Trotz Brexit: Britischer EU-Satellit im All

Der Satellit Aeolus ist gestern in Französisch-Guayana gestartet. [EPA-EFE/MANUEL PEDOUSSAUT]

Ein in Großbritannien hergestellter Satellit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) ist am Mittwochabend ins All geschossen worden. Der Satellit Aeolus gilt als wichtiger Schritt in der zukünftigen Zusammenarbeit des Vereinigten Königreichs mit der EU in Weltraumprojekten.

Das Satellitensystem Aeolus soll die Genauigkeit der Wettervorhersage verbessern und dadurch dazu beitragen, Menschen vor kommenden Katastrophen wie Hurrikans und Überschwemmungen zu warnen.

Der Start erfolgte nach einem kürzlichen Streit um das Navigationssystem Galileo, in dem die britische Regierung die Europäische Union beschuldigte, britische Unternehmen vor dem Austritt Großbritanniens aus dem Block zu verprellen.

Der ehemalige Brexit-Minister David Davis warnte damals, der Ausschluss Großbritanniens von künftigen Weltrauminitiativen werde die laufenden Kosten für das EU-Weltraumprogramm um eine Milliarde Euro erhöhen.

Deutschland – die Luft- und Raumfahrtrepublik

Emissionsfreie Flugzeuge, Lufttaxis, Marsmissionen: die Luft- und Raumfahrt erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel, meint Volker Thum.

Das Vereinigte Königreich investiert jährlich rund 350 Millionen Euro in die ESA und ist auch der führende europäische Geldgeber für die Telekommunikationsforschung in diesem Bereich. 25 Prozent der kommerziellen Telekommunikationssatelliten werden in Großbritannien gebaut.

Eine enge Bindung zur ESA ist für das Vereinigte Königreichs für den Marktzugang und mit Blick auf die technische Expertise im Bereich der Erdbeobachtungsforschung von entscheidender Bedeutung.

„Die Raumfahrt ist ein essenzieller Bestandteil unserer modernen Industrie- und Wirtschaftsstrategie. Projekte wie dieses [Aeolus] zeigen, wie wichtig unsere Rolle innerhalb der Europäischen Weltraumorganisation ist, um britischen Unternehmen echten Nutzen und Gewinne zu bringen,“ betonte der britische Wissenschaftsminister Sam Gyimah.

Die Technologie

Ähnlich wie bei der Geschwindigkeitskontrolle der Polizei soll der in Großbritannien hergestellte Satellit Veränderungen der Windgeschwindigkeiten erkennen, indem er Moleküle in die Atmosphäre schießt und die reflektierten Photonen auswertet.

Da der Satellit die Erde in einer Höhe von rund 320 Kilometern umkreist, ist ein extrem leistungsfähiges Messsystem erforderlich: Aeolus ist mit einem 3,4-Kilowatt-Laser ausgestattet, der so leistungsstark ist wie 840 Glühbirnen.

Das ehrgeizige Projekt ist schon lange in Arbeit: Bereits im Jahr 2002 begann die ESA mit der Planung des Satelliten.

Das 480 Millionen Euro teure System sollte eigentlich bereits am Dienstag gestartet werden, doch „ungünstige Wetterbedingungen“ (ironischerweise: zu starker Wind) verzögerten den Start.

Eine Weltraumarmee für Europa?

Die USA planen, Streitkräfte für den Weltraum auszubilden, um zum Beispiel ihre Satelliten zu schützen. Auch China und Russland schreiten voran – währen die EU Lichtjahre hinterherhängt.

James Cotton, Wissenschaftler für Windsatellitensysteme beim britischen Wetterdienst, zeigte sich optimistisch über das Potenzial von Aeolus. Das System könne zum Schließen einer Wissenslücke in der geowissenschaftlichen Forschung beitragen.

„Die Aeolus-Mission zielt darauf ab, die globale Abdeckung von Windprofilbeobachtungen zu verbessern – einschließlich der Gebiete, in denen es derzeit keine Vor-Ort-Windmessungen gibt, wie etwa über den Ozeanen, in den Tropen und in Teilen der südlichen Hemisphäre,“ erläuterte er.

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