Draghis “Whatever it takes” im italienischen Duden: Drei Wörter, die den Euro retteten

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

Mario Draghis "Whatever it takes" war keine rein wirtschaftliche, sondern vor allem eine politische Botschaft: Der Euro bleibt. [Eigenblau / Shutterstock]

Mario Draghis „Whatever it takes“ ist eine der bekanntesten Phrasen aus der EU-Politik der vergangenen Jahre. Inzwischen findet sie sich sogar in einer italienischen Enzyklopädie. Drei einfache Worte schafften im Jahr 2012 eine klare Aussage, die in scheinbar endlosen Sitzungen von EZB, Kommission, EU-Parlament und Mitgliedstaaten zuvor nicht gemacht wurde, schreibt Federica Martiny.

Es war am 26. Juli 2012, als Mario Draghi, der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank, anlässlich einer Investitionskonferenz in London das berühmte “Whatever it takes“ aussprach.

Am Tag darauf waren diese drei Wörter, die wir im Deutschen mit „koste es, was es wolle“ übersetzen können, die Schlagzeilen aller Zeitungen der Welt. In den folgenden Monaten und Jahren hieß es, diese drei Wörter hätten den Euro und damit auch die EU besser gerettet, als jede Armee es hätte tun können. In Italien sah man sie auf den Wänden geschrieben („Du bist so schön wie Mario Draghis Koste es, was es wolle”).

Und jetzt sind sie auch in der Enciclopedia Treccani, der wichtigsten italienischen Enzyklopädie, unter der Rubrik “Neologismen“ zu finden. 

Am 24. Juli 2012 hatte der Rendite-Abstand italienischer und spanischer Staatsanleihen zu bundesdeutschen Anleihen Rekordniveaus erreicht: Ein Anstieg von rund 200 Basispunkten im Vergleich zu März 2012, nur wenige Monate zuvor. Zwei Tage später hielt Draghi seine entscheidende Rede.

“Wenn von der Zerbrechlichkeit des Euros und der zunehmenden Fragilität des Euros und vielleicht auch von einer Eurokrise die Rede ist, unterschätzen die nicht zum Euro-Währungsgebiet gehörenden Mitgliedstaaten oder führenden Politiker sehr oft die Höhe des politischen Kapitals, das in den Euro investiert wird.

Wir sehen es so, und ich glaube nicht, dass wir unvoreingenommene Beobachter sind… Wir glauben, dass der Euro irreversibel ist. Das sind keine leeren Worte, denn ich habe vorher genau erklärt, welche Maßnahmen ergriffen wurden und ergriffen werden, um ihn unumkehrbar zu machen.

Aber es gibt noch eine andere Botschaft, die ich Ihnen mitteilen möchte: Im Rahmen ihres Mandats wird die EZB den Euro bewahren, koste es, was es wolle. Und glauben Sie mir, es wird ausreichen.“

In der darauffolgenden Woche erklärte Draghi auf die Frage eines Journalisten am Ende einer Pressekonferenz: „Whatever it takes bedeutet zweierlei: Es bedeutet die Liste der Maßnahmen, alle Maßnahmen, die erforderlich sind, und es bedeutet, dass ihr Umfang angemessen sein sollte, um ihre Ziele zu erreichen.“ 

Es gibt viele Phrasen von Staatsmännern, die aus dem einen oder anderen Grund in die Geschichte eingegangen sind, aber keiner von ihnen wurde das Verdienst zugeschrieben, eine Wirtschaft vor dem Zusammenbruch zu retten. So wurde Mario Draghi am Ende seiner Amtszeit als EZB-Präsident sogar als „der wichtigste europäische Staatsmann des letzten Jahrzehnts“ bezeichnet.

In der italienischen Enzyklopädie Treccani heißt es nun: “Das Koste es, was es wolle erweitert den Horizont der europäischen Politik beispiellos“. Es sei ein Satz, „der die Geschichte der Krise verändert […] Von diesem Moment an kann man sagen, dass Europa das Europa von Mario Draghi wird. Im Rückblick erkennen dies sowohl Bewunderer als auch Kritiker an.“

Die Botschaft hinter diesen drei Wörtern war nicht nur eine wirtschaftlich-finanzielle (obwohl natürlich das Quantitative Easing derer unmittelbarer Ausdruck war), sie war vor allem eine politische Botschaft. Denn der zentrale Punkt der Rede war die Irreversibilität des Euros. Eine Aussage, die im Kontext, mitten in einer als beispiellos empfundenen, sehr starken Krise, absolut nicht selbstverständlich war: Gerüchte kursierten zum Teil über den Ausstieg Griechenlands, Italiens und anderer Länder aus dem Euro, und hitzige Debatten über die allgemeine Widerstandsfähigkeit der gemeinsamen Währung fanden überall statt. 

Auch deshalb waren Draghis Worte wohl so lapidar. Keiner der führenden Politiker Europas hatte den Mut, diese einfachen Worte auszusprechen.

In den Jahren der endlosen Sitzungen des Europäischen Rates und der Eurogruppe, in den Jahren der Troika, in den Jahren des Mangels an politischer Vision, gerade dann, wenn sie am meisten nötig war, in den Jahren, in denen das europäische Projekt am meisten gefährdet war, hätten wir eine politische Führung gebraucht. Und vielleicht war es genau das, was Draghis EZB-Führung ausmachte.

Deshalb ist er auch von manchen Parteien stark kritisiert worden: Seine aktive Stellungnahme in der Eurokrise wird oft einer politischen Entscheidung gleichgesetzt, und politische Entscheidungen sind wesentlich einer kritischen Auseinandersetzung wert.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN