Grünen-Verhandler: Ampel einig über Digitalisierung von Pflanzenzucht und -schutz

Digitale Lösungen wie Präzisionslandwirtschaft könnten eingesetzt werden, um die landwirtschaftliche Produktion trotz reduziertem Pestizideinsatz zu sichern, so der Grünen-Abgeordnete Harald Ebner. [Shutterstock]

Die Ampelkoalition sei einer Meinung über den Nutzen digitaler Anwendungen in der Pflanzenzucht und für die Reduktion von Pestiziden, so der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Auch Landwirt:innen fordern mehr Investitionen in Digitalisierung.

“Wir waren uns einig: Wenn wir beispielsweise den Pestizideinsatz reduzieren wollen, müssen wir den Landwirten auch Mittel an die Hand geben,” sagte Ebner, der für die Grünen das Landwirtschaftskapitel des Koalitionsvertrag mitverhandelt hatte, während eines EURACTIV Events.

Digitale Lösungen wie Präzisionslandwirtschaft könnten dabei eingesetzt werden, um die landwirtschaftliche Produktion trotz reduziertem Pestizideinsatz zu sichern, so Ebner.

Laut Koalitionsvertrag wollen die Ampelparteien, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu beschränken, unter anderem auf “digitale Anwendungen und moderne Applikationstechniken zur zielgenauen Ausbringung” setzen.

Auch im Züchtungsbereich könnten digitale Anwendungen zum Einsatz kommen, “schon lange, bevor ich an den direkten Eingriff in die Genome denken muss”, sagte Ebner. Als Beispiel nannte er sogenannte Crowd-Breeding-Konzepte zur digitalen Vernetzung verschiedener Züchter:innen und Bäuer:innen.

Die Digitalisierung sei ein entscheidender Hebel, um die Landwirtschaft für ihre vielfältigen Herausforderungen zu wappnen fügte er hinzu.

“Wir brauchen die Digitalisierung, um letztendlich zu wissen, was im Boden oder mit den Tieren vor sich geht”, sagte auch Dr. Peter Pascher vom Deutschen Bauernverband (DBV). Der entscheidende “Flaschenhals”, der dem Einsatz digitaler Technologien in der Landwirtschaft im Weg stehe, sei laut Pascher aber der Netzausbau.

Flaschenhals Breitbandausbau

“Um der Landwirtschaft in dieser Hinsicht Auftrieb zu geben, brauchen wir hochleistungsfähiges Internet in der Fläche”, fügte er hinzu.

Nach Angaben des Bundesministeriums für Transport und Digitale Infrastruktur verfügten Ende 2020 weniger als ein Viertel der Haushalte in ländlichen Räumen über Breitbandinternet von mehr als 1000 Megabit pro Sekunde, im Vergleich zu rund 56 % in Städten.

Über direkte Zuschüsse für Digitalisierungsprojekte im Agrarbereich hinaus, müsse auch an den Rahmenbedingungen gearbeitet werden, sagte auch Kathrin Maria Rudolf aus der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission.

Klöckner: Digitale Andwendungen sind “Lösungsbringer” für die Landwirtschaft

Bei einem Kongress am Mittwoch (15. September) hat Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner das Potenzial digitaler Technologien in der Landwirtschaft betont. Europäische Kommission und Bauernverbände sehen allerdings noch Hindernisse.

“Es geht ja auch um strukturelle Fragen wie Internetausbau oder Vorantreiben der Forschung, die sich dann in einer Art Dominoeffekt auf nachgelagerte Produktionsschritte Sektoren auswirken,” sagte sie.

Die Digitalisierung dürfe nicht auf die Frage des Breitbandausbaus reduziert werden, sagte dagegen Ebner. “Es ist sehr wichtig, dass wir bei Digitalisierung auch breiter denken”, fügte er hinzu.

Außerdem müsse sichergestellt werden, dass alle Betriebe von den neuen Technologien profitieren können, so Ebner. Sonst bestehe die Gefahr, dass solche Betriebe außen vor bleiben könnten, die den hohen Kapitalbedarf für digitale Anwendungen nicht decken können.

Auch für ältere Betriebsleiter:innen könne die umstellung auf digitale Technologien eine Herausforderung darstellen, sagte die Europaabgeordnete Ulrike Müller, die für die liberale Renew-Fraktion im Agrarausschuss sitzt.

Europaweite Zusammenarbeit

“Ich hoffe, dass man auch Landwirte bis 60 noch mitnehmen und begeistern kann für die Digitalisierung”, so Müller. Eine Schwierigkeit sei allerdings, dass in vielen Ländern der Generationenwechsel in der Landwirtschaft bisher stockend verlaufe und nur relativ wenige jüngere Menschen die Leitung landwirtschaftlicher Betriebe übernehmen würden.

Aus Sicht von Peter Pascher ist für die Digitalisierung der Landwirtschaft außerdem eine stärkere europaweite Zusammenarbeit entscheidend. “Wir sind bei der Digitalisierung nicht einfach Deutschland – wir sind da auf einem internationalen Parkett unterwegs”, so Pascher.

Eine bessere Standardisierung und Interoperabilität von Daten und Anwendungen müsse auf europäischer Ebene angegangen werden, fügte er hinzu, beispielsweise, indem man einheitliche Regeln für Syntax und Semantik bei der Programmierung etabliere.

Auf europäischer Ebene stelle auch für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) die Digitalisierung ein Querschnittsziel dar, betonte derweil Rudolf.

Auf Bundeseben hatte die scheidende Agrarministerin Julia Klöckner im Juli den Start einer digitalen Datenplattform für den Agrarbereich angekündigt, die öffentliche Daten bündeln und vernetzen soll.

In einem ersten Schritt sollen nach Angaben des Ministeriums auf der Plattform zunächst Datensätze der dem Bundeslandwirtschaftsministerium nachgestellten Behörden und Forschungseinrichtungen für Landwirt:innen bereitgestellt werden.

Özdemir als Agrarminister: prominenter Realo, aber Neuling in der Landwirtschaft

Özdemir hat keine Erfahrung in diesem Bereich vorzuweisen. Aber als langjähriger Parteichef der Grünen sagt er, er habe gelernt, „Brücken zu bauen“, und als ehemaliger Europaabgeordneter ist ihm die europäische Politik nicht fremd.

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