Zeitarbeit – Häufigster Jobeinstieg für Flüchtlinge

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Eine gute Integration von Migranten hat positive Effekte für die Volkswirtschaft. [Foto: dpa]

Flüchtlinge kommen mehr und mehr im deutschen Arbeitsmarkt an. Jede vierte Zeitarbeitsfirma hat Ende 2016 schon Erfahrungen mit Geflüchteten gesammelt, zeigt eine Studie.

Menschen, deren Asylantrag aufgrund der Schutzbedürftigkeit angenommen wurden, werden zunehmend Teil des gesellschaftlichen Alltags in Deutschland. Allein im Jahr 2016 wurden laut Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 256.000 Schutzsuchende in der Bundesrepublik als Flüchtling anerkannt. Damit diese Neubürger, die aus Krisen- und Kriegsländern wie Syrien, Afghanistan, dem Irak oder Eritrea kommen, in ihrer neuen Heimat nicht nur unterkommen, sondern auch die Chance auf ein normales und autarkes Leben bekommen, ist ihre Integration in den Arbeitsmarkt unerlässlich. Und dabei spielen, das zeigt nun eine neue Studie, Zeitarbeitsfirmen zurzeit eine besonders große Rolle.

Dabei spielen Zeitarbeitsfirmen aktuell eine tragende Rolle, zeigt nun eine Untersuchung. Jede vierte Zeitarbeitsfirma hat laut der Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Ende 2016 schon Erfahrungen mit den Geflüchteten gesammelt, die seit 2014 nach Deutschland gekommen sind. Direkt hinter den Zeitarbeitsfirmen folgen die Bereiche „Gastgewerbe“ sowie „Erziehung und Unterricht“ mit jeweils knapp 16 Prozent und der Bereich „Metalle und Metallerzeugung“ mit gut dreizehn Prozent.

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Insgesamt hatten demnach im vierten Quartal 2016 bereits zehn Prozent der deutschen Betriebe – rund 211.000 – Erfahrungen mit den Geflüchteten gesammelt, die seit 2014 in Deutschland eingetroffen sind. Im zweiten Quartal 2016 lag der Anteil der Betriebe, die mit Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder Einstellungen von Geflüchteten Erfahrungen gesammelt hatten, noch bei sechs Prozent.

Flüchtling holen machen oft größere Fortschritte bei der Integration

Ist Zeitarbeit also der ideale Einstieg? Sicher ist, dass Flüchtlinge mit schlechteren Sprachkenntnissen und Qualifikationen als andere Einwanderer nach Deutschland kommen. Allerdings machen sie mit der Zeit zum Teil größere Fortschritte als andere Zuwanderergruppen wie zum Beispiel Arbeitsmigranten, zeigte eine im herbst 2016 erschienene Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Menschen, die aus der Not heraus fliehen, bereiten sich weniger auf ihr Zielland vor. Kinder und Jugendliche können in einer von Krieg geplagten Heimat nicht zur Schule gehen und einen Abschluss machen. „Eine qualitative Befragung zwischen Dezember 2015 und März 2016 ergab, dass insbesondere Flüchtlinge aus langjährigen Kriegs- und Krisenregionen wie Somalia, Pakistan oder Afghanistan kaum Zugang zu Bildung hatten, berichtete vergangenes Jahr der Thinktank Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Darum hätten viele Flüchtlingen aus diesen Herkunftsländern nur eine geringe Allgemeinbildung oder sind gar Analphabeten. Zudem kann nicht jeder bei der Flucht in ein anderes Land Zeugnisse und Arbeitsnachweise mit sich nehmen.

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Ein Einstieg bei Zeitarbeitsfirmen liegt darum offenbar oft am nächsten, legt die IAB-Studie nahe. Rund 13 Prozent der Betriebe aus der Zeitarbeitsbranche hatten im vierten Quartal 2016 schon einen der seit 2014 nach Deutschland gekommenen Geflüchteten eingestellt. Der Durchschnittswert für die Gesamtwirtschaft lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa 3,5 Prozent. 16 Prozent der Betriebe planten zum Befragungszeitpunkt im vierten Quartal 2016 die Einstellung von Geflüchteten, acht Prozent eine Ausbildung.

Bessere Chancen in Betrieben mit weiteren Mitarbeitern anderer Nationalität

„Die besten Chancen auf eine Ausbildung oder eine Beschäftigung haben Geflüchtete in Betrieben, in denen bereits ein hoher Anteil von Personen mit ausländischer Nationalität beschäftigt ist“, schreiben die IAB-Forscherinnen und -Forscher Nicole Gürtzgen, Alexander Kubis und Martina Rebien. Schon vorhandene betriebliche Erfahrungen mit Beschäftigten, die einen Migrationshintergrund haben, reduzieren die Hürden für eine betriebliche Neueinstellung ähnlicher Bewerber.

Arbeitslosigkeit: Der Teufelskreis für Flüchtlinge

Ohne Sprachkenntnisse kein Job, ohne Job keine Integration. Das kann schnell zu einem Teufelskreis für Flüchtlinge werden. Doch lokale Initiativen können gut dabei helfen, das zu vermeiden. Wie, das hat das Berlin-Institut in einer Studie analysiert.

„Aus betrieblicher Sicht sind unzureichende Deutschkenntnisse derzeit der Hauptgrund für Einstellungshemmnisse von Geflüchteten“, stellen Gürtzgen, Kubis und Rebien fest. Zudem würden viele Betriebe die beruflichen Qualifikationen der geflüchteten Menschen als noch nicht ausreichend einschätzen. Die Länder Syrien, Afghanistan und Irak bildeten den Schwerpunkt in Bezug auf die Gruppe der Herkunftsländerstruktur der Geflüchteten, mit denen Betriebe bereits Erfahrungen gemacht hatten.

„Angesichts des langfristig sinkenden Arbeitskräftepotenzials in Deutschland könnten Geflüchtete künftig einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs leisten. Die hierfür notwendigen Sprach- und Qualifikationsmaßnahmen erfordern jedoch erhebliche Anstrengungen des Staates, der Betriebe und der Geflüchteten“, so die Studien-Autoren.

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