Europaweit erster Quantencomputer nimmt in Deutschland Betrieb auf

Dennoch müssten die EU und Deutschland die Quantentechnologie weiterhin verstärkt in den Fokus setzen, betonte Bundeskanzlerin Merkel: „Wir müssen hart an der Arbeit bleiben - denn der Rest der Welt schläft grade in diesem Bereich nicht.“ [EPA-EFE/FILIP SINGER]

Am Dienstag (15. Juni) wurde der europaweit erste Quantencomputer im baden-württembergischen Ehningen eingeweiht. Die Erwartungen sind hoch; die Technologie soll die Grundlage für die nächste industrielle Revolution liefern.

Das „revolutionäre“ Potential geht hierbei von der exorbitant höheren Rechenleistung aus. Wie aus einem Artikel des Science Magazine hervorgeht, kann ein Quantencomputer in nur 200 Sekunden dieselbe Rechenleistung erbringen, für die ein konventioneller Supercomputer 10,000 Jahre benötigen würde. Der Vorsitzende von IBM Europe, Martin Jettner betonte in diesem Zusammenhang, dass „das traditionelle Computing zu einem Ende“ kommt.

Die Technologie sei vielfältig und lasse sich in einer Vielzahl an Wirtschaftsbereichen und Innovationsfeldern anwenden „die weit über das Quantencomputing hinausgehen, aber durch dieses ermöglicht werden,“ betonte der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer. Er nannte den gestrigen Start einen „wichtigen Meilenstein auf dem Weg der technologischen Souveränität Deutschlands“.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, das Quantencomputing lasse eine „gewaltige Innovationsleistungen erwarten“. Sie verwies auf dessen „Schlüsselrolle für digitale und technologische Souveränität“.

Allerdings steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen. Deshalb richtet sich die von IBM und der Fraunhofer-Gesellschaft gemeinsam betriebene Forschungsplattform für Quantencomputing auch primär an Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Diese sollen somit ihre neuen Rechenstrategien ausprobieren und ihre Kompetenzen im Bereich Quantencomputing ausbauen können.

Internationale Konkurrenz

Quantumcomputing ist ein international umkämpftes Technologiefeld. So befindet sich Europa derzeit in einem intensiven Wettbewerb mit den USA und China: Die chinesische Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Quanten-Supermacht zu werden und den Ausbau von Quantencomputing-Technologien zu einer Priorität in ihrem derzeit laufenden Fünfjahresplan erklärt.

Mithilfe eines multimilliardenschweren Finanzierungspakets erhofft sich China bis 2030 wesentliche Durchbrüche in der Quantentechnologie. Zusätzlich hat die Volksrepublik zehn Milliarden Dollar in ein Quanten-Informationslaboratorium gesteckt, das eine globale Drehscheibe für internationale Quantenforschung werden soll.

Auch die USA, die aktuell zu den Marktführern auf dem Gebiet gehören, nehmen die Quantentechnologie verstärkt ins Visier. So verabschiedete der Senat jüngst (8. Juni) den U.S. Innovation and Competition Act, der die Finanzierung von Quanten-Informationstechnologien vorantreiben soll, um so den USA auch weiterhin eine Vorreiterrolle in der globalen Wirtschaft abzusichern.

Mit Blick darauf betonte Neugebauer von der Fraunhofer-Gesellschaft auch die Bedeutung der Eröffnung der Quantumcomputing-Forschungsplattform in Deutschland für die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Die Plattform sei ein „Modellprojekt zur Etablierung technologischer Souveränität in international umkämpften Innovationsfeldern.“

Deutschland sucht den Quantensprung

In Deutschland ist man nicht untätig und hat ein ambitioniertes Förderprogramm für Quantenforschung auf den Weg gebracht. Insgesamt zwei Milliarden Euro will die Bundesregierung bis 2025 in die Technologie investieren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat bereits mit der Umsetzung begonnen: So gab Forschungsministerin Anja Karliczek im Mai konkrete Fördermaßnahmen über 1,1 Milliarden Euro bekannt. Zusätzlich fördert das Wirtschaftsministerium die „praxisnahe Entwicklung und die Anwendung von Quantencomputing“ mit 878 Milliarden Euro.

Ziel der Investitionsoffensive sei der „Aufbau eines umfassenden Innovationsökosystems, dass sich gleichsam zu einer neuen industriellen Basis entwickelt,“ betonte Kanzlerin Merkel.

Auch die Europäische Union hat die Quantentechnologie in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus genommen. Bereits im Oktober 2018 hatte die Europäische Kommission die „Quantum Technologies Flagship“ Initiative gestartet. Über zehn Jahre hinweg sollen dabei über eine Milliarde Euro an Fördergeldern in die Technologie investiert werden, um deren Potential voll auszuschöpfen.

Rund 152 Millionen Euro sind zwischen 2018 und 2021 über die Initiative bereits in verschiedene europäische Projekte geflossen.

Dennoch müssten die EU und Deutschland die Quantentechnologie weiterhin verstärkt in den Fokus setzen, betonte Merkel: „Wir müssen hart an der Arbeit bleiben – denn der Rest der Welt schläft grade in diesem Bereich nicht.“

Subscribe to our newsletters

Subscribe