Pandemien: Europa ist gut vorbereitet, aber die Koordinierung hakt

Europa ist auf Pandemien besser vorbereitet als je zuvor. Doch es gibt weiterhin Raum für Verbesserungen. [Shutterstock]

Die EU ist inzwischen besser auf den möglichen Ausbruch von Infektionskrankheiten und Epidemien vorbereitet. Dennoch müssen weitere ethische, behördliche, rechtliche und logistische Engpässe abgebaut werden, erklärten Experten während eines Treffens in Brüssel vergangene Woche.

Das Treffen war von der Plattform für vorbereitete Gegenmaßnahmen bei auftretenden Epidemien (PREPARE) und der Global Research Collaboration for Infectious Disease Preparedness (GloPID-R) ausgerichtet worden. Beide Organisationen werden durch EU-Wissenschaftsprogramme finanziert.

Die Schlussfolgerungen des Treffens lassen sich so zusammenfassen: Eine weitere europaweite Integration von wissenschaftlichen Erkenntnissen und gute Praktiken beim Teilen von Daten würden zu einer verbesserten, effizienteren und effektiveren Reaktion auf gesundheitliche Notfälle beitragen.

„Im Falle einer denkbaren Pandemie, die ernsthafte Auswirkungen auf die Bevölkerung Europas hätte, wären wir inzwischen besser vorbereitet. Aber es gibt natürlich immer mehr zu tun,” erklärte Yazdan Yazdanpanah, Professor an der Pariser Diderot Universität und Vorsitzender von GloPID-R, gegenüber EURACTIV.

Masernausbruch in Europa

Im ersten Halbjahr 2018 sind in Europa deutlich mehr Fälle von Masern gemeldet worden. Es habe mindestens 37 Todesfälle gegeben.

Professor Herman Goossens von der Universität Antwerpen stimmte dem Kollegen zu und schränkte ein, Europa sei vorbereitet, „aber es würde auch von der Art der Pandemie und der Krankheit abhängen.”

Goossens ist gemeinsam mit dem Epidemiologen Marc Bonten Projektkoordinator von ECRAID, einem Maßnahmeplan, der von der EU-Kommission finanziert wird und ein europaweites Wissenschaftsnetzwerk mit Blick auf übertragbare Krankheiten aufbauen soll. Das Projekt soll 2019 starten und zwei Jahre lang laufen.

Engpässe und Hindernisse

„Mit Blick auf die klinischen Wissenschaftserkenntnisse und unser Vorbereitetsein gibt es viele Hindernisse: Geld, behördliche Anordnungen, Ethik, Infrastruktur…”, warnte Yazdanpanah. Mit den neuen Ansätzen gebe es aber “die Idee, alle diese Probleme zeitgleich anzugehen.“

Auch Goossens kritisierte, das Durchführen von klinischen Studien sei in Europa „ein Albtraum für die Industrie und für Wissenschaftler“. So gebe es unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen auf klinische Wissenschaftsprotokolle unter den einzelnen nationalen Behörden und den wissenschaftlichen Ethikkommissionen (RECs).

Zwar befürworten alle diese Behörden weitere klinische Forschung mit Blick auf Infektionskrankheiten und Pandemien sowie verbesserten Datenaustausch. Allerdings variieren Menge und Qualität der Forschungsergebnisse in den einzelnen EU-Staaten und es herrscht weiterhin Unklarheit darüber, wie ein Standardprozess für die weitere Einschätzung von gesammelten Daten auf EU-Ebene aussehen könnte. Dies geht aus einer Studie der PREPARE-Plattform hervor.

„Es ist leicht, der EU die Schuld zu geben, und es ist wahr, dass sie in einigen Fällen die Sache komplizierter macht. Andererseits gehen Initiativen, die Menschen zusammenbringen, grundsätzlich in die richtige Richtung. Unser Ziel ist es also, das Bürokratie-Niveau zu senken,“ sagte Goossens.

Forschung und Bildung: „Verlorenes Jahrzehnt” vermeiden

Kluge Ausgaben und ein Fokus auf zukunftsorientierte Prioritäten wie Entwicklung und Bildung werden ein Schlüssel zu mehr Arbeitsplätzen sein.

Koordinierung

Betrachtet man jedoch das Gesamtbild der klinischen Forschung bei Ausbrüchen von Infektionskrankheiten, so erscheint die Situation in Europa fragmentiert: „Einige Mitgliedstaaten sind ziemlich gut in der klinischen Forschung, andere weniger. Aber ich denke, die Länder können von den Erfahrungen der anderen lernen, wenn wir sie zusammenbringen,“ hofft Goossens.

„Zusammenarbeit und Koordinierung ist schließlich das Schöne an Europa,“ schloss er. „Und es ist auch eine Botschaft, mit der man populistischen Politikern entgegentritt, die Europa für eine Katastrophe halten.“

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