Naturwissenschaftlich-technische Berufe gelten als einseitig, langweilig und unsexy. Das Resultat: Ein eklatanter Fachkräftemangel drückt auf das Wirtschaftswachstum in Europa. Doch MINT-Disziplinen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) bieten jungen Menschen attraktive Berufsaussichten. Um die Lücke zu schließen, setzen sich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für MINT ein. Das LinkDossier von EURACTIV.de gibt einen europäischen Überblick und zeigt, was einzelne Länder unternehmen.
Die chinesische Wirtschaft boomt, die USA schwimmen in Gas und Öl – und Europa steckt immer noch in der Krise. Europa drohe den Anschluss an den Rest der Welt zu verlieren, warnen Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft einhellig. Der "Alte Kontinent" sei nicht innovativ genug, die Wirtschaft müsse "re-industrialisiert" werden, fordert der europäische Arbeitgeberverband BusinessEurope.
Doch um innovativ zu sein, brauchen die Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte. Fachkräfte, die gerade in den strukturstarken Ländern Mittel- und Nordeuropas fehlen. Damit der Mangel die zaghafte wirtschaftliche Erholung nicht im Keim erstickt, investieren Staaten und Unternehmen große Summen in die Nachwuchsförderung. Das Zauberwort dabei heißt "MINT": Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
"MINT ist das wichtigste Thema der Zukunft", ist Reinhard Clemens, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG, überzeugt. Das persönliche Engagement vieler Spitzenpolitker bestätigt seine Einschätzung: Bundeskanzlerin Angela Merkel fungiert als Schirmherrin der Initiative "MINT Zukunft schaffen", die die MINT-Ausbildung an deutschen Schulen verbessern will. Bundespräsident Joachim Gauck und sein polnischer Amtskollege Bronis?aw Komorowski standen Pate am diesjährigen "Science on Stage"-Festival in S?ubice/Frankfurt an der Oder.
Nicht nur in der Bundesrepublik hat man das Gebot der Stunde erkannt: Ab 2014 will die EU mit dem weltweit größten Forschungsförderprogramm "Horizon 2020" mit bis zu 80 Milliarden Euro die Innovation in Europa ankurbeln. Zahlreiche Strategien und Initiativen setzen sich für einen paneuropäischen Personen- und Ideenaustausch ein, damit die internationale Zusammenarbeit verbessert und der Wissens- und Wirtschaftsstandort Europa gestärkt wird.
Mit gezielten Initiativen sollen außerdem mehr Frauen für MINT-Fächer begeistert werden. Frauen sind in naturwissenschaftlich-technischen Berufen überall in Europa stark unterrepräsentiert – ihr Potenzial für die Wirtschaft liegt brach. Technische Berufe gelten als dreckig, laut und unweiblich, bedauert Rosi Stolz vom Mädchennetzwerk Lizzynet. Das gesellschaftliche Image von MINT-Berufen müsse darum aufpoliert werden, erklärt Ernst Burgbacher, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.
MINT – Schicksalsfrage für Europa: EURACTIV.de bietet einen umfassenden Überblick über die Situation in der EU und geht vertieft auf Deutschland, Österreich, die Schweiz, Großbritannien und Finnland ein. Das LinkDossier bringt Stimmen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und erklärt die wichtigsten nationalen und intereuropäischen MINT-Initiativen.
Patrick Timmann
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LinkDossier von EURACTIV.de: MINT – Schicksalsfrage für Europa

