Bologna 2.0 – Zur Reform der Reform

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.COM Ltd.

Studenten in Kassel bertrauern symbolisch den Tod der Bildung. Die Harmonisierung der europäischen Hochschulsysteme gilt hierzulande als gescheitert. Foto: dpa.

Standpunkt von Bernhard Kempen, Präsident des DHVEs sollte eine „Jahrhundertreform“ werden, doch nach zehn Jahren „Bologna-Prozess“ steht die „Bildungsrepublik“ Deutschland vor einem Scherbenhaufen. Das EU-Projekt hat ihre Ziele hierzulande nicht verfehlt, es hat ihr Gegenteil bewirkt. Nun muss ein Sonderprogramm her, fordert Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), auf EURACTIV.de.

Die Bologna-Proteste sind die Quittung für das Versagen der staatlichen Hochschulpolitik in Deutschland, die die Interessen der Studierenden und Wissenschaftler über Jahre hinweg konsequent übersehen hat. Nun steht der Bologna-Zug im Sackbahnhof. Statt der gewünschten Fortschritte gibt es zehn Jahre nach der begrüßenswerten Bologna-Erklärung Rückschritte bei den Abbrecherquoten wie bei der studentischen Mobilität.

Durch die angebliche "Jahrhundertreform" ist das Studium weder besser, noch sind die neuen Hochschulabschlüsse international vergleichbarer geworden. Statt überfällige Kurskorrekturen einzuleiten, zeigen Kultusminister, Hochschulrektoren und Akkreditierungsrat mit dem Finger aufeinander. Leidtragende sind die Studierenden, die sich in einigen Fächern mit bis zu 147 Kommilitonen einen Professor teilen müssen.

Freiräume statt Büffeln

Nur durch ein Sonderprogramm, das bis zum Sommersemester 2010 umzusetzen ist, kann Abhilfe geschaffen werden. Durch weniger Prüfungen sollten anstelle des bisherigen Büffelns Freiräume und Selbstgestaltungsmöglichkeiten im Studium treten. Nach Fach- und Qualitätsgesichtspunkten muss ein Bachelorstudium auch das sechssemestrige Zwangskorsett sprengen dürfen. Um die studentischen Wünsche nach einer hochwertigen und wettbewerbsfähigen (Aus-)Bildung durch Wissenschaft Wirklichkeit werden zu lassen, muss der Master statt des Bachelors Regelabschluss werden. Dazu müssen Bund und Länder die notwendige Finanz- und Personalausstattung für die "Bildungsrepublik" endlich bereitstellen.

Der "Diplom-Ingenieur" soll bleiben

Wirkungsvoll und kostenlos für den Gesetzgeber ist es, die weltweit anerkannte Marke "Dipl-Ing." zu erhalten. Ebenso sollten Medizin und Jura weiterhin von der Studienumstellung verschont bleiben. Zur Hochschulautonomie gehört, dass die Hochschulen die Studieninhalte selbst festlegen können. Wer halbstaatlich lizensierten Akkreditierungsagenturen die Studierbarkeit anvertraut, verschwendet Ressourcen und macht den Bock zum Gärtner!

Professor Dr. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV)

Weiterführende Links:

Siehe auch EURACTIV-LinkDossier "Bologna-Prozess"

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