Warnstreiks treffen Flughäfen und sorgen für Stau

Verdi-Chef Frank Bsirske beim Streik am Frankfurter Flughafen. [EPA-EFE/ARMANDO BABANI]

Im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes weitet Verdi die Warnstreiks aus und trifft damit vor allem Flugreisende und Pendler.

Mehr als 60.000 Beschäftigte in acht Bundesländern legten am gestrigen Dienstag nach Angaben der Gewerkschaft vorübergehend ihre Arbeit nieder. Hunderte Flüge fielen aus, weil das Sicherheitspersonal oder die Flughafenfeuerwehr in den Ausstand traten. Zudem gab es lange Staus, weil etwa in Nordrhein-Westfalen der Nahverkehr bestreikt wurde. Auch Kitas, Kliniken und Sparkassen blieben vielerorts geschlossen, Mülltonnen wurden nicht geleert. Bis Freitag soll es bundesweit Arbeitsniederlegungen geben.

Vor der nächsten Verhandlungsrunde am Wochenende rechtfertigte Verdi-Chef Frank Bsirske den erhöhten Druck auf die Arbeitgeber von Bund und Gemeinden: “Wann, wenn nicht jetzt kann es deutliche Sprünge nach oben für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben – auch im öffentlichen Dienst?”

Die Dienstleistungsgewerkschaft und der Beamtenbund dbb fordern für die 2,3 Millionen Staatsbeschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt bei zwölf Monaten Laufzeit, zumindest eine Erhöhung um 200 Euro im Monat. Bsirske sagte, die Konjunktur erlebe goldene Zeiten. Es sei zwar klar, dass man letztlich nicht 100 Prozent der Forderung durchsetzen werde. Aber es müsse deutlich mehr für die Beschäftigten herausspringen als in den vergangenen Jahren. Beim Abschluss 2016 hatte es für die Beschäftigten von Bund und Kommunen in zwei Schritten 4,75 Prozent mehr Lohn gegeben.

Das letzte Gefecht einer stolzen Gewerkschaft

Die radikale französische Gewerkschaft CGT versucht, mit dem Bahnstreik Muskeln zu zeigen. Allerdings sind die Gewerkschaften in Frankreich schwächer, als es scheint. Ein Kommentar.

Am Sonntag, Montag und womöglich noch am Dienstag wollen die Tarifparteien in Potsdam ihre Gespräche fortsetzen. Dann steigt auch der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer  in die Verhandlungen ein. Bsirske warf den Arbeitgebern vor, zu blockieren. “Diese Mauer wollen wir durchbrechen.” Bund und Kommunen müssten endlich ein Angebot vorlegen. Der Gewerkschaftschef betonte: “Wenn wir nach der dritten Verhandlungsrunde am selben Punkt stünden wie heute nach den ersten zwei Verhandlungsrunden, dann stehen die Zeichen auf Konfrontation.”

Die Warnstreiks am Dienstag sorgten vor allem in Nordrhein-Westfalen für Staus im Berufsverkehr. Der Mittelstandsverband BVMW kritisierte das “Chaos unter den Pendlern” als unverhältnismäßig. “Gerade die Streiks in den Kindertagesstätten und im ÖPNV treffen zielsicher die Mitte der Gesellschaft.”

Viele Flüge wurden gestrichen – am größten deutschen Airport in Frankfurt rund 660 von 1441 geplanten Starts und Landungen. Allein die Lufthansa hatte angekündigt, mehr als 800 Flüge zu annullieren und damit über die Hälfte der Verbindungen. Betroffen sind rund 90.000 Passagiere. Weitere Ausstände gab es in München, Köln/Bonn und Bremen. Wegen innerdeutscher Verbindungen kam es auch zu Ausfällen etwa in Hamburg, Düsseldorf oder Hannover. Hauptgrund war, dass Beschäftigte beim Sicherheitsdienst keine oder weniger Personenkontrollen machten. In Köln/Bonn waren vormittags keine Starts und Landungen möglich, da die Flughafenfeuerwehr mehrere Stunden streikte.

Nach Jahren der Lohnzurückhaltung ist auch international der Druck auf Deutschland gestiegen, aufzuholen und so den Leistungsbilanzüberschuss abzubauen. Der öffentliche Dienst könnte hier vorangehen und Impulse setzen, die auch in anderen Bereichen Wirkung zeigen. Die EU-Kommission kritisiert die Überschüsse sein Jahren und fordert unter anderem eine Verkleinerung des Niedriglohnsektors und mehr öffentliche Investitionen.

Weitere Informationen

VW vor Umbruch in der Führungsriege

Die Führungsriege des skandalbelasteten Volkswagen-Konzerns steht vor einem großen Umbruch. Die Tage von Vorstandschef Matthias Müller scheinen gezählt.

Kommission fordert neue EU-Arbeitsbehörde ab 2019

Die Kommission will eine neue EU-Agentur einrichten, die grenzüberschreitende Arbeitskonflikte überwachen und die wachsende Zahl von Menschen, die innerhalb der Union zur Arbeit reisen, handhaben soll.

Subscribe to our newsletters

Subscribe