WWF-Studie: Globale Wasserkrise trifft auch deutsche Wirtschaft

Ein Obstbauer wässert ein Erdbeerfeld bei Calden. Foto: dpa

Wasser ist knapp – trotzdem wird es von Industriestaaten grenzenlos verschwendet. Der WWF warnt nun in einer Studie, dass der globale Kampf um die Ressource Wasser auch auf dem deutschen Markt für milliardenschwere Verluste sorgen könnte.

Tomaten aus Spanien, Kleidung aus Indien, Metalle aus Südafrika, Rosen aus Kenia: Deutschland importiert jährlich massenhaft Waren aus der ganzen Welt, die ohne den Einsatz großer Wassermengen nicht verfügbar wären. Wasser aber wird global zunehmend knapp, in vielen Ländern der Welt wird dadurch die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser und die Bewässerung der Felder immer schwieriger.

Dies trifft jedoch längst nicht nur die betroffenen Exportländer. Dem World Wide Fund For Nature (WWF) zufolge wird der weltweite Wassermangel auch in Deutschland Konsequenzen haben. Sollten die zahlreichen von Deutschland importierten Waren aufgrund von Wassermangel nicht mehr eingeführt werden können, würde das deutsche Unternehmen hart treffen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Wasser-Studie des WWF.

Für die Wasserkrise verantwortlich und zugleich von ihr betroffen seien zahlreiche wichtige deutsche Wirtschaftssektoren, vom Lebensmittelhandel, über die Automobilindustrie bis zur Modebranche, sagt Philip Wagnitz, einer der Autoren der Studie. In Deutschland selbst ist dem Umweltbundesamt zufolge zwar ausreichend Wasser vorhanden. Jedes Jahr sind rund 188 Milliarden Kubikmeter Wasser verfügbar. Doch, so merkt WWF-Experte Wagnitz an, das Land sei als drittgrößte Importnation der Welt immens von ausländischen Waren abhängig – für die oft viel Wasser benötigt wird.

9.000 Liter Wasser für ein Kilogramm Baumwolle

Allein durch nach Deutschland importierte Baumwolle und Textilien aus Pakistan wird dem WWF zufolge jährlich doppelt so viel Wasser verbraucht, wie sich im Starnberger See befindet. Um in Pakistan ein Kilogramm Baumwolle anzubauen, sind knapp 9.000 Liter Wasser nötig, das zu einem großen Teil aus den östlichen Flüssen stamme. Nur rund ein Drittel des Wasers erreiche aber überhaupt die Felder, bemängelt die WWF-Studie. Der Rest verdunste unterwegs oder versickere in maroden Bewässerungskanälen, weshalb vielerorts das benötigte Wasser aus dem Grundwasser gepumpt werde.

Die Folgen einer solchen Wasserentnahme sind etwa am Aralsee in Usbekistan zu beobachten, dessen Zuflüsse durch Baumwollproduktion trockengelegt wurden. Das Wasservolumen des Sees schrumpfte dadurch um fast 90 Prozent.

Unternehmen erkennen Risiken zu spät

Die durch solche Entwicklungen wachsenden Wasserrisiken könnten im Extremfall Milliardenausfälle auch für deutsche Unternehmen nach sich ziehen, sagt Wagnitz. Die betroffenen Konzerne müssten mit Imageproblemen rechnen – und mit Standortschließungen. Dennoch wüssten viele nicht einmal, dass sie versteckten Wasserrisiken ausgesetzt sind, kritisiert der WWF-Experte. Erst wenn es zu Engpässen komme, würden sie sich dessen bewusst.

So habe etwa der Getränkekonzern Coca-Cola erst vor Kurzem in Indien eine Abfüllanlage schließen müssen. Die Bauern hatten kritisiert, dass für die Produktion der Limonade Wasser verschwendet werde, das ihnen fehle.

Ein weiteres Beispiel ist der Modekonzern H&M. Als vor vier Jahren die Baumwollernte in weiten Teilen Pakistans vom Monsunregen verwüstet wurde, stiegen die Preise für den Rohstoff schmerzhaft an. Im schlimmsten Fall, so Wagnitz, würden Überflutungen oder Dürren den Unternehmen auf dem hiesigen Markt Milliardenausfälle bescheren.

Wasserknappheit betrifft auch Europa

Dass Wasser lokal immer knapper wird, betrifft aber nicht mehr nur Entwicklungsländer und Wüstenregionen. Auch in Südeuropa, wo laut einer Studie der Europäischen Umweltagentur rund 80 Prozent des Wassers in der Landwirtschaft verbraucht werden, gibt es ein wachsendes Wasserproblem. Dem WWF zufolge droht etwa Spanien durch teils illegale Bewässerung auszutrocknen. Allein 2013 habe die Bundesrepublik von dort 180.000 Tonnen Tomaten im Wert von rund 250 Mio. Euro bezogen. Weil das Grundwasser nicht mehr ausreicht, um die Felder zu bewässern, wird seit längerem entsalztes Meerwasser genutzt.

Dennoch steigt der Wasserverbrauch weltweit weiter an. Nach Einschätzung des letzten Weltwasserentwicklungsberichts der Vereinten Nationen von 2012 gefährde dies alle Milleniums-Entwicklungsziele, auf die sich die UN-Vollversammlung im Jahr 2000 geeinigt hatte. Die wesentlichen Gründe für den steigenden Wasserbedarf sind nach Einschätzung der Unesco-Generalsekretärin Irina Bokova und Michel Jarraud, der die Unterorganisation UN-Wasser leitet, neben dem steigenden Lebensmittelbedarf die rasante Verstädterung der Welt sowie der Klimawandel.

Industrie und Wirtschaft müssen sich an Lösungen beteiligen

Um zukünftig wachsende Konflikte um Wasserressourcen zu vermeiden, müssten die Staaten endlich Pläne und Mechanismen für eine nachhaltige, grenzüberschreitende Wasserbewirtschaftung entwickeln, fordern die Autoren der WWF-Studie. Daran müssten sich auch Wirtschaft und Industrie beteiligen.

Vor allem der Agrar-Sektor, der am weltweiten Wasserbedarf einen Anteil von 70 Prozent hat, sei dazu verpflichtet. Immerhin trage die Landwirtschaft durch Pestizide und Dünger maßgeblich zur Verschmutzung bei.

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