EU-Agrarchef Janusz Wojciechowski hat versprochen, sein Bestes zu tun, um Carbon Farming in den Strategieplänen der Mitgliedstaaten für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) Priorität zu verschaffen. Allerdings gibt es Befürchtungen, dass seinen Worten keine Taten folgen werden.
Carbon Farming sei eine der Hauptprioritäten der französischen Ratspräsidentschaft und von äußerster Wichtigkeit für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft, so der Kommissar während einer Sitzung des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments (AGRI) am Montag (10. Januar).
„Wir müssen zusammenarbeiten, um die Entwicklung der europäischen Landwirtschaft in diese Richtung voranzutreiben“, sagte er und nannte die Praktik eine „gute Gelegenheit“ für Landwirt:innen, in Zukunft zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.
Carbon Farming – ein neues Schlagwort in der Landwirtschaft – zielt darauf ab, die Menge des im Boden gespeicherten Kohlendioxids (CO2) zu erhöhen und damit dessen Vorkommen in der Atmosphäre zu reduzieren.
Dies wird durch verschiedene landwirtschaftliche Methoden erreicht, die von diverseren Fruchtfolgen über Deckgewächse und reduzierte Bodenbearbeitung bis hin zur präzisen Stickstoffausbringung reichen.
Derzeit gibt es kein gezieltes politisches Instrument, um Anreize für die Kohlenstoffbindung und den Schutz von Kohlenstoffbeständen zu schaffen.
Als Reaktion darauf hat die Europäische Kommission im Dezember eine Mitteilung über nachhaltige Kohlenstoffkreisläufe veröffentlicht und darin Maßnahmen zur Förderung des Carbon Farming und zur Verbesserung des Geschäftsmodells dargelegt, um Landbewirtschafter:innen für die Kohlenstoffbindung und den Schutz von biologischen Vielfalt zu entlohnen.
Die Kommission wird außerdem einen EU-Rechtsrahmen für die Zertifizierung der Kohlenstoffentfernung bis Ende 2022 vorschlagen.
Doch die Mitteilung wurde vom Agrarsektor mit nur milder Begeisterung aufgenommen, während NGOs bemängelten, dass damit die wirklichen Verschmutzer ungeschoren davonkommen.
Die Abgeordneten begrüßten zwar, dass der EU-Kommissar einen Schwerpunkt auf Carbon Farming setzen möchte, doch viele von ihnen zeigten sich skeptisch darüber, wie dies in der Praxis umgesetzt werden soll.
So fragte der linke Europaabgeordnete Luke „Ming“ Flanagan, ob der Kommissar in Erwägung ziehen würde, Carbon Farming zu einer eigenen Maßnahme in den nationalen Strategieplänen der GAP zu machen.
Die Pläne sind der nächste Schritt eines langen Prozesses, um die Agrarpolitik der EU zu reformieren. In den Plänen legen die einzelnen Mitgliedstaaten dar, wie sie die neun EU-weiten Ziele der GAP-Reform erreichen und gleichzeitig auf die Bedürfnisse ihrer Landwirt:innen und ländlichen Gemeinden eingehen wollen.
Colm Markey, ein irischer Abgeordneter im Europäischen Parlament, fragte, ob die Kommission eine separate Einkommensquelle oder -struktur speziell für das Carbon Farming in Betracht ziehen würde, damit Landwirt:innen nicht in eine Situation geraten können, in der sie für das gleiche Geld mehr Arbeit leisten müssen.
Seine Bedenken decken sich mit denen von Pekka Pesonen, dem Generalsekretär des EU-Landwirtschaftsverbands COPA-COGECA. Im November erklärte er gegenüber EURACTIV, dass die Initiativen der Kommission zur Kohlenstoffentfernung zwar eine zusätzliche Einkommensquelle für Landwirt:innen sein könnten, dass sie aber „leicht zu einer finanziellen und administrativen Belastung für sie werden könnten“.
Dies berge die Gefahr, dass ihre Kosten steigen, ihre Produktivität sinkt und ihre Einkommen abnehmen, warnte er damals.
In seiner Antwort versprach der EU-Kommissar, er werde sich „bemühen, dass Carbon Farming in einem möglichst großen Umfang in die Strategiepläne [der GAP] aufgenommen wird“. Er gab jedoch zu, dass dies eine Herausforderung darstelle.
Er versicherte, dass die EU „keine Situation schaffen wird, in der Landwirt:innen mehr für das gleiche Geld tun müssen“.Stattdessen bestehe die Möglichkeit, „dass die Situation umgekehrt sein wird“.
„Landwirt:innen werden für gute Praktiken belohnt werden, für die sie bisher nicht belohnt wurden“, sagte er und versprach, dass es einen Weg für eine „Alternative zur industriellen Landwirtschaft“ geben werde.
[Bearbeitet von Alice Taylor]




