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24/01/2017

WTO: Einigung über Streichung von Zöllen für 200 Technologieprodukte

Finanzen und Wirtschaft

WTO: Einigung über Streichung von Zöllen für 200 Technologieprodukte

Europas GPS-Industrie würde von einem ITA-Abkommen mit einer Streichung der Handelszölle profitieren.

[Surrey County Council News/Flickr]

Nach monatelangen Verzögerungen bei den Verhandlungen zum Informationstechnologie-Abkommen (ITA) gibt es jetzt einen Durchbruch. Am Wochenende einigten sich achtzig Länder bei einem von der Welthandelsorganisation (WTO) vermittelten Treffen. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Welthandelsorganisation (WTO) setzte den am Intformationstechnologie-Abkommen (ITA) beteiligten Ländern eine Frist für die Unterzeichnung bis Freitagmittag zwölf Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mit dem Abkommen würden Handelszölle für ungefähr 200 Technologieprodukte wegfallen. Dazu gehören GPS-Geräte, medizinische Ausrüstung und Halbleiter, die in einer Reihe von Geräten genutzt werden. Nach Schätzungen summiert sich das davon betroffene Handelsvolumen auf eine Billion US-Dollar pro Jahr.

„Der von diesem Abkommen abgedeckte Handel ist vergleichbar mit dem weltweiten jährlichen Handel in Eisen, Stahl, Textilien und Kleidung zusammengenommen“, sagte der WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo am Samstag.

Die Verhandlungsparteien, darunter die Europäische Union, trafen sich in der vergangenen Woche, um ein Abkommen zu erreichen. Das ITA wurde 1996 unterzeichnet. Wenn Einigkeit über die neuen Ergänzungen herrscht, könnten sie im nächsten Sommer in Kraft treten.

In den vergangenen Monaten stockten die Verhandlungen. Bei einigen Produkttypen gab es Meinungsverschiedenheiten. China und Südkorea blockierten eine Vereinbarung, sie versuchten ihre Märkte für LCD-Bildschirme und Lithiumbatterien zu schützen. Das ist ein wichtiger Bereich für den südkoreanischen Technik-Riesen Samsung. China und die EU stritten auch über analoge Radios. Zuvor hatte China eine lange Liste mit Produkten verlangt, die vom Abkommen ausgenommen bleiben sollen.

„Jetzt, da die Schlüsselprobleme angesprochen wurden, sind wir zuversichtlich, dass das neue ITA dieses Mal beschlossen wird“, sagte John Higgins, Generaldirektor von DigitalEurope.

„Alle Parteien in den Gesprächen müssen beglückwünscht werden. Sie haben den Weg für einen Deal geebnet, der einen großen Aufschwung für den globalen Handel mit technologischen Produkten nach sich ziehen wird, von denen viele nicht existierten als das erste ITA unterschrieben wurde.“

Die Telekomunternehmen, die Telefonhersteller und die GPS-Branche in Europa würden am meisten von dem Abkommen profitieren, sagte DigitalEurope-Sprecher Paul Meller.

Der Europäische Halbleiterverband (ESIA) unterstützt das ITA, antwortete aber nicht auf eine Anfrage zu einer Stellungnahme. Der US-Halbleiterindustrieverband (SIA) bezeichnete das Abkommen als „einen hart erkämpften Sieg für die Halbleiter-Industrie und den Technologie-Sektor im Allgemeinen.“ Amerikanische Unternehmen, darunter Intel, dominieren die Halbleiter-Branche.