Wissing unterstützt E-Autos als PKW der Zukunft

Verkehrsminister Volker Wissing (rechts) sagte, die Entscheidung zugunsten von Elektrofahrzeugen sei in Brüssel schon vor langer Zeit gefallen. [EPA-EFE/HENNING SCHACHT / POOL]

In der Debatte darüber, wie der Straßenverkehr am besten dekarbonisiert werden kann, wird seit langem zwischen synthetischen E-Kraftstoffen und der vollständigen Elektrifizierung des Verkehrssystems unterschieden. In einer politischen Kehrtwende hat der Verkehrsminister Wissing nun erklärt, dass Elektroautos das Rennen in der EU gewonnen haben.

Im Rahmen des EU-Klimapakets – dem „Fit for 55“-Paket – hat die Europäische Kommission ein Verkaufsverbot für umweltschädliche Fahrzeuge bis 2035 vorgeschlagen. Dieser Schritt würde den Verkauf von Benzin- und Dieselfahrzeugen in der EU effektiv beenden.

Während führende Autohersteller begonnen haben, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen, setzen andere in der Branche auf alternativ-Kraftstoffbetrieben Fahrzeugen (AFVs).

Insbesondere Kraftstoffunternehmen und die Hersteller von Autoteilen argumentieren seit langem, dass synthetische E-Kraftstoffe Autos mit Verbrennermotor dekarbonisieren können.

Sie fordern die Europäische Kommission auf, die „Technologieneutralität“ zu respektieren und beispielsweise sagt der VDA, dass die EU-Exekutive mit einem de-facto Verbot für Verbrennungsmotoren zu weit geht.

Der deutsche Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat jedoch klar gemacht, dass es auf absehbare Zeit einfach nicht genügend E-Kraftstoffe geben wird um Verbrenner EU-rechtskonform zu betreiben.

„Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben“, sagte Wissing dem Tagesspiegel.

E-Fuels (E-Kraftstoffe) sind synthetische Energieträger, die in einem energieintensiven Verfahren hergestellt werden und daher relativ selten und teuer sind. Diese E-Fuels würden vor allem für die Luftfahrt benötigt, so Wissing weiter.

Autozulieferer wie Bosch fürchten allerdings die Auswirkungen von der bevorstehenden Umstellung auf die Produktion von Elektrofahrzeugen und betreiben sogar Lobbyarbeit gegen die vorgeschlagene EU-Klimapolitik, wobei Wissings FDP lange als deren Verbündete galt.

Der Schlüsselbegriff der „Technologieneutralität“, um den sich die Zulieferer bemüht hatten, hatte im Wahlprogramm der FDP eine große Rolle gespielt. Beobachter hatten außerdem anfangs befürchtet, dass ein FDP-Verkehrsminister keine „vernünftige“ Politik betreiben werde.

Bosch soll versucht haben EU-Klimapolitik zu behindern

Das deutsche Unternehmen Bosch und andere europäische Automobil-Zulieferer behindern die Dekarbonisierung des Verkehrssektors, indem sie gegen klimafreundliche EU-Politik lobbyieren, so eine neue Analyse des Think-tanks InfluenceMap.

Aber wenn es um E-Kraftstoffe geht, „ist jeder Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen wichtig“, sagte Wissing den deutschen Abgeordneten am späten Donnerstag (13. Januar).

„Wir müssen die verschiedenen Energieträger dort einsetzen, wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb“, sagte er im Interview.

Während Wissings FDP im Wahlkampf 2021 den Einsatz von E-Kraftstoffen befürwortet hatte, merkte er an, dass die Entscheidung für Elektrofahrzeuge im Grunde bereits gefallen sei.

„Wenn Sie sich die EU-Verordnung anschauen, sehen Sie, dass die Entscheidung für die E-Mobilität schon vor langer Zeit gefallen ist.“

Wissing steht nun an der Spitze eines Ministeriums, das die ehrgeizigen Pläne Deutschlands für den Ausbau der Elektromobilität überwachen muss. Bis 2030 sollen 15 Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. „Wenn wir den Übergang vorantreiben, werden wir auch unsere Klimaziele erreichen“, erklärte er.

Der deutsche Verkehrssektor ist in der Vergangenheit hinter den ehrgeizigen Dekarbonisierungszielen des Landes zurückgeblieben, da die Emissionen in diesem Sektor gestiegen sind, anstatt zu sinken.

„Wir werden dafür sorgen, dass das Laden mit erneuerbarem Strom bezahlbar bleibt. Deshalb kann ich nur dazu raten, auf CO2-neutrale Antriebe umzusteigen. Die Nutzung fossiler Kraftstoffe wird in Zukunft teurer werden“, sagte er.

Deutschland hat einen CO2-Preis für Öl, Gas, Benzin und Diesel eingeführt, der im Jahr 2021 bei 15 Euro pro Tonne Emissionen beginnt und nun weiter ansteigt, bis er im Jahr 2025 55 € pro Tonne erreicht.

„Das klare Bekenntnis zur Elektromobilität lässt auf eine beschleunigte Antriebswende hoffen – leider hat er frühere Aussagen zu E-Kraftstoffen nicht bestätigt“, sagte Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes NABU, als Reaktion auf Wissings Rede vor den deutschen Abgeordneten.

„Wir haben heute von Minister Wissing nichts über bezahlbare Mobilität gehört“, warnte jedoch Thomas Bareiß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.

Kretschmann: strenge Auto-Emissionsvorschriften "notwendig"

Das von der Europäischen Union vorgeschlagene Paket von Energie- und Klimagesetzen wurde weitgehend von Winfried Kretschmann, dem Ministerpräsidenten vom Autoland Baden-Württemberg, unterstützt.

[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll]

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