus politisch unterstützt und diese Klimadienstleistung muss entsprechend vergütet werden,” fügte er hinzu.

Das Klimaschutzgesetz legt für verschiedene Wirtschaftsbereiche Sektorziele zur Reduktion von Treibhausgasemissionen fest, die mit den im Juni beschlossenen Änderungen verschärft wurden. In der Landwirtschaft sollen die Emissionen bis 2030 auf 56 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gegenüber 1990 reduziert werden.

“Die Land- und Forstwirtschaft sind die einzigen Wirtschaftsbereiche, die Kohlenstoff auf natürliche Weise speichern können,” betonte auch Agrarministerin Julia Klöckner bei der Verabschiedung des Gesetzes. Dies sei insbesondere von Bedeutung, da es im Agrar- und Forstsektor als Teil des biologischen Systems unmöglich sei, emissionsfrei zu arbeiten, fügte sie hinzu.

“Um die Ziele zu erreichen, sind entsprechende unterstützende Maßnahmen und Finanzmittel notwendig”, so Klöckner.

Moore schützen und renaturieren

Bisher enthielten aber laut Christian Rehmer die deutschen Pläne zur Umsetzung der GAP keine Gelder, um Klima-senkenden Maßnahmen wie Moorrenaturierung, Kohlenstoffspeicherung oder eine Reduktion der Nutztierbestände zu fördern.

Bei der Prüfung der Umweltauswirkungen des GAP-Strategieplans müsse dessen Beitrag zur Erreichung der Ziele des novellierten Klimaschutzgesetzes und des Klimaschutzplans 2030 geprüft werden, fordern die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und der Deutsche Naturschutzring in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Insbesondere die Reduktion der Tierzahlen und die “auskömmliche Finanzierung von Wiedervernässungsmaßnahmen auf Moorböden” sollten dabei als Klimaschutzmaßnahmen stärker in den Blick genommen werden, so die beiden Organisationen.

Auch die Kommission weist in ihrem Dokument auf die Bedeutung von Mooren als Kohlentoffspeicher hin und empfiehlt Deutschland, “den Schutz von kohlenstoffreichen Böden durch Wiedervernässung und die Wiederherstellung von Torfmoorflächen und Feuchtgebieten” zu fördern.

Anfang des Monats hatte das Bundesumweltministerium (BMU) eine Nationale Moorschutzstrategie vorgelegt, die nach Angaben des Ministeriums sowohl den Schutz intakter als auch die Wiederherstellung und die nachhaltige Bewirtschaftung bisher entwässerter Moorböden sicherstellen soll.

Verbände und Opposition hatten allerdings kritisiert, dass die Strategie nicht von der gesamten Bundesregierung verabschiedet wurde und insbesondere nicht mit dem Agarministerium abgestimmt war.

“Wir müssen Moore erstens wiedervernässen und zweitens aber auch dafür sorgen, dass die Menschen auf den wiedervernässten Flächen immer noch wirtschaften können”, sagte Christian Rehmer. Wo Moore nicht mehr bewirtschaftet werden sollen, müssten die Betriebe angemessen entschädigt werden, fügte er hinzu.

Klimaschutz honorieren

Für erfolgreiche Maßnahmen sei hier also ausreichend Geld und “massive Beratung” notwendig, so Rehmer. “Das ist eine Notwendigkeit, die mit der GAP eigentlich fast gar nicht adressiert wird”.

“Alle Konzepte zur Wiedervernässung müssen aber auf Basis von Freiwilligkeit und mit den Menschen vor Ort entwickelt werden”, kommentierte der stellvertretende DBV-Generalsektretär Udo Hemmerling die Moorschutzstrategie. Die Betriebe bräuchten eine langfristige wirtschaftliche Perspektive, betonte er.

In Bezug auf den GAP-Strategieplan fordert der DBV außerdem, innerhalb der Eco-schemes die Grünlandbewirtschaftung stärker zu fördern. So könnte beispielsweise ein Grünland-Klimabonus eingeführt werden, um “die Kohlenstoffsenke der Landwirtschaft [zu] honorieren”, so Hemmerling gegenüber EURACTIV Deutschland.

Laut EU-Kommission sind, trotz sinkender Tendenz, die Treibhausgasemissionen aus Grünland in Deutschland höher als in jedem anderen EU-Land. Über den Nationalen Strategieplan solle daher eine weniger intensive Bewirtschaftung von Grünland gefördert werden, so die Kommission.

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