Studie zu potenziellem Coronavirus-Impfstoff aus Oxford: sicher und effektiv

Um die Wirksamkeit des potenziellen Impfstoffs richtig einschätzen zu können, sollen nun mehr als 10.000 Menschen an der nächsten Phase der Versuche teilnehmen. [SHUTTERSTOCK]

Eine vorläufige Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen COVID-19 hat ergeben, dass dieser Stoff „sicher“ sei und bei Testpersonen eine „signifikante“ Immunreaktion auslöse.

Die Studie war am Montag im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht worden. Sie könnte den Weg für die Entwicklung eines wirkungsvollen Impfstoffs gegen COVID-19 ebnen.

Der Stoff mit dem wenig griffigen Namen ChAdOx1 nCoV-19 wurde von der Universität Oxford in Zusammenarbeitet mit dem britischen Pharmariesen AstraZeneca entwickelt. Grundlage dafür war die Verwendung eines genetisch manipulierten Virus, das bei Schimpansen Erkältungserkrankungen verursacht.

Führende Institutionen auf der ganzen Welt, darunter auch die Vereinten Nationen, haben wiederholt betont, dass die Entwicklung eines Impfstoffs wohl die einzige Möglichkeit für eine Rückkehr zum „normalen Leben“ sein wird.

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Die nun vorliegende Untersuchung ist die erste randomisierte kontrollierte Studie am Menschen zur Evaluierung dieser Art von COVID-19-Impfstoff.

„Die Ergebnisse dieser Phase-2-Studie weisen darauf hin, dass der COVID-19-Impfstoffkandidat als Ad5-Vektor ein gutes Sicherheitsprofil aufweist, mit nur leichten, vorübergehenden unerwünschten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfung, sowie ohne schwerwiegende unerwünschte Ereignisse,“ heißt es im Bericht.

Entscheidend sei, dass der Impfstoff innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung eine T-Zellen-Reaktion und innerhalb von 28 Tagen eine Antikörperreaktion auslöste. Diese vorläufigen Ergebnisse bilden nach Ansicht der Forscherinnen und Forscher eine solide Grundlage für den Beginn von weiteren Tests, in denen der Impfstoff an deutlich größeren Probandengruppen getestet werden soll, um seine Wirksamkeit und Sicherheit besser beurteilen zu können.

In einer Mitteilung bezeichnete Professor Andrew Pollard, der Leiter der Impfstoffstudie in Oxford, diese als „großen Durchbruch“. Er warnte allerdings auch, dass noch mehr getan werden müsse, um den Impfstoff korrekt bewerten zu können.

„Wir haben die stärkste Immunreaktion bei den zehn Teilnehmenden beobachtet, die zwei Dosen des Impfstoffs erhielten, was darauf hindeutet, dass dies eine gute Strategie für die Impfung sein könnte,“ fügte er hinzu.

Der Neurowissenschaftler Mene Pangalos, Executive Vice President für Forschung und Entwicklung in der Abteilung BioPharmaceuticals bei AstraZeneca, gibt sich ebenfalls optimistisch: „Wir sind ermutigt durch die Zwischenergebnisse der Phase I und II.“ Diese hätten aufgezeigt, dass das Mittel in der Lage ist, „eine schnelle Antikörper- und T-Zellen-Reaktion gegen SARS-CoV-2 hervorzurufen“.

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Der britische Premierminister Boris Johnson begrüßte die Nachricht per Twitter und teilte dort mit: „Das sind sehr positive Nachrichten. Ein großes Lob für unsere brillanten, weltweit führenden Wissenschaftler und Forscher in Oxford.“

Auch Johnson fügte hinzu, es gebe jedoch „keine Garantien: Wir sind noch nicht so weit; und weitere Versuche werden notwendig sein – aber dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Die BBC berichtet derweil, die britische Regierung habe bereits 100 Millionen Dosen des (potenziellen) Impfstoffs bestellt, obwohl dieser sich noch in einem frühen Teststadium befindet.

Um die Wirksamkeit des Mittels richtig einschätzen zu können, sollen nun mehr als 10.000 Menschen an der nächsten Phase der Versuche teilnehmen, die auch auf andere Länder, darunter die USA, Südafrika und Brasilien, ausgeweitet werden.

Angesichts der Tatsache, dass die ersten Freiwilligen nach der Immunisierung bisher nur acht Wochen lang nachbeobachtet wurden, stellt sich unter anderem die Frage, wie lange die Immunitätsreaktion anhält.

Des Weiteren muss der Stoff auch verstärkt an älteren Menschen getestet werden – zumal schon die herkömmlichen Grippeimpfungen bei älteren Menschen, deren Immunsystem weniger gut funktioniert, oftmals nicht so wirksam sind wie bei jüngeren.

[Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins]

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