Die EU braucht mehr Akademiker

Europa braucht mehr Studierende aus aller Welt. Damit diese die Reise antreten schlägt die Kommission bessere Bedingungen vor. Foto: EEAS

Zuviel Bürokratie bei der Einreise, Unsicherheit nach dem Studium, Mobilitätseinschränkungen innerhalb Europas. Diese Probleme kratzen am Ruf der EU als Exzellenzstandort für Studierende und Wissenschaftler aus aller Welt. Die Kommission hat nun einige Verbesserungen vorgeschlagen, denn Europa scheint auf die hochgebildeten Migranten mehr und mehr angewiesen zu sein.

Die EU benötigt dringend einen größeren Zulauf an hochqualifizierten Arbeitskräften. Trotz hoher Arbeitslosigkeit könnten der EU-Kommission zufolge viele freie Stellen nicht besetzt werden. Daran würde sich, infolge von Bevölkerungsrückgang und mangelndem Wirtschaftswachstum, auch in den nächsten zehn Jahren nicht viel ändern.

Hilfe erhofft sich die EU aus Drittländern. Obwohl bereits jedes Jahr circa 200.000 Studenten und Wissenschaftler aus aller Welt in die Europäische Union kommen, sei dies zu wenig. Unnötige administrative Hürden bei der Einreise, schlechte Abstimmung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten aber auch zu strenge Begrenzungen bei der Aufnahme von Nebenjobs schmälerten den Ruf der EU als Exzellenzstandort für Studium und Forschung. Dabei geht es nicht nur darum, mehr Studenten anzulocken, sondern diese auch zu motivieren, nach erfolgreichem Studium innerhalb der EU zu verbleiben. Tausende Spitzenforscher und Innovatoren wären laut Kommission in Länder wie die USA oder Japan gezogen, wo die Bedingungen besser wären als in der EU.

Studenten aus Drittstaaten kommen der Wirtschaft zugute

Die EU-Kommission schlägt nun einheitliche Regelungen vor, die diese Probleme beseitigen sollen.
 
"Die Einreise in die EU zu Forschungs- oder Studienzwecken ist viel zu kompliziert. Wir müssen die vorhandenen Schranken beseitigen, um die EU stärker für begabte Leute aus anderen Ländern zu öffnen. Eine solche Mobilität trägt zur Verbreitung von Wissen und neuen Ideen bei und kommt damit der EU und unserer Wirtschaft zugute", so die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Die Änderungsvorschläge betreffen sowohl die Studenten-, als auch die Forscherrichtlinie. Dänemark, das Vereinigte Königreich und im Falle der Studentenrichtlinie Irland sind von den darin vorgesehenen Bestimmungen ausgenommen. Vorgesehen sind Verbesserungen in den folgenden Bereichen:

–    Mitgliedsstaatliche Behörden sollen eine Maximalfrist von 60 Tagen erhalten, um über Visumsanträge und die Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen zu entscheiden.

–    Studenten, Wissenschaftler und bezahlten Praktikanten soll der Wechsel von einem EU-Mitgliedsstaat in einen anderen erleichtert werden. Diese Erleichterungen sollen zu einem gewissen Grad auch für Familienangehörige gelten.

–    20 Stunden pro Woche sollen Studenten während des Studiums arbeiten dürfen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nach Abschluss des Studiums oder der  Forschungsarbeit soll Studenten und Wissenschaftler eine Aufenthaltsfrist von mindestens zwölf Monaten gewährt werden, um eine Anstellung zu finden oder sich selbstständig zu machen.

–    Für Au-Pair Beschäftigte, bezahlte Praktikanten und  Schüler sollen die neuen Regeln ebenfalls gelten.

Deutschland: Zahl der Studierenden aus Drittstaaten steigt

Deutschland ist bereits aktuell recht großzügig mit der Aufenthaltsfrist nach dem Studium. 18 Monate beträgt die gesetzlich mögliche Höchstfrist für Akademiker, sich  hierzulande nach Beendigung des Studiums eine dem Abschluss angemessene Arbeit zu suchen. Während dieser Zeit darf auch uneingeschränkt gearbeitet werden. Während des Studiums darf jedoch nur 120 Tage gearbeitet werden. Damit liegt Deutschland unter dem von der EU vorgeschlagenen Höchstwert.

Insgesamt hat es aber in den letzten Jahren bereits viele zuwanderungsrechtliche Erleichterungen in der Bundesrepublik gegeben. So ist die Zahl der Studenten, die aus Drittstaaten kommen gestiegen, während die Anzahl von ausländischen Studenten aus EU-Staaten weitgehend stagniert. Unter den nichteuropäischen Studenten kommen mit Abstand die meisten aus China.
 
Einen Sonderfall stellen in Deutschland staatlich geregelte Studiengänge wie Medizin, Lehramt oder Jura dar. Der Zugang zu solcherart geregelten Berufen ist Bewerbern ohne deutsche Staatsangehörigkeit nicht möglich, selbst wenn ein deutscher Hochschulabschluss vorliegt. Über eine Öffnung dieser Berufsfelder für Nichtdeutsche soll nachgedacht werden.

ak

Links

EU-Kommission: EU soll für ausländische Studenten und Wissenschaftler attraktiver werden (25.03.2013)

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Zuwanderung von internationalen Studierenden aus Drittstaaten (November 2012)

EU-Kommission: Richtlinienvorschlag zu EInreise und Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen zu Forschungs- oder Studienzwecken (25.März 2013)

Zum Thema auf EURACTIV:

Stipendien für Forscher auf Reise (19.März 2013)

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