Die Bundesregierung will nicht länger zusehen, wie EADS-Chef Tom Enders wichtige Kern- und Führungsfunktionen im französischen Toulouse konzentriert. Bei den anstehenden Entwicklungsprogrammen im Kerngeschäftsbereich sollten deutsche Standorte den Zuschlag erhalten, fordert die Bundesregierung in ihrer neuen Luftfahrtstrategie.
Das Kabinett hat am Mittwoch (16. Januar) ihre neue Luftfahrtstrategie beschlossen. Das Programm könnte für neuen Konfliktstoff mit Tom Enders führen, Chef des Europäischen Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS (European Aeronautic Defence and Space Company). Auch die Airbus-Partnerländer, insbesondere Frankreich, dürften die Ankündigung Berlins genauer hinterfragen.
Die Bundesregierung bemängelt, dass es in der Verteilung wichtiger Aufgaben bei Airbus zuletzt eine stärkere Konzentration auf den französischen Standort Toulouse gegeben habe.
"Bei der Verteilung von wichtigen Kern- und Führungsfunktionen sollte allerdings darauf geachtet werden, dass das an allen Standorten in Europa vorhandene technologische und betriebswirtschaftliche Potenzial effizient ausgeschöpft wird. Künftig anstehende produkt- und unternehmenspolitische Entscheidungen sollten vor diesem Hintergrund im Sinne eines Gleichgewichts an Verantwortlichkeiten zwischen den europäischen Standorten genutzt werden", fordert die Bundesregierung.
Berlin hat dabei vor allem die anstehenden Entwicklungsprogramme im Kerngeschäftsbereich, z. B. beim zukünftigen Kurz- und Mittelstreckenprogramm (A320-Nachfolgeprogramm, "A30X"), im Blick. Bei diesen Programmen ergeben sich in den kommenden Jahren "hinreichende Gelegenheiten", um die deutschen Ansprüche durchzusetzen, heißt es in dem Strategiepapier.
Die Beziehungen zwischen der Bundesregierung und dem EADS-Chef Enders sind angespannt, seit dieser im vergangenen Jahr angekündigt hatte, die EADS-Firmenzentrale am Standort Toulouse aufzubauen – zulasten der bisherigen Standorte in Paris und München. Doch spätestens seit der von Enders vorangetriebenen und von der Bundesregierung nicht unterstützten Fusion zwischen EADS und dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems sind die Beziehungen zwischem dem EADS-Manager und der Bundesregierung auf einem Tiefpunkt angelangt.
EURACTIV/rtr/mka
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Dokumente
BMWi: Rösler: Deutschland braucht eine wettbewerbsfähige und leistungsstarke Luftfahrtindustrie (16. Januar 2013)
Zum Thema auf EURACTIV.de
EADS-BAE: Forderungen von Berlin an Paris (28. September 2012)

