Bulgarische Landwirte erhalten beispiellose Beihilfen zur Ernährungssicherung

Ein Landwirt sät mit seinem Traktor Sonnenblumensamen auf einem Feld in der Nähe der Stadt Shabla, Bulgarien, 24. April 2020. [EPA-EFE/VASSIL DONEV]

Dieser Artikel ist Teil des special reports Wie der Ukraine-Krieg die Gemeinsame Agrarpolitik umgestaltet

Die bulgarische Regierung wird angesichts des Ukraine-Kriegs eine Rekordsumme von 560 Millionen Euro für die Ernährungssicherheit des Landes bereitstellen. Der Landwirtschaftsminister des Landes warnte jedoch davor, dass dies immer noch nicht ausreiche, um den angeschlagenen Sektor zu unterstützen.

Nach Angaben des bulgarischen Landwirtschaftsministers Iwan Iwanow soll diese beispiellose Summe dem Sektor helfen, die Folgen des Krieges in der Ukraine zu bewältigen, der die Preise für Futtermittel, Düngemittel und Gas in die Höhe getrieben hat.

Nach Angaben des Ministers werden 40,33 Millionen Euro für Viehzucht und Imkerei bereitgestellt, 32,93 Millionen Euro für den Anbau von Obst und Gemüse, Reis und Rosen. Er fügte hinzu, dass die Verfahren so weit wie möglich vereinfacht und beschleunigt werden sollen, damit die Landwirt:innen das Geld schnell erhalten.

Die Beihilfe, die die größte Neuerung in der Agrarpolitik der Regierung als Reaktion auf den Konflikt darstellt, wird auch für den Kauf von Weizen und Sonnenblumensamen zu Preisen von 285 Euro pro Tonne ohne Mehrwertsteuer für Weizen und bis zu 710 Euro pro Tonne für Sonnenblumensamen verwendet.

Zu wenig und zu spät

Die bulgarischen Landwirt:innen, die die größten Anbauflächen für Getreide bewirtschaften, sind jedoch nicht zufrieden mit der Unterstützung.

Kostadin Kostadinov, Vorsitzender des bulgarischen Verbandes der Getreideerzeuger:innen, wies darauf hin, dass die Getreideerzeuger:innen in Bulgarien weder durch die Corona-Beihilfen noch durch die 60/40-Maßnahme der Arbeitsagentur des Landes unterstützt wurden.

Unterdessen haben die Landwirt:innen auch Kritik an der langsamen Reaktion der Regierung bei der Anpassung des Strategieplans der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) an die neuen Umstände geübt.

In diesen Plänen legen die EU-Länder dar, wie sie die neun EU-weiten Ziele der GAP-Reform erreichen wollen. Die Pläne wurden jedoch vor dem Ukraine-Krieg ausgearbeitet.

Auf dem Treffen der Landwirtschaftsminister:innen am 7. April in Luxemburg sagte Minister Iwanow, dass die von der Europäischen Kommission ergriffenen Maßnahmen zur Soforthilfe und Entlastung der Landwirt:innen ein guter erster Schritt seien.

Er räumte jedoch ein, dass das angekündigte Unterstützungspaket zusammen mit dem befristeten Krisenrahmen der Kommission für Beihilfen angesichts der Bedrohungen für die Nachhaltigkeit der gesamten Nahrungsmittelkette und der absoluten Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen nicht ausreichen werde.

Als besonders besorgniserregend bezeichnete er die starke Abhängigkeit Bulgariens von Roh- und Weißzucker-Einfuhren und wies darauf hin, dass einige alternative Zuckerlieferanten, darunter Moldawien, derzeit unsicher seien.

„In diesem Marktumfeld ist die Verarbeitung von Rohrohrzucker zur Raffination der wichtigste Weg, um den Zuckerverbrauch in Bulgarien zu sichern. Deshalb möchte Bulgarien den bevorzugten Zugang zu Rohstoffen für Raffinerien in Mitgliedstaaten mit einem Mangel an Zuckerrüben erreichen“, erklärte der Minister.

In diesem Zusammenhang betonte er, dass Bulgarien weiterhin auf eine separate Beihilferegelung mit mehr Flexibilität dränge, ähnlich der Regelung, die die Kommission zur Bewältigung der ersten Welle der Corona-Pandemie eingeführt hat.

Der Minister versicherte jedoch am 16. April, dass in Bulgarien mit einer guten Herbst- und Frühjahrsernte zu rechnen sei. Die Daten über die Entwicklung von Weizen, Raps und anderen Feldfrüchten seien gut, die Landwirt:innen würden sich um ihre künftige Produktion kümmern und es sei kein drastischer Preisanstieg zu erwarten.

GAP-Plan

Trotz der Aussichten auf eine gute Ernte hat Bulgarien die von der Europäischen Kommission ausnahmsweise zugelassenen Ausnahmeregelungen zu den GAP-Umweltmaßnahmen, einschließlich der Möglichkeit des Anbaus von Pflanzen auf Brachflächen, proaktiv in Anspruch genommen.

Nach Angaben des bulgarischen Ministeriums wird Bulgarien alle zur Verfügung stehenden Ausnahmeregelungen in vollem Umfang nutzen und die Landwirt:innen ermutigen, alle verfügbaren Kapazitäten für die Nahrungs- und Futtermittelproduktion zu nutzen.

Nach Angaben von Kostadinov werden in Bulgarien etwa fünf Prozent der Flächen für ökologische Zwecke genutzt.

Ihm zufolge werden etwa zwei bis drei Prozent dieser Fläche für die Produktion genutzt, um das durch den Krieg in der Ukraine entstandene Defizit auszugleichen, da das Land 30 Prozent der weltweiten Getreideproduktion auf sich vereint.

In diesem Jahr werden die Landwirt:innen mehr Sonnenblumen aussäen, sagte er. Die Differenz zum letzten Jahr werde jedoch nicht mehr als 10 bis 15 Prozent betragen.

[Bearbeitet von Natasha Foote/Gerardo Fortuna/Nathalie Weatherald]

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