Weltbank bestätigt: Globales Wachstum wird immer schwächer

Schiffscontainer

Konkret hat die Weltbank in ihrem Bericht das globale Wachstum für 2019 auf 2,6 Prozent herabgestuft - 0,3 Prozentpunkte weniger als in den bisherigen Prognosen. [EPA/WOJCIECH PACEWICZ]

Nach dem IWF und der OECD hat nun auch die Weltbank ihre Wachstumsprognosen für 2019 gesenkt. Unsicherheiten in Bezug auf Handel und Investitionen seien die Ursache für diese Verlangsamung, die auch die Eurozone betrifft. EURACTIV Frankreich berichtet.

„Es gibt kein einzelnes, konkretes Land [mit schwachem Wachstum] und keinen bestimmten Grund, sondern eine allgemeine Konjunkturschwäche,“ so Franziska Ohnsorge, Mitautorin des jüngsten Berichts der Weltbank über die globalen Wirtschaftsaussichten mit dem Titel „Heightened Tensions, Subdued Investment“ (Erhöhte Spannungen, gedämpfte Investitionen).

Im Bericht wird festgestellt, dass eine Reihe von Unsicherheiten die Weltwirtschaft bedrohen: Handelsstreitigkeiten, politische Spannungen, steigende Verschuldung, weniger Exporte…

„Wir werden vor allem zunächst einen Rückgang der Rohstoffexporte sehen. Natürlich gibt es dabei zyklische Aspekte, aber die Unsicherheit im Welthandel ist größer als erwartet,“ erklärt die Weltbank-Ökonomin.

Handelskonflikte bremsen Wachstum

Handelsstreitigkeiten und andere Unsicherheitsfaktoren belasten das Wachstum der Weltwirtschaft, warnt der Internationale Währungsfonds. Schwellen- und Entwicklungsländer sind besonders starkt betroffen.

Konkret hat die Weltbank in ihrem Bericht das globale Wachstum für 2019 auf 2,6 Prozent herabgestuft – 0,3 Prozentpunkte weniger als in den bisherigen Prognosen. Dies ist eine bedeutende Veränderung: Das letzte Mal, dass eine Revision so beträchtlich war, war 2015, als die Weltwirtschaft sich in einer Rezession befand.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), der bei Prognosen grundsätzlich optimistischer ist, hatte seine eigenen Erwartungen für das Weltwachstum bereits im April drastisch von 3,9 auf 3,3 Prozent reduziert. Im Mai folgte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die ihre Schätzungen auf 3,2 Prozent senkte.

Die Eurozone

Für die Eurozone erwarten die verschiedenen Organisationen ein durchschnittliches Wachstum von 1,2 Prozent, allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen beispielsweise Frankreich (+1,3 Prozent in der OECD-Prognose) und Italien, das sich voraussichtlich in die Nähe einer Rezession bewegt. Auch für Deutschland wird ein BIP-Wachstum von lediglich 0,7 Prozent erwartet.

Obwohl die Volkswirtschaften der Eurozone relativ stark integriert sind, können sozialpolitische Effekte den Wachstumszyklus vor allem zwischen Frankreich und anderen Ländern der Zone verschieben. Vor der „Gelbwesten“-Krise hatten alle Indikatoren für Frankreich tatsächlich im grünen Bereich gelegen.

Deutschland und Italien Wachstums-Schlusslichter in EU-Prognose

Deutschland fällt wegen der mauen Weltkonjunktur laut Prognose der EU-Kommission beim Wirtschaftswachstum hinter fast alle EU-Staaten zurück.

Insgesamt lässt sich außerdem festhalten: Von den Handelsstreitigkeiten sind (offiziell) vorerst nur die bilateralen Handelsbeziehungen betroffen. Doch allein die Erwartung einer Verlangsamung des Handels kann zu Panik und einem Einbruch der Investitionen, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, führen.

Zwei Haupt-Risiken: China und die Finanzmärkte

Als eine der Hauptrisiken bezeichnete die OECD daher die Anhebung der Zölle zwischen den USA und China. Diese seien eine große Bedrohung für den Welthandel.

Der Handel zwischen den USA, China und Europa macht tatsächlich rund 40 Prozent des gesamten Welthandels aus, und jede Verlangsamung dieses Wachstums könnte die gesamte Maschinerie blockieren. Die Anleger haben ihre Risiken daher bereits abgesichert, indem sie Investitionen in Schwellenländern zugunsten reiferer Volkswirtschaften mit weniger Wachstum eingeschränkt haben.

Gleichzeitig sind die Schulden der Schwellen- und Entwicklungsländer jedoch aufgrund der niedrigen Zinsen gestiegen. Sie stehen heute bei ungefähr 50 Prozent ihres BIP, verglichen mit 15 Prozent im Jahr 2008 (vor der Finanzkrise).

„Kredite zu niedrigen Zinsen sind wie eine fettarme Ernährung: Sie funktionieren, solange die Zinsen niedrig bleiben. Aber wenn die Zinsen dann plötzlich steigen, wird die Schuldenlast (bzw. die neuen Kilos) noch höher,“ erklärt Ohnsorge.

Der G20-Gipfel und die Zukunft der Welthandelsorganisation

So wichtig dieses Bekenntnis der G20-Gruppe ist, so unklar bleibt, was damit eigentlich gemeint ist, sagen Axel Berger und Clara Brandi.

Was die Finanzmärkte betrifft, so sei besonders das hohe Bewertungsniveau einiger Vermögenswerte besorgniserregend: Die üppige Geldschöpfung der vergangenen Jahre habe sich auf die Märkte und die Immobilienbranche ausgewirkt, so die Weltbank. Dies habe man bereits im Vorfeld der letzten Finanzkrise beobachten können.

Insgesamt sei die Situation relativ gut, bleibe aber fragil. „Es könnte einen Schock geben, der eine neue Krise auslöst. Aber es ist schwierig zu wissen, welche [Art von Schock]: ein politisches Ereignis, ein kurzer Satz, eine Entscheidung über die Handelspolitik, wer weiß?,“ schließt die Ökonomin Ohnsorge.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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