Ethik in der Wissenschaft: EU immer noch führend

Charles Laroche ist Ko-Vorsitzender der Europäischen Partnerschaft für alternative Ansätze zu Tierversuchen. [EPAA]

Die EU ist nach wie vor weltweit führend bei der Vereinbarkeit von Ethik und Wissenschaft. Die Distanz zu anderen Regionen verringert sich aber „erheblich“, so Charles Laroche.

Charles Laroche ist Ko-Vorsitzender der Europäischen Partnerschaft für alternative Ansätze zu Tierversuchen. Er sprach mit Benjamin Fox von EURACTIV.com.

Die EU hat sich immer als Vorreiter bei der Vereinbarkeit von Ethik und Wissenschaft verstanden. Ist Europa nach wie vor führend, wenn es um alternative Methoden zu Tierversuchen geht?

Auf jeden Fall. Seit mehr als 20 Jahren ist die EU ein Vorreiter bei der Abwägung von Ethik und Wissenschaft, insbesondere was das Ersetzen von Tierversuchen durch alternative Methoden betrifft. In den letzten Jahren haben wir jedoch festgestellt, dass sich die Kluft zu allen anderen Regionen, insbesondere zu Nordamerika, deutlich verringert hat.

Hat das EU-Verbot und die Arbeit von Organisationen wie der EPAA die Testmethoden in anderen Teilen der Welt geprägt?

Wir können sagen, dass die EPAA den Weg für eine stärkere und effektivere Zusammenarbeit zwischen den Sektoren geebnet hat. So wurde beispielsweise das EPAA-Partnerforum entwickelt, um Synergien zu fördern und die gegenseitige Bereicherung nicht nur zwischen Sektoren, sondern auch zwischen Regionen auf der ganzen Welt zu fördern.

Die EPAA hat auch in die Verbreitung bewährter Verfahren in anderen Regionen investiert – insbesondere in China und Brasilien, durch Bildungs- und Kommunikationsmittel.

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Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die Branche bei der Umsetzung alternativer Methoden?

Eine der größten Herausforderungen, vor denen wir bei der Umsetzung alternativer Methoden stehen, ist die Bereitschaft der zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten, diese Methoden auch zu akzeptieren. In diesem Zusammenhang ist es eine der Hauptprioritäten der EPAA, mit Unterstützung der ECHA [der Europäischen Chemieagentur] Schulungen und Wissensaustausch zu organisieren.

Es gibt aber immer noch viele Rechtsordnungen, in denen Tierversuche vorgeschrieben sind. Unternehmen sind in dort verpflichtet, Tier- und Nicht-Tierversuche durchzuführen, um Zugang zu den Märkten zu erhalten. Welche Fortschritte wurden in Bezug auf ein weltweites Verbot von Tests oder die Vermeidung dieser Unterschiede in der Regulierung erzielt?

Die EU-Institutionen haben sich immer bemüht, Drittländer davon zu überzeugen, die Alternativen zu Tierversuchen im Rahmen der gesetzlichen Anforderungen anzuerkennen. Kürzlich hat das Europäische Parlament eine Entschließung angenommen, in der es die Europäische Kommission und den Rat auffordert, dafür zu sorgen, dass das EU-Verbot für Tierversuche durch laufende Verhandlungen nicht geschwächt werden kann.

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Im März 2019 wird der Brexit Realität – ob mit oder ohne Austrittsabkommen. Wird der britische EU-Austritt Auswirkungen auf Tierversuche haben? Besteht die Gefahr, dass die Standards künftig voneinander abweichen?

In Bezug auf Brexit können wir sagen, dass das Vereinigte Königreich immer eine Vorreiterrolle beim Tierschutz gespielt hat. Und das wird sicherlich auch in Zukunft so bleiben.

Die EPAA besteht inzwischen seit 13 Jahren. Welche Prioritäten werden Sie für das nächste Jahrzehnt setzen?

Wir werden weiterhin gleichzeitig das Entwicklungstempo, die Akzeptanz neuer Methoden und die Verbreitung der erzielten Fortschritte unterstützen. Das Ziel der EPAA bleibt es, Informationen über alternative Ansätze auszutauschen, um die Validierung und Akzeptanz [solcher Ansätze] zu beschleunigen.

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