EU plant 320 Millionen Euro für die Bodenforschung als Beitrag zur Kohlenstoffentfernung

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission betragen die mit der Verschlechterung der Bodenqualität verbundenen Kosten in der EU mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr. Außerdem gelten 60-70% der Böden in Europa als "ungesund". [Shutterstock]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Horizon Europe: Was kann die Landwirtschaft erwarten?

Mit der Ankündigung einer neuen Mission des Programms Horizont Europa verstärkt die Europäische Union ihre Bemühungen um die Forschung zu Bodengesundheit. Die Mission wird auch wichtige Mittel für die Förderung von Carbon Farming bereitstellen.

Die neue, Ende September angekündigte Horizont Europa Mission in Höhe von 320 Millionen Euro soll den Übergang zu gesunden Böden bis 2030 vorantreiben, im Einklang mit den Verpflichtungen des Green Deals in den Bereichen Klima, biologische Vielfalt, Umweltverschmutzung und nachhaltige Lebensmittelsysteme.

Mit den Mitteln aus Horizont Europa – dem EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation – werden „Living Labs“ und Leuchttürme unterstützt, die den Übergang zu gesunden Böden anführen sollen.

Nach Angaben der Europäischen Kommission zielt das Programm darauf ab, die Menschen einzubeziehen und wirksame Partnerschaften zu schaffen, um die Böden sektor- und länderübergreifend zu schützen und wiederherzustellen.

Auf diese Weise trägt es zu den Zielen für nachhaltige Landwirtschaft, biologische Vielfalt und Schadstofffreiheit bei, die im Rahmen der Flaggschiffpolitik der EU, dem Europäischen Green Deal, festgelegt wurden.

Die Maßnahme soll die EU-Bodenstrategie ergänzen, die zusammen mit der kürzlich eingerichteten europäischen Stelle zur Bodenbeobachtung Teil eines umfassenden Rahmens ist, der sich mit der Boden- und Landbewirtschaftung in großem Maßstab und in allen Bereichen der Landnutzung befasst.

Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius hatte zuvor bereits die Dringlichkeit der Forschung betont, „um den Übergang zu einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung auf landwirtschaftlichen Flächen zu fördern“.

LEAK: EU-Strategie soll Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen

Die Europäische Kommission wird umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken wie Aufforstung und Bodenerhaltung belohnen und gleichzeitig Regeln aufstellen, um Aktivitäten zu identifizieren, die „eindeutig Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen“, so der Vorschlagsentwurf, der EURACTIV vorliegt.

„Die Landwirt:innen werden eng eingebunden und werden von Investitionen in den Wissensaustausch und die Entwicklung profitieren“, sagte er bei der Vorstellung der neuen Bodenstrategie der Kommission am 17. November.

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission betragen die mit der Verschlechterung der Bodenqualität verbundenen Kosten in der EU mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr. Außerdem gelten 60-70% der Böden in Europa als „ungesund“.

Durch die im Rahmen der Bodenmission bereitgestellten Forschungsmittel hofft die EU nun, den Anteil gesunder Böden in jedem EU-Mitgliedstaat auf mindestens 75 % zu erhöhen.

Eine schlechte Bodengesundheit kann Ökosystemleistungen wie sauberes Wasser, biologische Vielfalt und Klimaregulierung beeinträchtigen.

LEAK: Kommission wird 2023 eigenen Legislativvorschlag zu Bodenstrategie vorlegen

Die europäische Bodenstrategie verpflichtet sich, einen speziellen Legislativvorschlag vorzulegen, um Bodendegradation auf harmonisierte Weise zu bekämpfen – allerdings nicht vor 2023, wie aus einem durchgesickerten Entwurf hervorgeht, der EURACTIV vorliegt.

Strategie für Carbon Farming

Ein Schlüsselbereich der Forschung und Innovation, der durch die Mission finanziert werden soll, ist Carbon Farming, eine Methode für Kohlenstoffbindung und -anreicherung in landwirtschaftlichem Boden. Das geht aus einem durchgesickerten Entwurf der Kohlenstoffstrategie hervor, der zuerst von der französischen Nachrichtenseite Contexte erhalten wurde.

Zu diesem Zweck sollen Living Labs und Leuchttürme, die im Rahmen des Programms unterstützt werden sollen, „dazu dienen, Lösungen für Carbon Farming zu testen, zu demonstrieren und zu vervielfachen“, heißt es in dem Dokument.

In künftigen Programmplanungszeiträumen wird die Kommission im Rahmen von Horizont Europa den Schwerpunkt verstärkt auf Carbon Farming legen, um digitale und Datentechnologien für einen effizienteren Kohlenstoffabbau und bessere Emissionsschätzungen zu entwickeln.

Neben Carbon Farming soll die Mission auch „die Bemühungen um eine harmonisierte Bodenüberwachung in Europa unterstützen“, heißt es in dem Entwurf. 

Nach Ansicht der Kommission hat eine solche Forschung verschiedene Vorteile. Das Wissen und die Instrumente, die auf dieser Grundlage entwickelt werden, können dazu dienen, den Boden zu entwickeln, die Produktionssysteme weiter zu verbessern oder die Rolle der Viehzucht bei der Bodenbewirtschaftung zu stärken.

In der Mission von Horizont Europa sind „Living Labs“ und „Leuchttürme“ „Räume für Co-Innovation durch partizipative, transdisziplinäre und systemische Forschung“.

In der Praxis sollen diese „Living Labs“ Landeigentümer:innen und Landbewirtschafter:innen sowie anderen Interessengruppen, Behörden und Bürger:innen die Möglichkeit geben, mit Forscher:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzuarbeiten.

Die Leuchttürme sind als Räume zur Demonstration von Lösungen, zur Ausbildung und zur Kommunikation gedacht. Dem Horizont Europa-Missionsentwurf zufolge kann dies die Vermittlung bewährter Verfahren oder den Aufbau von Partnerschaften über Wertschöpfungsketten hinweg einschließen.

Die Pläne für eine Bodenmission wurden von mehreren Organisationen unterstützt, die über ein beratendes Expertengremium am Planungsprozess beteiligt waren.

Die Mission befasst sich genauer „auf die Mobilisierung und Schaffung eines günstigen Umfelds für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung in der gesamten EU, mit Blick auf öffentliche Maßnahmen, Investitionen, bürgerschaftliches Engagement und Informationskampagnen“, wie es im Forschungs- und Innovationsnetzwerk der europäischen Regionen (ERRIN) heißt.

Die regionale und lokale Ebene sei „entscheidend, um eine langfristige Wirkung zu erzielen“, heißt es weiter.

Auch das Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) hat den Start der Bodenmission begrüßt und erklärt, dass die Konzentration auf Living Labs und Leuchttürme eine „Stärke“ des Programms sei.

Die Mission könne eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Bodenstrategie spielen, wenn sie genutzt werde, „um den politischen Entscheidungsträgern aktuelle Erkenntnisse und nachhaltige Lösungen zur Verfügung zu stellen“, so eine Sprecherin gegenüber EURACTIV.

Erstes EU-weites Gesetz zur Bodengesundheit: Böden erhalten den gleichen Rechtsstatus wie Luft und Wasser

Die Bodenstrategie der Europäischen Union hat Pläne für ein Bodengesundheitsgesetz bis 2023 skizziert, um den Boden auf die gleiche rechtliche Grundlage wie Luft und Wasser zu stellen

[Bearbeitet von Gerardo Fortuna/Natasha Foote/ Alice Taylor]

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