Klöckner: Digitale Andwendungen sind “Lösungsbringer” für die Landwirtschaft

Laut Angaben des DBV sehen 40 % der deutschen Landwirt:innen in der mangelnden Breitbandabdeckung das größte Digitalisierungshindernis für die Landwirtschaft. [Nolanberg11 / Shutterstock]

Bei einem Kongress am Mittwoch (15. September) hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Potenzial digitaler Technologien in der Landwirtschaft betont. Europäische Kommission und Bauernverbände sehen allerdings noch Hindernisse.

“Für uns ist das Thema Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck, um politische Ziele zu erreichen”, beispielsweise weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel oder verbessertes Tierwohl, sagte Klöckner bei der Veranstaltung zur digitalen Zukunft.

Wenn es um Zielkonflikte zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit gehe, seien “gerade die digitalen Anwendungen wie precision farming, blockchain, et cetera Lösungsbringer”, fügte sie hinzu.

Im Juli hatte Klöckner den Start einer staatlichen Datenplattform für den Agrarbereich verkündet, die öffentlche Daten bündeln und vernetzen soll. In einem ersten Schritt werden auf der Plattform vor allem Datensätze der dem Bundeslandwirtschaftsministerium nachgestellten Behörden und Forschungseinrichtungen für Landwirt:innen bereitgestellt, so das Ministerium.

“Wir sind das erste Land in Europa, das dies tut, um alle relevanten Daten, die Landwirte selbst haben (…) auf einer Datenplattform zusammenzubringen, um auch Schnittstellenproblematiken zu reduzieren”, sagte Klöckner am Mittwoch.

Klöckner wies außerdem auf ihre Initiative zu “Digitalen Experimentierfeldern” hin, über die das Ministerium mit 50 Millionen Euro Projekte fördert, mit denen die Praxistauglichkeit digitaler Techniken für Pflanzenbau und Tierhaltung getestet werden soll.

“Wir wollen experimentieren, wo mithilfe der digitalen Technik die Arbeit des Landwirts erleichtert, aber auch optimiert werden kann”, so Klöckner.

Mangelnde Glasfaserabdeckung

Bauernverbände sehen allerdings noch entscheidende Hindernisse für die Digitalisierung, vor allem in Hinblick auf die Breitbandabdeckung im ländlichen Raum.

So gaben in einer Umfrage des Deutschen Bauernverbandes (DBV) im Juni 46 % der befragten Landwirt:innen an, in “einer unzureichenden Internetversorgung ein Haupthemmnis bei der weiteren Digitalisierung der Landwirtschaft” zu sehen.

“Angesichts des lange bekannten und immer weiter wachsenden Bedarfs brauchen wir einen echten Masterplan für eine konvergente, wirklich flächendeckende und leistungsfähige Breitband-Infrastruktur im ländlichen Raum”, kommentierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken die Umfrageergebnisse.

Laut Angaben der Bundesnetzagentur verfügen in Deutschland aktuell weniger als 14 % der Haushalte über einen Glasfaseranschluss – im EU-Durchschnitt sind es rund ein Drittel.

Ein flächendeckender Breitbandausbau biete großes Potenzial, die Landwirtschaft klima- und ressourcenschonender zu machen sowie Biodiversität und Tierwohl zu verbessern, fügte er hinzu. 70 % der Landwirt:innen sehen laut DBV in der Digitalisierung eine Chance für den eigenen Betrieb.

Auch die Europäische Kommission sieht beim Glasfaserausbau Nachholbedarf.

“Was den Zugang zu schnellen Breitbanddiensten in ländlichen Regionen angeht, so muss Deutschland noch erhebliche Lücken schließen”, heißt es in den Empfehlungen der Kommission für den Nationalen Strategieplan zur Umsetzung der EU-Agrarreform, den Deutschland bis Ende des Jahres vorlegen muss.

“Der digitale Wandel in der deutschen Landwirtschaft sollte vorangetrieben” und “die technologische Führungsrolle der EU in den Bereichen Satellitenbeobachtung, Präzisionslandwirtschaft, Geolokalisierungsdienste, autonome landwirtschaftliche Maschinen und Drohnen genutzt” werden, empfiehlt die Kommission außerdem in dem Papier.

Kleinere Betriebe “abgehängt”

An zweiter Stelle (53 %) als Hemmnis für Digitalisierung stehen für die vom DBV befragten Landwirt:innen die “hohen Investitionskosten” für digitale Anwendungen.

Lucia Heigl, stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sieht darin vor allem für kleinere Betriebe ein Problem. Auch wenn “digital farming” in manchen Bereichen eine Arbeitserleichterung bedeute, sei es oft schwierig, sich Maschinen oder Anwendungen überhaupt leisten zu können, sagte sie EURACTIV Deutschland.

Viele Technologien, die auf dem Markt aktuell angeboten würden, seien laut Heigl außerdem vor allem auf die Nutzung in großindustriellen Strukturen ausgelegt, sodass kleinere Betriebe “davon abgehängt” seien. So könnten Anwendungen häufig nur von sehr großen Landmaschinen genutzt werden, die für kleinräumige Gebiete ungeeignet seien, oder seien nur im Paket mit vielen anderen, für kleine Betriebe irrelevanten Funktionen erhältlich.

“Digitale Anwendungen können bei entsprechender Ausrichtung die Landwirtschaft umwelt- und klimafreundlicher machen, müssen aber auch – zum Beispiel über Sharing-Konzepte – kleineren Betrieben offenstehen und bezahlbar sein,” sagte auch ein Sprecher der Grünen gegenüber EURACTIV Deutschland. In einer künftigen Regierung wolle die Partei dies fördern.

Sprecher:innen von CDU/CSU, SPD, Der Linken und FDP kündigten ebenfalls an, bei einer Regierungsbeteiligung die Digitalisierung in der Landwirtschaft vorantreiben zu wollen.

Auch der deutsche Aufbau- und Resilienzplan, der die Verteilung der Mittel aus dem EU-Wiederaufbaufonds für die Coronakrise regelt, sieht vor, die bessere Nutzung von Agrardaten zu fördern und den Aufbau eines europäischen Agrardatenraums voranzutreiben.

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