EU-Unterstützung für „Couch“-Landwirte schlecht für die Branche

Die Studie "Die Zukunft des europäischen Landwirtschaftsmodells", die kürzlich bei einer Anhörung im Europäischen Parlament vorgestellt wurde, untersucht strukturelle Trends in der europäischen Landwirtschaft in fünf Regionen Europas. [Valery Zotev/SHUTTERSTOCK]

Subventionen für Landbesitzer, die nicht aktiv in der Landwirtschaft tätig sind, wirken sich negativ auf die Landwirtschaft aus, da die EU gleichzeitig in alarmierendem Umfang Agrarbetriebe ausbluten lässt, wie eine neue EU-Studie zeigt.

Die Studie „Die Zukunft des europäischen Landwirtschaftsmodells„, die kürzlich bei einer Anhörung im Europäischen Parlament vorgestellt wurde, untersucht strukturelle Trends in der europäischen Landwirtschaft in fünf Regionen Europas.

Sie identifiziert mehrere gemeinsame Ursachen für den Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe, die in erster Linie struktureller, wirtschaftlicher und sozialer Natur sind, in geringerem Maße aber auch umweltbedingt.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) hat die Entwicklung von sogenannten „Couch-Landwirten“ gefördert, das heißt von Landbesitzerinnen, die keine aktive Landwirtschaft betreiben.

Flächenbezogene Zahlungen, einschließlich Direktzahlungen, tragen zu diesem Phänomen bei, so die Studie. Während diese Beihilfen dazu beitragen, Landwirte zu motivieren, ihr Land nicht zu verkaufen, fördern sie zugleich das Auftreten von „Couch-Landwirten.“

Dies hat zu einem wachsenden Unmut bei aktiveren Bauern geführt, da ihre inaktivne Kolleg:innen „Wachstum und Konzentration hemmen und gleichzeitig wenig zur Ernährungssicherheit beitragen“, so die Studie.

Außerdem treibt es die Bodenpreise in die Höhe, was den Erwerb von Grundstücken für viele unerschwinglich macht und zu spekulativen Landkäufen führt.

Auf diese Weise haben sich Aspekte des EU-Agrarsubventionsprogramms indirekt negativ auf die Landwirtschaft ausgewirkt, so die Schlussfolgerung der Studie.

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Zahl der Landwirte sinkt rapide

Die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU-27 ist in den letzten Jahren drastisch gesunken, und zwar von etwa 15 auf 10 Millionen Betriebe, was einem Rückgang von 32 Prozent entspricht.

Der Studie zufolge gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich dieser Trend in nächster Zeit verlangsamen wird.

Der Studie zufolge könnte die EU bis 2040 weitere 6,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe verlieren, sodass EU-weit nur noch etwa 3,9 Millionen Höfe übrig bleiben, was einem massiven Rückgang von 62 Prozent im Vergleich zu den Zahlen von 2016 entspricht.

Dabei ist der stärkste Schwund bei Kleinbetrieben zu verzeichnen, mit einem Rückgang von 38 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Großbetriebe – über 50 Hektar – im gleichen Zeitraum um sieben Prozent gestiegen.

Der Rückgang ist vor allem strukturell bedingt, da die Marktstruktur intensive Produktion und Großbetriebe begünstigt – ein Problem, das in allen untersuchten Regionen auftritt.

Allerdings haben die Ergebnisse bei den Abgeordneten des Europäischen Parlaments noch einige Fragen aufgeworfen.

„Es ist klar, dass die Wirtschaftskrise einen großen Einfluss auf den Rückgang der Zahl der Betriebe hat. Wir können also davon ausgehen, dass es auch während der Pandemie einen signifikanten Rückgang gegeben hat“, erklärte die Mitte-Rechts-Abgeordnete Veronika Vrecionová bei der Vorstellung der Studie.

Dabei könnten unterschiedliche Definitionen von Großbetrieben in den verschiedenen Ländern einen Einfluss auf die Statistiken haben, fügte sie hinzu.

Bei der Vorstellung der Studie sagte ein Beamter der Europäischen Kommission, dass die mittleren Betriebe am meisten gefährdet seien, da kleinere Betriebe in geringerem Maße wirtschaftlich abhängig seien.

Er wies jedoch darauf hin, dass diese Schwierigkeiten haben, in Maschinen, Bewässerung und Automatisierung zu investieren und Zugang zu den Märkten zu erhalten. Das ließ sich auch in den untersuchten Fällen beobachten.

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Alternde Landwirte

Ein weiteres Problem, das in der Studie hervorgehoben wird, ist die Überalterung des Agrarsektors.

Mehr als 31 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Landwirten geführt, die älter als 65 Jahre sind, während Junglandwirte nur sechs Prozent ausmachen.

Die Förderung eines Generationenwechsels ist ein zentraler Punkt der GAP-Reform 2023-2027.

Elsi Katainen von Renew Europe ist jedoch der Meinung, dass es bisher nicht genug Anreize für junge Landwirte gibt, in den Beruf einzusteigen.

„Wir müssen unseren jungen Leuten einen Schub geben und sicherstellen, dass sie ermutigt werden, sich weiterzubilden und innovativ zu sein“, sagte sie und forderte, den Mitgliedstaaten mehr Spielraum zu geben.

Der Rechstaußen-Abgeordnete Gilles Lebreton betonte den finanziellen Faktor.

„Ich weiß, dass in einigen nationalen Strategieplänen nicht genug Wert darauf gelegt wird, eine Preispolitik zu entwickeln“, sagte er und ergänzte, dass mehr Unterstützung nötig sei, um die Landwirtschaft zu fördern.

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Mehr als 31 Prozent aller Betriebe in der EU werden von Landwirten geführt, die älter als 65 Jahre sind, während Junglandwirte nur sechs Prozent ausmachen. Die Umkehrung dieses Trends ist eine der größten Herausforderungen für die wichtigste EU-Agrarpolitik.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Nathalie Weatherald]

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