Alexis Tsipras, Vorsitzender des linksradikalen Wahlbündnisses Syriza, wirbt vor der Neuwahl in Griechenland für Unterstützung in Deutschland und Frankreich. In Berlin forderte der Syriza-Chef eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise. Die Wahl von Syriza bedeute nicht, dass Griechenland aus dem Euro ausscheiden werde.
Der Syriza-Chef Alexis Tsipras trat am Dienstag in Berlin nach Beratungen mit Linken-Chef Klaus Ernst und dem Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi in der Bundespresskonferenz auf.
Die Wahl seiner Partei am 17. Juni würde nicht bedeuten, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt, erklärte der 37-Jährige. "Im Gegenteil, wir werden den Euro behalten." Seine Partei wolle nicht "die Zerstörung Europas". Er sprach sich dafür aus, auf europäischer Ebene eine gemeinsame Lösung für die Schuldenkrise zu finden.
Ernst sagte, dass die Krisenländer in einen "immer tieferen und rasanteren Schuldenstrudel" gerieten auf den die deutsche Regierung immer nur eine Antwort wisse: "Nämlich noch brutaler kürzen. Dieser Weg – das sehen wir an Griechenland – führt in den Abgrund."
Griechenland brauche ein Signal der Hoffnung, erklärte Gysi, nicht "die Keule von Spardiktat und Zwangsausstoß aus dem Euro". Vom EU-Sondergipfel erwarte er die "glasklare" Botschaft, dass Griechenland im Euro bleiben kann und dass dem Land "ab jetzt geholfen wird".
Bereits am Montag traf sich Tsipras in Paris unter anderem mit dem linken Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Melenchon. Gespräche mit Regierungsvertretern waren nicht vorgesehen. François Hollande hatte ein Treffen abgelehnt, obwohl er mit seinen Forderungen nach eine stärkeren Wachstumsinitiative zum Hoffnungsträger der Spar-Kritiker geworden ist.
Nach der Parlamentswahl in Griechenland am 6. Mai konnten sich die Parteien auf keine regierungsfähige Mehrheit einigen. Nun müssen die Griechen im Juni neu wählen. Bis dahin wird Griechenland von einer Übergangsregierung geführt. Umfragen deuten darauf hin, dass nun das Linksbündnis Syriza zur stärksten Kraft im Parlament werden könnte.
Griechenland droht Ende Juni erneut die Pleite, falls bis dahin keine neue Regierung im Amt ist, die die Sparzusagen gegenüber den internationalen Geldgebern einhält.
dto mit EURACTIV/rtr
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