Welthandel auf langsamerem Wachstumspfad

Einer neuen Studie verliert der Welthandel an Dynamik. [kees torn/Flickr]

Der Welthandel wächst nach einer Studie des Kreditversicherers Euler Hermes derzeit erheblich langsamer als in den Jahren vor der Finanzkrise 2008.

Verantwortlich dafür machte der Versicherer in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie vor allem wachsende Abschottungstendenzen. Für die deutschen Exporteure allerdings sind die Fachleute zuversichtlich. Sie rechnen mit einem Anstieg des Handelsvolumens von zusammen 250 Milliarden US-Dollar in diesem und dem nächsten Jahr. Das wäre Rang zwei hinter China und noch vor den USA. Der viel kritisierte deutsche Leistungsbilanzüberschuss werde dieses Jahr leicht auf 7,6 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 8,3 Prozent im Vorjahr sinken – aber sehr hoch bleiben.

Beim weltweiten Handelsvolumen rechnen die Experten in diesem Jahr mit einem Plus von 4,3 Prozent und 2018 von 3,9 Prozent. In Handelswerten gerechnet sollte die Steigerung 7,5 Prozent im diesem und 6,3 Prozent im nächsten Jahr erreichen. Im Zeitraum 2003 bis 2007 lagen die durchschnittlichen Zuwächse pro Jahr noch weit höher: gemessen am Volumen bei acht Prozent und gemessen am Wert bei 16 Prozent.

Hinter dem tendenziellen Abflauen des Wachstums im Welthandel sehen die Analysten vor allem drei Faktoren. So sei die Zahl protektionistischer Maßnahmen hoch und steige noch weiter. Allein im laufenden Jahr würden 400 neue solcher Maßnahmen erwartet. In den USA gebe es mit 87 neuen Handelshürden bis Ende November schon mehr als im Gesamtjahr 2016 mit 84. Hauptbetroffene seien China und das Nachbarland Kanada.

Jubiläum: Das Zoll- und Handelsabkommen GATT wird 70

Am 30. Oktober 1947 unterzeichneten 23 Staaten das Zoll- und Handelsabkommen GATT. 1995 wurde es in die WTO überführt. Heute droht der Abgang in die Bedeutungslosigkeit.

Zudem bremse ein erschwerter Zugang zu Finanzmitteln den Welthandel. Als dritter Faktor werden geopolitische Sorgen, wie belastete Beziehungen zu Russland, die zähen Brexit-Verhandlungen sowie die Spannungen im Nahen Osten genannt. “Ein zunehmender Finanz- und Handelsprotektionismus in Verbindung mit steigenden Zinsen in einem beunruhigenden geopolitischen Umfeld lassen steigende Handelskosten erwarten”, erklärte der Versicherer.

Die Studie lässt sich als Plädoyer für mehr Marktliberalisierung durch Freihandelsabkommen begreifen. Die Auseinandersetzungen um Abkommen wie TTIP oder CETA offenbarten allerdings auch die Schattenseiten dieses Ansatzes: Je mehr Waren täglich um die Welt geschifft werden, desto größer die Belastung der Ökosysteme. Zudem bedeutet Freihandel häufig den Wegfall von Schutzstandards für Arbeitnehmer und Verbraucher.