Derzeit ist an jedem fünften EU-Forschungsprojekt mindestens ein Partner von außerhalb der EU beteiligt. Die EU-Kommission will die internationale Zusammenarbeit der europäischen Wissenschaftler und der innovativen Industrie verstärken.
Die Kommission hat am Montag (17. September) eine neue Strategie für die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Innovation vorgestellt. Darin schlägt sie vor, die strategischen Prioritäten der EU verstärkt in den Mittelpunkt der Zusammenarbeit zu stellen – unter Beibehaltung der "traditionellen Offenheit" für die Teilnahme von Drittländern an der EU-Forschung. Neben der Bewältigung globaler Herausforderungen gehe es darum, Europa zu einem attraktiven Standort für Forschung und Innovation zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu steigern.
Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, erklärte: "Forschung und Innovation lassen sich nicht im Alleingang erzwingen. Um neue Erkenntnisquellen zu erschließen und globale Herausforderungen zu meistern, muss Europa seinen internationalen Partnern die Hand reichen. Horizont 2020 wird wie seine Vorläuferprogramme für eine Beteiligung aus aller Welt offen stehen. Offenheit ermöglicht eine gegenseitig vorteilhafte Zusammenarbeit mit unseren wichtigsten internationalen Partnern, hilft Entwicklungsländern und erleichtert Europa den Zugang zu neuen und aufstrebenden Märkten."
Schon heute ist an jedem fünften EU-Forschungsprojekt mindestens ein Partner von außerhalb der EU beteiligt. Im Rahmen der Partnerschaft Europas und der Entwicklungsländer im Bereich klinischer Studien (EDCTP) beispielsweise arbeiten mittlerweile 14 EU-Mitgliedsstaaten, die Schweiz und Norwegen gemeinsam mit 47 schwarzafrikanischen Ländern an der Entwicklung neuer Arzneimittel und Impfstoffe gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose.
Die Umsetzung der neuen Strategie wird hauptsächlich im Zuge des ab 2014 geltenden EU-Finanzierungsprogramms für Forschung und Innovation "Horizont 2020" erfolgen. Es wird aber auch gemeinsame Initiativen mit den EU-Mitgliedsstaaten geben. Zusätzlich zur völligen Öffnung von Horizont 2020 für die internationale Beteiligung werden mit wichtigen Partnern und Regionen gezielte Maßnahmen in Angriff genommen, die sich auf gesellschaftliche Herausforderungen sowie auf grundlegende und industrielle Technologien konzentrieren werden.
Um die internationale Zusammenarbeit auszubauen und besser auszurichten, sollen mehrjährige Programme für die Zusammenarbeit mit wichtigen Partnerländern und ?regionen aufgestellt werden. Zudem sieht die Strategie einen verstärkten politischen Dialog mit Partnern und eine bessere Informationserfassung im Rahmen einer Beobachtungsstelle für Forschungs- und Innovationspolitik vor. Außerdem werde sich die EU darum bemühen, ihre Hebelwirkung in wichtigen internationalen Organisationen zu steigern.
Die EU ist in Forschung und Innovation weltweit führend: auf sie entfallen 24 Prozent der weltweiten Ausgaben im Bereich der Forschung, 32 Prozent der einflussreichen Veröffentlichungen und 32 Prozent der Patentanmeldungen, obwohl sie lediglich 7 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht.
Red.
Links
EU-Kommission: EU International Strategy for Research and Innovation
EU-Kommission: Verbesserung und Fokussierung der internationalen Zusammenarbeit der EU in Forschung und Innovation: ein strategischer Ansatz (14. September 2012)
EU-Kommission: Kommission setzt zur Bewältigung globaler Herausforderungen auf internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit (17. September 2012)
EU-Kommission: Q&A: International Cooperation in Research and Innovation (17. September 2012)
Zum Thema auf EURACTIV.de
Europas Unternehmen wollen in Forschung und Entwicklung investieren (20. August 2012)

