Stipendien für Forscher auf Reise

Mit dem Marie-Curie-Stipendium wil die Kommission die Spitzenforschung unterstützen und so das Leben von Millionen Menschen verändern. Foto: Wikimedia

Die EU-Kommission vergibt Fördergelder an Forscher in und außerhalb der EU. Ein bis zwei Jahre Forschungsaufenthalt können damit recht problemlos finanziert werden. Wer die begehrten Fördergelder einstreichen möchte, sollte sich und sein Projekt aber auch gut verkaufen können. Die Konkurrenz ist groß, und nur jeder fünfte Antrag ist erfolgreich.

Die Kommission ruft dazu auf, Bewerbungen für die letzte Tranche der Marie-Curie-Einzelstipendien zu versenden. Die Frist endet am 14. August 2013. Durch die Marie-Curie-Einzelstipendien sollen Fortbildungsprogramme für junge, aber erfahrene Forscher im EU-Ausland und in Drittstaaten finanziert werden. Außerdem werden Anreize für Spitzenwissenschaftler aus aller Welt geschaffen, zu einem Forschungsaufenthalt nach Europa zu kommen. 

Jedes Einzelstipendium ist, Angaben der Kommission zufolge, im Durchschnitt mit etwa 195.000 Euro dotiert. Rund 1.000 Forscher sollen 2013 für ein Marie-Curie- Einzelstipendium ausgewählt werden.

Androulla Vassiliou, die für die Marie-Curie-Maßnahmen zuständige EU-Kommissarin, dazu: "In Zeiten knapper Haushaltsmittel müssen wir die öffentlichen Gelder auf Maßnahmen konzentrieren, die von möglichst großem Nutzen für die Bürger und die europäische Wirtschaft sind. Mit unseren Marie-Curie-Stipendien unterstützen wir Spitzenforschung – etwa im Gesundheitswesen –, die bahnbrechende Leistungen hervorbringen und das Leben von Millionen Menschen verändern kann. So haben jüngst Marie-Curie-Stipendiaten wegweisende Forschungsarbeiten zur Bekämpfung von Hepatitis C und Malaria durchgeführt."

Durch die Stipendien werden im Regelfall ein Gehalt für zwei Jahre abgedeckt, eine Mobilitätszulage, Forschungskosten und die Betreibungskosten der Gasteinrichtung.

Bisher höchste Förderungstranche

Die Marie-Curie Stipendien sind Teil des Siebten Rahmenprogramms für Forschung (FP7). Insgesamt 227 Millionen Euro sind 2013 als Mittel für die Finanzierung von Einzelstipendien vorgesehen. Von 2007 bis 2012 wurden bereits insgesamt 780 Millionen Euro an mehr als 4.000 Forscher aus über 90 Nationen ausbezahlt.

Die Gesamtausstattung  des Marie-Curie Programms beträgt 4,7 Milliarden Euro, die von der Exekutivagentur für die Forschung verwaltet werden. Die Agentur ist der Europäischen Kommission unterstellt. Neben den Einzelstipendien (24 Prozent) werden auch Mittel für die Doktorandenausildung von Forschern zur Verfügung gestellt (48 Prozent) sowie Partnerschaften und Austauschprogramme finanziert.

Die Einzelstipendien sollen ab 2014 unter dem Namen Marie-Sklodowska-Curie-Actions im neuen Rahmenprogramm Horizon 2020 beibehalten werden. Über die Höhe der zu vergebenden Mittel wird noch verhandelt. 

Drei Arten von Einzelstipendien

Mit den ausgeschriebenen Mitteln werden drei Arten von Einzelstipendien unterstützt. Sie werden unabhängig vom Alter der Bewerber und der Forschungsdisziplin vergeben. Nicht unterstützt werden Forschungsprojekte, die unter den Rahmen von EURATOM fallen. Voraussetzung für eine Bewerbung ist allerdings ein Doktortitel oder ein Abschluss, der das Erlangen eines Doktortitels ermöglicht (z.B. Master), wenn mindestens eine vierjährige Forschungstätigkeit nachgewiesen werden kann.
 
• Intra-European-Fellowships (IEF)

Forscher aus einem EU-Mitgliedsstaat oder einem  assoziierten Staat (z.B. Schweiz, Israel, Norwegen, Türkei) können für ein oder zwei Jahre ein Trainingsprogramm an einer anderen Forschungseinrichtung in der EU (oder einem assoziierten Staat) absolvieren. Dies soll Forschern die Möglichkeit geben, etwas Neues auszuprobieren und internationale Erfahrung zu sammeln.

• International Outgoing Fellowships (IOF)

Dieses Programm erlaubt die Finanzierung einen Forschungsaufenthalts in einem Drittstaat (weder EU noch assoziiert). Zusätzlich ist vorgesehen, dass die Forscher nach Europa zurückkehren und ihr neu erworbenes Wissen weitergeben sollen.

• International Incoming Fellowships (IIF)

Forscher aus Drittländern können sich für eine Forschungsweiterbildung in einem EU-Land (oder assoziierten Staat) bewerben. Die Erfolgsaussicht einer Bewerbung erhöht sich hier, je mehr Forschungserfahrung der Antragsteller vorzuweisen hat.

Marie-Curie-Stipendien: Schub für die Karriere

Mit dem Geld aus dem Förderprogramm wird der Stipendiat an der Gastinstitution angestellt. So ist man als Europäer dann zum Beispiel weiter rentenversichert.

Die Einreichung der Bewerbungsunterlagen muss zusammen mit der Gastinstitution und einem wissenschaftlichen Betreuer erfolgen. Das Forschungsthema kann selbst gewählt werden. Bei der Gastinstitution kann es sich um eine Universität, aber auch um Unternehmen oder internationale Organisationen handeln.

Marie-Curie-Stipendien genießen ein hohes Renommee. Unter Nachwuchsforschern gelten sie durchaus als karrierefördernd. Die Stipendien sind zudem gut dotiert. Doktoranden könnten laut Berechnungen der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (Kowi) mit einem Bruttogehalt von knapp 35.000 Euro rechnen, Postdocs sogar mit deutlich mehr.

Bewerbung: Auch auf die Verpackung kommt es an

Das Prozedere der Bewerbung sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Ohne Hilfe sei der Antrag, laut Hans-Dieter Arndt, Chemieprofessor an der Universität Jena, für einen Postdoc kaum zu schaffen. "Es geht nicht nur um das Wissenschaftliche, sondern auch darum, wie das Projekt und die Person in den EU-Rahmen passen", so Arndt in der Unabhängigen Deutschen Universitätszeitung (duz).  

So komme es vor, dass ein wissenschaftlich guter Kandidat durchfällt, weil er nicht genug über seine Karriereplanung, das Gastinstitut oder den EU-Kontext geschrieben habe. Nicht immer seien die Entscheidungen nachvollziehbar, und die Konkurrenz sei groß. 

Die Marie-Curie-Stipendiatin Mierk Schwabe schrieb im Blog der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft (SciLogs): "Weniger als 20 Prozent aller Marie-Curie-Anträge werden genehmigt." Und: "Es geht bei dem Marie-Curie-Programm darum, etwas im Ausland zu lernen, was die EU nicht bieten kann, und dieses Wissen dann wieder zurückzubringen und hier weiterzugeben. Man sollte daher möglichst präzise und glaubwürdig darstellen, dass dies funktionieren kann."  Bescheidenheit bezüglich der eigenen Person und der beteiligten Institute sei also fehl am Platze.

Pol Besentius vom Zentrum für Nanotechnologie an der Uni Münster glaubt ebenfalls, dass auf dem nichtwissenschaftlichen Teil des Antrags viel Gewicht liegt. "Das bereitet einen aber auf die Zukunft vor. Auch wenn man später Forschungsgelder beantragt, gibt es diesen Teil. Man muss der Gesellschaft erklären, warum man das Geld braucht", verriet der ehemalige Marie-Curie-Fellow der Unabhängigen Deutschen Universitätszeitung.  

Frühzeitige Organisation empfohlen

"Man sollte sich zudem schon lange im Voraus der organisieren", so Besentius weiter, da Anträge erst frühestens Anfang des Folgejahres bewilligt würden. Geld fließe dann frühestens im März. Eine Zwischenfinanzierung sei daher notwendig.

ak

Links

Europäische Kommission: Homepage für Bewerbung

Europäische Kommission: Pressemitteilung (15. März 2013)

Europäische Kommission: Liste von assozierten und Drittstaaten (Oktober 2011)

Unabhängige Deutsche Universitätszeitung: Wie lange sind Europas Marie-Curie-Stipendien noc ein Aushängeschild? (6. Juli 2012)

Spektrum der Wissenschaft-Sci-Logs.de: Marie-Curie-Proposal (27. Juli 2011)

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