„Innovationsprojekte müssen näher am Markt sein“

Die praktische Anwendung und die europaweite Vernetzung soll mehr in den Mittelpunkt des 7. Forschungsrahmenprogramms gerückt werden. Sonst hätten "Unternehmen es schwer zu überleben", wie Rudolf Strohmeier, stellvertretender Generaldirektor der EU-Kommis

Insgesamt 8,1 Milliarden Euro Fördergelder stehen seit Anfang dieser Woche für Forschungsprojekte in der EU zur Verfügung. Die EU-Kommission misst insbesondere der europa- und weltweiten Vernetzung von Forschungsvorhaben einen hohen Stellenwert bei.

Die EU-Kommission möchte Forschungsvorhaben auf Europäischer Ebene finanziell stärker unterstützen. Sie kündigte am Montag (9.Juli) die letzte und umfangreichste Ausschreibung zur Teilnahme am Wettbewerb des Siebten Forschungsrahmenprogramms an.

Insgesamt werden weitere  8,1 Milliarden Euro bereitgestellt, für die sich Universitäten, Forschungsinstitute oder auch Industrieunternehmen ab September 2012 bewerben können. Das Siebte Forschungsprogramm läuft von 2007 bis 2013 und ist mit insgesamt 55 Milliarden Euro ausgestattet. Angaben der Kommission zufolge wurden bereits 19.000 Projekte und 79.000 Beteiligte gefördert.

Besonderes Gewicht soll nun auf der Förderung marktnaher Projekte und der Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) liegen. Die Fördergelder werden einzig nach dem Kriterium der wissenschaftlichen Exzellenz vergeben. Eine Quote zur gleichmäßigen Abdeckung der Mitgliedsstaaten gibt es nicht.

Deutschland sackt die meisten Fördergelder ein

Die Erfolgsquote deutscher Bewerbungen war bislang hoch. So wurden bis Juni 2012 18 Prozent aller ausgeschriebenen Fördermittel an deutsche Bewerber vergeben. Im Bereich der industrienahen Technologien (IKT, Nanotechnologie, Materialforschung und Produktion) waren es sogar 23 Prozent.

Ein Viertel aller deutschen Anträge auf  Mittel des Rahmenforschungsprogramms sind erfolgreich. Jeweils ein Drittel der Förderung floss bisher jeweils an Universitäten, Institute und private Unternehmen. Deutschland liegt damit vor Großbritannien und Frankreich auf Platz eins bei der Vergabe der Fördergelder.

Mehr Gelder für Industrieforschung

Obwohl Deutschland bisher sowohl international, als auch EU-weit in der Wissenschaft Spitzenplätze belegt, müsse mehr Wert auf Anwendungsforschung gelegt werden.  Der Anteil der Grundlagenforschung sei im Verhältnis noch zu hoch, wie Andre Schlochtenmeier, Leiter des EU-Büros im Bundesministerium für Bildung und Forschung am Montag in Berlin berichtete. Um mehr Industrieunternehmen dazu zu bewegen, am Forschungsrahmenprogramm teilzunehmen, sollte der Fokus mehr auf anwendungsorientierte Forschung gelegt werden.

"Innovationsprojekte müssten näher am Markt sein", forderte Rudolf Strohmeier, stellvertretender Generaldirektor der EU-Kommission für Forschung und Innovation in Berlin. Die Förderung soll deswegen auch, über die Forschungsphase hinausgehend, Pilot-und Demonstrationsprojekte sowie Technologietransfermaßnahmen umschließen. 

"Gesellschaftliche Herausforderungen"

Thematisch sollen neben der anwendungsorientierten Industrieforschung aber auch "gesellschaftliche Herausforderungen" angegangen werden. Bevorzugt könnten deswegen Forschungsvorhaben gefördert werden, die sich zum Beispiel mit nachhaltiger Meereswirtschaft, intelligenten Städten, Energieeffizienz oder der Suche nach neuen Wirkstoffen für Antibiotika beschäftigen. Auch eine engere Verflechtung zwischen technischer und geisteswissenschaftlicher Forschung wird angestrebt.

Vernetzung zum Überleben

Insbesondere der europa- und weltweiten Vernetzung von Forschungsprojekten wird ein hoher Stellenwert beigemessen. "Unternehmen, die sich nur auf ihre eigene Forschung konzentrieren, könnten nicht mehr überleben", so Strohmeier. Unternehmen würden auch auf die Teilnahme an Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP) im Forschungsbereich drängen. Strohmeier hält dies für ein zukunftsfähiges Modell, denn so könnten mehr Fachkräfte ausgebildet werden, die auf dem Markt benötigt werden. Universitäten und Institute könnten im Gegenzug mehr Mittel für die Forschung erhalten.

Die Kommission erwartet, dass die angekündigten 8,1 Milliarden Euro weitere sechs Milliarden Euro öffentlicher und privater Forschungsinvestitionen nach sich ziehen. Außerdem wird kurzfristig eine Beschäftigungszunahme von 210.000 Arbeitsplätzen angenommen und langfristig – über einen Zeitraum von 15 Jahren – eine Steigerung des Wachstums um 75 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung hat die Beratungsstelle "Nationale Kontaktstellen" eingerichtet, die Interessenten bei der Antragsstellung unterstützt. Detaillierte Informationen finden sich auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Andreas Klinger

Links

Europäische Kommission: Mitteilung zum Aufruf im Forschungsrahmenprogramm

Europäische Kommission: Fragen und Antworten zum Siebten Forschungsrahmenprogramm

BMBF: Nationale Kontaktstellen

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