Bio-Verbände: Österreichs GAP-Pläne lassen Viertel der Betriebe außen vor

Österreichs Pläne zur Umsetzung der EU-Agrarreform setzen laut Verbänden Bio-Betriebe finanziell unter Druck. [shutterstock]

Bio-Verbände und Umweltschützer:innen üben Kritik an Österreichs Plänen zur Umsetzung der EU-Agrarreform. Mit der geplanten Förderstruktur riskiere das Land, Bio-Betriebe zu verlieren, so die Kritik.

„Die aktuellen Vorschläge für das neue ÖPUL würden einen Rückschritt bedeuten und Bio in Österreich schwächen,” so Gertrud Grabmann, Vorsitzende des Branchenverbands Bio Austria.

Nach der Einigung auf europäischer Ebene zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Juni müssen die Mitgliedstaaten bis Ende des Jahres Strategiepläne zur Umsetzung auf nationaler Ebene vorlegen.

Das österreichische Landwirtschaftsministerium hatte bereits im November 2020 erste Entwürfe hierzu vorgelegt, gefolgt von einer öffentlichen Konsultation im Mai 2021. Dabei wird unter anderem das ÖPUL (Österreichisches Programm für Umweltgerechte Landwirtschaft) reformiert, das die Förderung für Umweltmaßnahmen und ländliche Entwicklung über die Zweite Säule regelt.

Bisher wurde Bio-Landwirtschaft innerhalb des Programms durch eine eigene Maßnahme gefördert, um Betrieben den Mehraufwand für die Einhaltung der EU-Bio-Verordnung auszugleichen.

Die Pläne für die neue Förderperiode sehen dagegen keine eigene Bio-Förderung mehr vor. Stattdessen sollen Betriebe über allgemeine Maßnahmen, die auch konventionellen Landwirt:innen zugänglich sind, für ihre umweltfreundlichen Praktiken honoriert werden.

Für Bio Austria werden die Pläne damit “den systemischen Mehrleistungen der Bio-Landwirtschaft nich gerecht”. Der Verband fordert eine eigene Maßnahme zur Förderung ökologischer Landwirtschaft.

“Gegen eine solche Benachteiligung würden wir uns mit allen notwendigen Mitteln zur Wehr setzen,” so Grabmann. “Ein Drüberfahren über ein Viertel der Bäuerinnen und Bauern ist für mich unvorstellbar”.

Mit 23 Prozent aller Betriebe und mehr als einem Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche ist Österreich unter den Mitgliedstaaten mit dem größten Bio-Anteil. Das Land liegt damit bereits jetzt über dem Ziel von 25 Prozent Flächenanteil für den Ökolandbau, das sich die EU in ihren Flaggschiff-Initiativen, der Farm-to-Fork- und der Biodiversitätsstrategie, gesetzt hat.

Ein im April veröffentlichtes Arbeitspapier verschiedener Umwelt- und Branchenorganisationen sieht durch die geplanten Änderungen bei der nationalen Förderung diesen Status allerdings gefährdet.

“Mit den Vorschlägen, die auf dem Tisch liegen, würden wir in Österreich den Anteil (…) nicht steigern können,” so das Papier. Demnach “bestünde sogar das ernstzunehmende Risiko, dass wir viele Betriebe, die bereits auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben, wieder verlieren”.

Besonders gefährdet seien laut den Verbänden tierhaltende Betriebe, die Investitionen wie Stallumbauten oder zusätzlichen Betreuungsaufwand der Tiere finanzieren müssten.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger sieht in der GAP-Reform und den nationalen Plänen dagegen eine Stärkung des österreichischen “Erfolgsmodells”, das sich für sie durch kleine Betrieben, hohe ökologische Ansprüche und Vorreiterrolle bei der Bio-Landwirtschaft auszeichne.

“Die neue GAP-Periode sichert den österreichischen Weg der nachhaltigen Landwirtschaft ab,” so Köstinger zur europäischen Einigung im Juni. “Es ist kein Zufall, dass wir Bio-Weltmeister und der Feinkostladen Europas sind,” fügte sie hinzu.

Aktuell fließen zirka 44 Prozent aus dem österreichischen Agrarumweltprogramm der Zweiten Säule an Bio-Betriebe. Im März hatte das Ministerium außerdem eine “Zukunftsstrategie Bio-Landwirtschaft 2030” vorgestellt, um Nachfrage und Erzeugung von Bio-Produkten zu stärken.

Auch bei den europäischen Verhandlungen zur Agrarreform hatte sich Österreich mehrfach für die Förderung von Bio-Landwirtschaft und ökologischen Leistungen allgemein eingesetzt. In einem offenen Brief forderte Köstinger beispielsweise im Oktober 2020 eine Stärkung der Zweiten Säule.

Katharina Bergmüller von der Naturschutzorganisation BirdLife Österreich betonte gegenüber EURACTIV Deutschland, für den Schutz der Biodiversität sei ein größerer Anteil an ungenutzter Fläche entscheidend. Hier brauche es in der Agrarförderung Maßnahmen über die Anforderungen für ökologische Landwirtschaft hinaus.

“Bio hat natürlich schon positive Effekte,” erklärte sie, beispielsweise was die Nutzung giftiger Pestizide oder Standards beim Tierwohl angeht.

Dies allein sei laut Bergmüller aber zu wenig, vor allem, weil auch im Öko-Landbau Flächen immer intensiver und industrieller bewirtschaftet werden müssten, um die steigende Nachfrage nach Bio-Produkten zu decken.

“Für die Biodiversität ist momentan das größte Problem die häufige Nutzung und die starke Düngung, sowohl im Acker als auch im Grünland. Und da ist jetzt von Haus aus nichts dabei, was Bio besser machen würde,” fügte sie hinzu.

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